Wien (OTS) – Auch der Almsommer 2026 war in weiten Teilen Österreichs
von
außergewöhnlicher Trockenheit geprägt. Hohe Temperaturen und über
lange Zeit ausbleibende Niederschläge führten auf zahlreichen Almen
zu Futtermangel und Problemen bei der Wasserversorgung. Die
Landwirtschaftskammer Österreich und die Almwirtschaft Österreich
ziehen zum Ende der Saison gemeinsam Bilanz und beleuchten, was es
für die Zukunft braucht.

Die Auswirkungen der Trockenheit waren in allen Almregionen
Österreichs spürbar, wenngleich in regional sehr unterschiedlichem
Ausmaß. Bereits die geringen Schneemengen des vergangenen Winters und
das niederschlagsarme Frühjahr sorgten vielerorts für ungünstige
Ausgangsbedingungen. Die hohen Temperaturen und fehlenden
Niederschläge während des Sommers verschärften die Situation
zusätzlich.

Teilweise Wasser- und Futtertransporte sowie früherer Almabtrieb
notwendig

„Auf zahlreichen Almweiden blieb der für die Sommermonate übliche
Aufwuchs aus, Weidebestände vertrockneten teilweise vollständig. Auf
besonders betroffenen Almen reichte das vorhandene Futter nicht mehr
für die vorgesehene Alpungsdauer aus. Teilweise mussten Tiere früher
als geplant ins Tal zurückgebracht oder Heu zugefüttert werden.
Angesichts der vielerorts ohnehin knappen Winterfuttervorräte stellt
das eine zusätzliche Belastung dar“, hebt Josef Obweger, Obmann der
Almwirtschaft Österreich, hervor.

„Auch die Wasserversorgung der Weidetiere, des Almpersonals und
der Gäste wurde mancherorts zu einem großen Problem. Quellen und
natürliche Wasserstellen führten deutlich weniger Wasser oder
versiegten vollständig. In besonders betroffenen Gebieten musste
Wasser mit erheblichem organisatorischem und finanziellem Aufwand
über längere Zeiträume auf die Almen transportiert werden“, berichtet
Obweger.

Anpassung der Almen an neue klimatische Bedingungen erforderlich

„Der Sommer 2026 hat uns sehr deutlich vor Augen geführt, wie
unmittelbar sich der Klimawandel auch auf die Almwirtschaft auswirkt.
Die Situation war nicht überall gleich dramatisch, aber kaum eine
Almregion blieb von der Trockenheit völlig verschont. Unsere
Almbäuerinnen und Almbauern haben mit enormem Einsatz alles
darangesetzt, ihre Tiere auch unter diesen schwierigen Bedingungen
bestmöglich zu versorgen und somit die Almbewirtschaftung
aufrechtzuerhalten“, erklärt der Almwirtschafts-Obmann.

Grundsätzlich können längere Vegetationsperioden auch gewisse
Chancen für die Almwirtschaft bieten und zu mehr Aufwuchs führen.
Viele Almverantwortliche haben ihr Weidemanagement in den vergangenen
Jahren bereits entsprechend angepasst – etwa durch gelenkte
Weideführung. „Häufen sich jedoch ausgeprägte Hitze- und
Trockenperioden, geraten Futtergrundlage und Wasserversorgung
zunehmend unter Druck. Umso wichtiger werden künftig neben einem
angepassten Weidemanagement weitere Investitionen in Speicherteiche,
Tränkeeinrichtungen und Wasserleitungen auf den Almen sein“, betont
Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich (
LKÖ).

„Unsere Almen sind ein unverzichtbarer Bestandteil der
österreichischen Landwirtschaft. Eine aktive Bewirtschaftung ist die
Basis einer attraktiven Landschaft, von Artenvielfalt und Tourismus
in unseren Berggebieten. Der heurige Sommer zeigt aber auch, dass die
Aufrechterhaltung der bäuerlichen Leistungen unter zunehmend
schwierigen klimatischen Bedingungen keine Selbstverständlichkeit
ist. Wer unsere Almen langfristig erhalten will, muss auch
entsprechenden Rahmenbedingungen für unsere bäuerlichen Familien
schaffen, damit diese auf die Veränderungen reagieren und notwendige
Investitionen tätigen können“, betont Moosbrugger, der fordert, die
bäuerlichen Leistungen der Almbäuerinnen und Almbauern für die
Allgemeinheit auch in Zukunft entsprechend abzugelten und zu
erhalten.

Wolfsituation bleibt angespannt und erfordert Management

Neben Trockenheit und Wassermangel war einmal mehr auch die
Situation rund um den Wolf ein bestimmendes Thema auf Österreichs
Almen. Die steigende Wolfspopulation, insbesondere auch durch die
Zuwanderung von Tieren aus den südlichen Nachbarländern, stellt die
Alm- und Weidewirtschaft weiterhin vor erhebliche Herausforderungen.
Aus Sicht der Landwirtschaftsvertreter sind daher die in den
Bundesländern geschaffenen Möglichkeiten zur Regulierung besonders
wichtig. Etwa in Kärnten und Tirol, wo es heuer auch die meisten
Rissvorfälle gegeben hat, wurden bereits mehrere Wölfe entnommen.

Empört zeigt sich Obweger über in diesem Zusammenhang
eingebrachte Anzeigen gegen Almbewirtschafterinnen und –
bewirtschafter nach Nutztierrissen: „Für mich ist es völlig
unverständlich, wenn Almbäuerinnen und Almbauern, deren Tiere bereits
Opfer eines Wolfsrisses geworden sind, zusätzlich angezeigt werden,
ohne die konkreten Gegebenheiten auf der jeweiligen Alm zu
berücksichtigen. Gerade diese Betriebe ermöglichen ihren Tieren mit
der Alpung ein Höchstmaß an Bewegungsfreiheit und Tierwohl. Sie nach
einem Riss zusätzlich unter Druck zu setzen, ist für mich der völlig
falsche Weg.“

EU-Agrarpolitik ab 2028 muss Zukunft der Almen absichern

„Die Erfahrungen dieses Almsommers auch punkto Kosten zeigen,
dass der Aufwand für den Erhalt und die Nutzung der österreichischen
Almen weiter steigt. Da es Ziel von ganz Österreich sein muss, diese
unverzichtbaren Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsräume zu erhalten,
müssen bei der Ausgestaltung der künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (
GAP) die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die
Almbewirtschaftung auch langfristig attraktiv und wirtschaftlich
möglich bleibt“, fordert Moosbrugger.

„Unsere Almwirtschaft lebt seit Generationen von Menschen, die
mit großer Leidenschaft, Tradition und viel Idealismus hinter ihren
Almen stehen. Darauf können und wollen wir auch in Zukunft bauen.
Aber Idealismus alleine bezahlt keine Rechnungen oder gar
Investitionen. Wenn wir wollen, dass unsere rund 8.000 Almen auch in
Zukunft bewirtschaftet und offengehalten werden, braucht es in der
GAP ab 2028 eine angemessene, an die Kosten angepasste Abgeltung der
Leistungen“, unterstreicht der LKÖ-Präsident.