Kinderwagen im Test: Schadstoffe bleiben das größte Problem

Wien (OTS) – Gemeinsam mit der Stiftung Warentest hat der Verein für
Konsumenteninformation (VKI) zwölf Kinderwagenmodelle getestet –
darunter neun Kombikinderwagen für ein Kind sowie drei Modelle für
Zwillinge oder Geschwisterkinder. Das Ergebnis fällt gemischt aus:
Zwar erreichen vier Kinderwagen die Note „gut“, gleichzeitig fallen
mehrere Modelle deutlich durch. Hauptgründe dafür sind Belastungen
mit Schadstoffen sowie ergonomische Schwächen bei der Nutzung durch
Babys und Kleinkinder.

„Eltern erwarten von einem Kinderwagen vor allem Sicherheit,
Komfort und eine schadstofffreie Umgebung für ihr Kind. Unser Test
zeigt jedoch, dass diese Anforderungen nicht bei allen Produkten
erfüllt werden“, sagt Christian Undeutsch, zuständiger Experte im
VKI.

Schadstoffe führen zu deutlichen Abwertungen

Besonders kritisch bewertet wurden Schadstofffunde in einzelnen
Modellen. In zwei Kinderwagen wurde der Weichmacher DEHP in Mengen
entdeckt, die über dem gesetzlichen Grenzwert liegen. Betroffen waren
ein Sitzbügel sowie ein mitgelieferter Wetterschutz. DEHP gehört zu
den Phthalaten und steht im Verdacht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu
beeinträchtigen. Der Stoff ist in Babyartikeln bereits seit Jahren
verboten. Entsprechend streng floss der Befund in die Bewertung ein.

Darüber hinaus wurden PFAS in mehreren Modellen gefunden. Diese
langlebigen Industriechemikalien werden häufig eingesetzt, um
Textilien wasser- und schmutzabweisend zu machen. Für Kinder besteht
durch den direkten Kontakt zwar nur ein geringes Risiko, da die
Stoffe fest im Material gebunden sind. Problematisch sind PFAS jedoch
für die Umwelt: Sie können bei Herstellung, Nutzung oder Entsorgung
freigesetzt werden und gelten als besonders schwer abbaubar. „Auch
wenn von den PFAS-haltigen Materialien im Alltag keine unmittelbare
Gesundheitsgefahr für Kinder ausgeht, sind solche Funde aus Umwelt-
und Verbraucherschutzsicht kritisch zu sehen“, so Undeutsch.

Zu kleine Liegewannen und ungeeignete Sitze

Ein weiterer Schwerpunkt des Tests war die kindgerechte
Gestaltung. Dabei zeigte sich, dass einige Kinderwagen für Babys nur
eingeschränkt geeignet sind. So waren einzelne Liegewannen so knapp
bemessen, dass größere Babys bereits nach wenigen Monaten mit Kopf
und Füßen anstoßen. Besonders problematisch wird dies dann, wenn der
Wechsel in die Sitzeinheit noch nicht möglich ist. In mehreren Fällen
entstand dadurch eine Nutzungslücke von mehreren Monaten: Die
Babywanne wird zu klein, während der Sitz für Kinder dieses Alters
noch nicht ergonomisch geeignet ist.

Auch bei den Sitzeinheiten zeigten sich Schwächen. Teilweise
waren Rückenlehnen zu kurz oder die Liegepositionen nicht ausreichend
flach. Statt einer nahezu ebenen Ruhefläche wurden die Sitze
lediglich leicht nach hinten geneigt. Das schränkt die
Bewegungsfreiheit der Kinder ein und kann den Schlafkomfort
beeinträchtigen.

Ergonomie auch für Eltern wichtig

Auch die Ergonomie für die schiebenden Erwachsenen wurde
bewertet. Dabei zeigte sich, dass die Verstellmöglichkeiten der
Schieber teils stark variieren. Während einige Modelle einen großen
Höhenbereich abdecken und damit für unterschiedliche Körpergrößen
geeignet sind, bieten andere nur einen eingeschränkten
Verstellbereich oder sogar eine fixe Griffhöhe. Das kann insbesondere
für große oder sehr kleine Personen rasch zu einer unbequemen Haltung
führen.

Zweisitzer bleiben hinter den Erwartungen zurück

Während bei den Kinderwagen für ein Kind mehrere Modelle gute
Ergebnisse erzielen konnten, fiel die Bilanz bei den Wagen für zwei
Kinder deutlich verhaltener aus. Keines der getesteten Produkte
erreichte eine bessere Gesamtbeurteilung als „durchschnittlich“.
Verantwortlich dafür waren je nach Modell Nachteile bei Komfort,
Ergonomie, Schadstoffen oder Sicherheit.

Kaufentscheidung nicht vom Preis abhängig machen

„Der Test zeigt außerdem, dass ein hoher Preis keine Garantie für
hohe Qualität ist. Einige vergleichsweise günstige Modelle schnitten
deutlich besser ab als wesentlich teurere Kinderwagen. Umgekehrt
fanden sich unter den Schlusslichtern auch Produkte im oberen
Preissegment“, kommentiert Undeutsch.

VKI-Tipps für den Kauf

ausreichend große Liegewanne (mindestens 78 cm lang und 35 cm
breit)

möglichst flach verstellbare Sitzeinheit

lange Rückenlehne und verstellbare Fußstütze

höhenverstellbarer Schieber für die Eltern

gute Belüftung und wirksamer Sonnenschutz

ausreichender Stauraum und passende Transportmaße

vollständige Ausstattung mit Regenschutz

SERVICE: Die ausführlichen Testergebnisse gibt es ab 30.07.2026
in der August-Ausgabe der Zeitschrift KONSUMENT und auf
www.vki.at/kinderwagen-test-2026 .

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