Wien (OTS) – 40 Grad in Wien. Über 40 Grad in Bad Deutsch-Altenburg.
Die
Hitzewelle Ende Juni hat gezeigt, was viele noch unterschätzen: Ein
gut gedämmtes Haus bleibt im Sommer deutlich kühler und reduziert den
Bedarf an zusätzlicher Kühlung. Die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH)
fordert deshalb: Vorhandene Fördermittel gezielter einsetzen und
thermische Sanierungen vor den reinen Heizungstausch stellen.
Messungen im Forschungspark Wopfing (NÖ) zeigen eindrucksvoll,
wie stark Dämmung wirkt: Bei 36,5 Grad Außentemperatur lag die
Temperatur im gut gedämmten Haus bei nur 25,9 Grad – ein Unterschied
von mehr als zehn Grad. Gute Dämmung schützt also nicht nur vor
Kälte, sondern auch vor extremer Sommerhitze.
Ein Heizkessel kühlt nicht – ein gedämmtes Haus schon
Wer eine neue Heizung einbaut, aber nicht dämmt, löst nur die
halbe Aufgabe. Ein schlecht gedämmtes Haus verliert im Winter Wärme
und nimmt im Sommer Hitze auf. Thermische Sanierung wirkt in beide
Richtungen: Sie hält die Wärme im Winter im Haus und im Sommer die
Hitze draußen. Das ist keine Theorie. Das ist Physik.
Österreich dämmt zu wenig
Die thermische Sanierungsrate in Österreich lag bis 2024 bei nur
0,9 Prozent pro Jahr. Das bedeutet: Der Großteil des österreichischen
Gebäudebestands bleibt unsaniert – im Winter kalt, im Sommer heiß.
Gleichzeitig ist der Dämmstoffmarkt seit 2021 um rund 30 Prozent
eingebrochen. Wer jetzt nicht gegensteuert, wird die Folgen der
nächsten Hitzewellen spüren – in Wohnungen, Pflegeheimen und Schulen.
Dabei wäre kein zusätzliches Geld nötig. Was fehlt, ist nicht das
Budget, sondern der gezieltere Einsatz der vorhandenen Mittel. Kein
Förder-Euro sollte länger in einen Heizungstausch fließen, ohne dass
gleichzeitig über eine thermische Sanierung nachgedacht wird.
Dämmung braucht Fachkräfte und Qualität
Klimafit werden heißt bauen und sanieren. Dazu brauchen wir
Fachkräfte, die das Handwerk beherrschen. Gute thermische Sanierung
ist Handwerk – kein Produkt, das man einfach bestellt. Ohne
ausgebildete Fachkräfte funktioniert kein Sanierungsprogramm. „Wir
reden in Österreich viel über den Klimawandel. Aber wir dämmen zu
wenig. Wer einen Heizkessel tauscht, ohne zu dämmen, löst das Problem
nicht – er verschiebt es. Ein Heizkessel kühlt kein Haus und ohne
gute Dämmung heizt man im Winter und kühlt im Sommer sprichwörtlich
zum Fenster hinaus. Thermische Sanierung schützt nicht nur vor
Heizkosten im Winter – sie schützt auch vor Hitze im Sommer. Die
Regel muss lauten: erst dämmen, dann Heizung tauschen. Denn
Hitzeschutz darf keine Frage des Geldbeutels sein“, so Abg. z. NR
Josef Muchitsch, GBH-Bundesvorsitzender.
Was jetzt notwendig ist
Erstens: Kein Förder-Euro für Heizungstausch ohne Dämmung. Die
vorhandenen Fördermittel müssen dort eingesetzt werden, wo sie die
größte Wirkung entfalten – bei der Senkung des Energieverbrauchs und
beim Schutz vor Hitze und Kälte.
Zweitens: Sanierungsförderungen müssen dorthin, wo sie am
dringendsten gebraucht werden. Besonders Mehrparteiengebäude und
leistbare Wohnungen müssen im Fokus stehen – dort ist die
Hitzebelastung oft am größten und notwendige Investitionen fehlen
häufig.
Drittens: Fachkräfte sichern. Sanierung braucht Menschen, die das
Handwerk beherrschen. Ausbildung, faire Löhne und gute
Arbeitsbedingungen sind die Voraussetzung dafür, dass Österreich
klimafit wird.
Hitze.App: Sofort wissen, wann es so weit ist
Die kostenlose Hitze.App der GBH zeigt per Postleitzahl in
Echtzeit an, ob die für Hitzefrei relevante Temperatur von 32,5 Grad
Celsius erreicht wurde – abgestimmt mit den Wetterdaten der GeoSphere
Austria. Download: gbh-news.at/hitze-app
GBH-Hitzetage – die bisherigen Themen
Tag 1: Verantwortung übernehmen – Gesundheit schützen
Tag 2: Es geht um wenige Stunden – nicht um ganze Tage
Tag 3: Die coolsten Baustellen Österreichs gesucht
Tag 4: Hitzeschutz beginnt vor dem ersten Spatenstich
Tag 5: Eine heiße Woche. Tausende, die sie durchgearbeitet haben.
Tag 6: Über 500 Gespräche zeigen – Hitzeschutz-Verordnung noch
nicht überall angekommen
Tag 7: Die Ironie der Hitzewelle – wer kühlt jene, die uns
kühlen?
Tag 8: Je länger bei Hitze gearbeitet wird, desto gefährlicher
Tag 9: Die Verschnaufpause nutzen – jetzt auf die nächste
Hitzewelle vorbereiten
Tag 10: Mehr dämmen gegen Hitze und Kälte





