Wien (OTS) – Bäuerinnen prägen als zentrale Entscheidungsträgerinnen
zunehmend die
Führung und Weiterentwicklung der österreichischen land- und
forstwirtschaftlicher Betriebe. Gleichzeitig zeigt die neue
Bäuerinnen-Studie 2026: Die Vereinbarkeit von Betriebsführung,
Familie, Haushalt und Pflege bleibt eine große Herausforderung. Die
Studie macht sichtbar, wie sich die Rolle der Bäuerinnen verändert
hat, welche Verantwortung sie heute tragen und wo es weitere
Verbesserungen der Rahmenbedingungen notwendig sind.
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig: „Wir stellen eine
erfreuliche Entwicklung zu mehr Hofübernehmerinnen und
Betriebsleiterinnen fest. Unsere Bäuerinnen sind der Schlüssel für
eine zukunftsfitte Landwirtschaft. Sie führen Betriebe, treffen
Entscheidungen, erschließen neue Einkommensmöglichkeiten und bringen
Innovationen auf die Höfe. Gleichzeitig leisten sie einen
wesentlichen Beitrag für Familien und unsere ländlichen Regionen. Mit
dieser Studie machen wir ihre Leistungen sichtbar und schaffen eine
wichtige Grundlage, um ihre Anliegen in der Agrarpolitik gezielter
aufzugreifen und die Rahmenbedingungen für Bäuerinnen weiter zu
verbessern.“
Rolle der Bäuerin hat sich massiv gewandelt
Bäuerinnen übernehmen heute mehr Verantwortung in der Führung land-
und forstwirtschaftlicher Betriebe als noch vor zehn oder zwanzig
Jahren. Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel bei der
Hofübernahme: Der Anteil der Hofübernehmerinnen unter den befragten
Frauen ist seit der letzten Erhebung gestiegen – von 22 Prozent im
Jahr 2016 auf rund 34 Prozent im Jahr 2026. Auch in Feld- und
Außenarbeiten (+ 3 Prozent gegenüber 2016) sind sie stärker
eingebunden.
Darüber hinaus gestalten Bäuerinnen die Weiterentwicklung ihrer Höfe
maßgeblich mit und setzen wichtige Impulse für neue Betriebszweige.
Besonders in der Direktvermarktung (rund 66 Prozent), der Be- und
Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte (rund 58 Prozent), im
Tourismus (rund 77 Prozent) sowie bei Angeboten in den Bereichen
Bildung, Soziales und Gesundheit (rund 86 Prozent) sind die befragten
Bäuerinnen häufig federführend tätig. Sie bringen Qualifikationen und
Erfahrungen ein, mit denen sie zusätzliche Einkommensmöglichkeiten
für die Betriebe erschließen.
Das Engagement der Bäuerinnen reicht auch über den eigenen Betrieb
hinaus: Mehr als die Hälfte der Befragten (rund 58 Prozent) ist
ehrenamtlich in Vereinen und Organisationen tätig. Damit leisten sie
einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben und zum
Zusammenhalt in den Regionen.
Diese Ergebnisse bestätigen, dass sich ein langfristiger Trend
fortsetzt: Die Rolle der Bäuerin entwickelt sich zunehmend von der
Mitarbeit am Betrieb hin zu eigenständiger Verantwortung und
Betriebsführung.
„Der Wandel zeigt sich auch in den Zahlen: Rund 38 Prozent der
befragten Bäuerinnen geben an hauptverantwortliche Betriebsleiterin
zu sein, weitere 31 Prozent führen den Betrieb in Ehegemeinschaft.
Gleichzeitig werden noch immer über 80 Prozent der Hausarbeit von den
Frauen selbst erledigt. Mehr Verantwortung am Betrieb muss daher auch
mit einer zunehmend partnerschaftlichen Verteilung der Aufgaben in
Familie und Haushalt einhergehen“, erklärt Bundesbäuerin Irene
Neumann-Hartberger .
Vereinbarkeit und Entlastung bleiben zentrale Aufgaben
Die wachsende betriebliche Verantwortung geht bislang nicht mit einer
ausgewogenen Verteilung der Aufgaben im privaten Bereich einher.
Bäuerinnen übernehmen weiterhin einen großen Teil der Hausarbeit,
Kinderbetreuung und Pflege. Das zeigen auch die Ergebnisse zur Care-
Arbeit: Die befragten Bäuerinnen übernehmen überwiegend die
Verpflegung und Essenszubereitung (rund 81 Prozent), Reinigung,
Wäsche und Aufräumen (85 Prozent), die Pflege Angehöriger (78 Prozent
) sowie die Kinder- und Enkelbetreuung (77 Prozent).
Diese Mehrfachbelastung lässt wenig Raum für persönliche Erholung:
Etwa ein Drittel (33 Prozent) der Befragten gibt an, noch nie
mindestens eine Woche Urlaub gemacht zu haben. Rund zwei Drittel
wünschen sich mehr Zeit für sich selbst und ihre Partnerschaft. Mehr
als die Hälfte empfindet die Vereinbarkeit von persönlicher Freizeit
und landwirtschaftlicher Tätigkeit als belastend (rund 51 Prozent).
