Wien (OTS) – Schlaflosigkeit (Insomnie) ist nicht nur mit schlechtem
Schlaf und
eingeschränkter Leistungsfähigkeit am Tag verbunden, sondern kann
auch ein Hinweis auf erhöhte gesundheitliche Risiken sein. Eine
internationale Übersichtsarbeit der European Academy of Neurology
unter Beteiligung der MedUni Wien zeigt einen Zusammenhang mit
Schlaganfall, Krankenhausaufnahmen sowie mehreren neurologischen und
psychischen Erkrankungen. Die Ergebnisse wurden im hochrangigen
Fachjournal Sleep Medicine Reviews veröffentlicht.

Für die Untersuchung fasste das Forschungsteam die verfügbare
Evidenz zu sieben Bereichen zusammen: Demenz, Schlaganfall,
Depression, suizidalem Verhalten, Sterblichkeit, Arbeitsunfällen und
Krankenhausaufnahmen. Zusätzlich wurden neue systematische Reviews zu
Schlaganfall, Arbeitsunfällen und Krankenhausaufnahmen durchgeführt.

Zwtl.: Zusammenhang mit Schlaganfall und Krankenhausaufnahmen

Für die Analyse zum Schlaganfall wurden neun Studien mit
insgesamt mehr als 1,3 Millionen Teilnehmer:innen identifiziert,
sechs davon konnten in einer Metaanalyse zusammengeführt werden.
Demnach war Insomnie mit einem um 26 Prozent höheren
Schlaganfallrisiko verbunden. Für Krankenhausaufnahmen wurden fünf
Studien ausgewertet; die Metaanalyse ergab bei Menschen mit Insomnie
um 28 Prozent höhere Chancen auf eine Hospitalisierung.

Auch für weitere Bereiche der Gehirn- und psychischen Gesundheit
zeigten sich Zusammenhänge. Mehrere systematische Reviews fanden
Assoziationen zwischen Insomnie und Demenz, insbesondere Alzheimer-
Krankheit, sowie mit Depression und suizidalem Verhalten. Die
Ergebnisse waren allerdings nicht bei allen untersuchten Endpunkten
einheitlich.

„Schlaf sollte in jedem Lebensalter Teil der Diskussion über
Gehirngesundheit sein. Wir sollten das Bewusstsein für Insomnie und
ihre Behandlung stärken und dafür sorgen, dass Schlaf auch in
Programmen zur Gesundheitsförderung in Gemeinden, Schulen und am
Arbeitsplatz berücksichtigt wird“, sagt Ko-Autor Stefan Seidel von
der MedUni Wien. Der Neurologe und Schlafmediziner mit Lehrauftrag an
der MedUni Wien ist ärztlicher Direktor der Klinik Pirawarth und
initiierte in seiner Funktion als Mitglied der EAN diese Studie.

Zwtl.: Zusammenhang bedeutet nicht Ursache

Die Autor:innen betonen, dass die Ergebnisse keine direkte
ursächliche Wirkung der Insomnie belegen. Unterschiede bei der
Definition von Schlaflosigkeit sowie mögliche Einflussfaktoren wie
die Einnahme von Schlafmedikamenten schränken die Aussagekraft
einzelner Analysen ein. Die Ergebnisse sprechen jedoch dafür,
Insomnie als möglichen Warnhinweis im Zusammenhang mit Gehirn- und
psychischer Gesundheit stärker zu berücksichtigen.

Publikation: Sleep Medicine Reviews
Insomnia as risk factor for brain, mental and general health
consequences: an umbrella systematic review.
Vignatelli L, Leone MA, Pupillo E, Seidel S, et al.: Sleep Medicine
Reviews, 2026.
DOI: 10.1016/j.smrv.2026.102372