Wien (OTS) – Der Welterschöpfungstag, oder Earth Overshoot Day, fällt
dieses Jahr
auf den 30. Juli. Ab sofort hat die Menschheit rechnerisch alle
natürlichen Ressourcen verbraucht, welche die Erde innerhalb eines
Jahres erneuern kann.
„Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass wir die Erde schon
Mitte des Jahres ausgeplündert haben. In nicht einmal 30 Jahren hat
unsere Gier nach Rohstoffen den Welterschöpfungstag von Oktober in
den Juli verlagert. Diese Entwicklung muss gestoppt werden. Ein
Kreislaufwirtschaftsgesetz und ein Gesetz gegen Fast Fashion sind
dafür unabdingbar“, fasst Anna Leitner, Sprecherin für Ressourcen-
und Lieferkettensprecherin von GLOBAL 2000, zusammen.
Rohstoffverschwendung
Fast Fashion, KI-Rechenzentren, große Autos und die zugehörige
Infrastruktur verschlingen enorme Mengen an Rohstoffen. Diese
Rohstoffe fehlen dann für Stromnetze, Windräder und den öffentlichen
Verkehr. Die hohe Nachfrage treibt nicht nur den Preis, sondern
erhöht auch den Druck, noch schneller und mehr Rohstoffe abzubauen –
ohne Rücksicht auf die Umwelt und Menschen vor Ort.
„Die lineare Wegwerf-Wirtschaft verbraucht einen überproportional
großen Anteil der Ressourcen, während die globale Allgemeinheit die
ökologischen Folgekosten trägt. Unternehmen, die besonders viele
Ressourcen beanspruchen, sollten auch stärker zur Finanzierung der
Transformation beitragen“, fordert Leitner und spricht sich für ein
nationales Kreislaufwirtschaftsgesetz und ein Gesetz gegen Fast
Fashion aus.
Die Einnahmen aus der erweiterten Herstellerverantwortung sollen
gezielt in Reparatur, Wiederverwendung, Recycling und den Ausbau der
Kreislaufwirtschaft investiert werden.
Lösung: Kreislaufwirtschaft
Kaufen, benutzen, wegwerfen. Dieses Wirtschaftsmodell verschiebt
den Welterschöpfungstag immer früher ins Jahr. Unrühmliche Negativ-
Beispiele sind etwa Jeans des Ramschhändlers Temu: Nach ein paar Mal
tragen landet minderwertig produzierte Kleidung im Müll. “Mit einer
verbrauchten Billig-Jeans landen auch 7000 Liter Wasser, ein Kilo
Baumwolle, ein halbes Kilo Chemikalien, Kupfer, Zink und Stahl direkt
in unseren Mülleimern”, rechnet Leitner den oft unbekannten
Ressourcen-Berg hinter den Produkten vor.
Lithium, Kobalt, Nickel, Kupfer und Graphit werden dringend für
Smartphones, E-Autos und Stromspeicher benötigt – mit dem Verbot von
Einweg-Vapes kann mit einfachen Mitteln eine Unmenge dieser Rohstoffe
eingespart werden und sinnvollere Verwendung finden. „Das Verbot von
Einweg-Vapes ist gut und wichtig. Gleichzeitig bleibt es aber eine
Insellösung. Wenn wir den Welterschöpfungstag wieder Richtung
Jahresende verschieben wollen, brauchen wir eine umfassende
Kreislaufwirtschaft statt einzelner Verbote“, so Leitner.
Nur stabile politische Maßnahmen wirken
Am Beispiel des eingestellten Reparaturbonus bzw. der Geräte-
Retter-Prämie zeigt sich, dass ein Kreislaufwirtschaftsgesetz
dringend notwendig ist. „Viele Betriebe haben in Personal,
Werkstätten und neue Reparaturangebote investiert und jetzt streicht
der Umweltminister die Prämie auf Null. Ein solcher Zickzack-Kurs
schafft Unsicherheit und bremst den Aufbau einer funktionierenden
Kreislaufwirtschaft“, kann Leitner nur den Kopf schütteln.
Einen konkreten Gesetzesvorschlag für nachhaltige
Kreislaufwirtschaft, hat GLOBAL 2000 im April vorgelegt. „Der Ball
liegt bei Umweltminister Norbert Totschnig. Wenn er den
Welterschöpfungstag Schritt für Schritt wieder nach hinten
verschieben will, führt an einem wirksamen Kreislaufwirtschaftsgesetz
kein Weg vorbei. Dann wird Österreich von der Traumfabrik der
Kreislaufwirtschaft endlich zur Umsetzungsfabrik werden.“