Obwohl die Befragten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der
Landwirtschaft schätzen, bleibt es eine zentrale Herausforderung,
Betriebsführung, Erwerbsarbeit, Familie, Haushalt und Pflege mit
ausreichend Zeit für sich selbst in Einklang zu bringen.
Handlungsempfehlungen als Grundlage für weitere Verbesserungen
Die Handlungsempfehlungen setzen bei einer stärkeren sozialen,
rechtlichen und finanziellen Absicherung der Bäuerinnen an. Weitere
Schwerpunkte sind ein besserer Zugang zu niederschwelligen
Informations-, Beratungs- und Entlastungsangeboten sowie eine
stärkere Sichtbarkeit ihrer Leistungen.
„Für uns war es wichtig, neben der Erhebung der repräsentativen Daten
auch die Stimmen und Meinungen einer Vielzahl von Bäuerinnen
einzuholen und sie in die Ergebnisse einfließen zu lassen. Die
Berücksichtigung der Anliegen der Bäuerinnen in unterschiedlichen
Arbeitsverhältnissen und Lebensphasen ist bedeutend für eine
resiliente und zukunftsorientierte österreichische Landwirtschaft“,
so Projektleiterin Theresia Oedl-Wieser von der BAB.
Aus- und Weiterbildung als Zukunftsinvestition stärken
„Gerade in diesen herausfordernden Zeiten ist beste, praxisnahe Aus-
und Weiterbildung ein zentrales Fundament für die Professionalität
unserer heimischen Land- und Forstwirtschaft. Die vorliegende Studie
zu den Bäuerinnen beweist einmal mehr, dass diese am Puls der Zeit
leben, verstärkt auf Aus- und Weiterbildung setzen und sich somit ein
hervorragendes ‚Werkzeug‘ für die Zukunft aneignen. Dieses nützt
nicht nur ihnen selbst, ihren Betrieben und der gesamten Branche,
sondern der Versorgungssicherheit von ganz Österreich. Es ist eine
unverzichtbare Zukunftsinvestition, die für die Aus- und
Weiterbildung notwendigen Mittel weiterhin abzusichern und wieder zur
Verfügung zu stellen“, fordert Josef Moosbrugger .
Sichtbarkeit stärken: Initiative „Bäuerinnen im Fokus – Hof und Land
in Frauenhand“
Das Internationale Jahr der Bäuerin 2026 setzt einen starken Impuls,
die Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft stärker in den
Mittelpunkt zu rücken. Ziel ist es, über Aufmerksamkeit und
Anerkennung hinaus konkrete Verbesserungen auf den Betrieben, in
Beratung und Bildung, bei Förderstellen sowie in der
Interessenvertretung anzustoßen.
Dazu trägt die Initiative „Bäuerinnen im Fokus – Hof und Land in
Frauenhand“ bei, die Bundesminister Norbert Totschnig gemeinsam mit
den Bäuerinnen Österreich und der Landwirtschaftskammer Österreich
ins Leben gerufen hat.
„Viele Bäuerinnen nehmen ihre Zukunft mit Zuversicht, Tatkraft und
Gestaltungswillen in die Hand. Unsere Aufgabe ist es, für starke
Frauen in der Landwirtschaft geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen.
Die Gemeinsame Agrarpolitik bietet dazu zahlreiche Möglichkeiten. Die
Handlungsempfehlungen zeigen zugleich klar, dass Verbesserungen
gemeinsam und konsequent voranzutreiben sind. Mit der
Kommunikationsinitiative „Bäuerinnen im Fokus – Hof und Land in
Frauenhand“ zeigen wir, wie vielfältig die von Frauen geführte
österreichische Landwirtschaft ist“, erklärt Totschnig .
Weitere Informationen zur Bäuerinnen-Studie 2026
Die Studie zur „Arbeits- und Lebenssituation der Bäuerinnen in
Österreich 2026“ wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Land-
und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und
Wasserwirtschaft (BMLUK) von BAB Project gemeinsam mit der
Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB)
durchgeführt. Sie wird auf Initiative der Bäuerinnen Österreich seit
1976 alle zehn Jahre erstellt. 2026 wurde die Studie erstmals im
Rahmen der Evaluierung des GAP-Strategieplans erarbeitet. Die
Erhebung liefert nicht nur Ergebnisse zur aktuellen Situation der
Bäuerinnen in Österreich, sondern zeigt auch Entwicklungen und Trends
über fünf Jahrzehnte auf.
Für die aktuelle Studie wurde ein umfassender Mixed-Methods-Ansatz
gewählt. An der Online-Befragung nahmen mehr als 2.500 Bäuerinnen aus
ganz Österreich teil. Ergänzend wurden Workshops und qualitative
Erhebungen sowie eine Stakeholder-Diskussion durchgeführt.
Kurzfassung der Bäuerinnen-Studie 2026: Bäuerinnen-Studie 2026: Neue
Erkenntnisse für die Zukunft der österreichischen Landwirtschaft –
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und
Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft
Mediakit / Grafiken: https://we.tl/t-JCCQhHBhnKdgPux7
Landingpage : https://www.landwirtschaft.at/baeuerinnen/
Die Publikation der Langfassung der Studie erscheint
voraussichtlich im Jänner 2027.