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Rheumatoide Arthritis: Zeitpunkt der Diagnose und rasche Therapieeinleitung sind entscheidend für die Prognose

Wien (OTS) – Eine frühzeitige und konsequent gesteuerte Behandlung
kann den
Verlauf der rheumatoiden Arthritis entscheidend beeinflussen und
bleibende Gelenkschäden verhindern. Welche diagnostischen und
therapeutischen Maßnahmen dafür nach dem aktuellen Stand der
Forschung entscheidend sind, zeigt eine internationale
Übersichtsarbeit unter der Leitung von Josef S. Smolen von der
Medizinischen Universität Wien. Die im Top-Journal JAMA
veröffentlichte Analyse fasst die Evidenz zu Entstehung, Diagnostik,
Therapie und Prognose der Erkrankung zusammen.

Für die Übersichtsarbeit sichtete das Forschungsteam der
Medizinischen Universität Wien und der Stanford University (USA)
15.886 wissenschaftliche Publikationen. Nach einer detaillierten
Bewertung von 620 Arbeiten flossen 120 Studien in die Analyse ein,
darunter 43 randomisierte klinische Studien, 28 Kohortenstudien, elf
systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen sowie 15
internationale Leitlinien und Handlungsempfehlungen. Die Ergebnisse
zeigen, dass der Zeitpunkt der Diagnose entscheidend für den
Krankheitsverlauf ist. Wird die Erkrankung möglichst innerhalb von
sechs Wochen nach Auftreten der ersten Symptome erkannt, kann die
Therapie mit krankheitsmodifizierenden Antirheumatika frühzeitig
begonnen werden. Diese sogenannten DMARDs (Disease Modifying Anti-
Rheumatic Drugs) bremsen die Entzündung und können das Fortschreiten
der Erkrankung verhindern.

Zwtl.: Klares Therapieziel, konsequente Anpassung der Behandlung

„Ziel der Behandlung ist eine mindestens 50-prozentige
Verringerung der Krankheitsaktivität innerhalb von drei Monaten sowie
eine Remission, also weitgehende Beschwerdefreiheit, oder zumindest
eine niedrige Krankheitsaktivität nach sechs Monaten“, verdeutlicht
Studienleiter Josef S. Smolen (Klinische Abteilung für Rheumatologie,
Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien). Als
Erstlinientherapie empfehlen die aktuellen europäischen Leitlinien
den Wirkstoff Methotrexat, gegebenenfalls ergänzt durch eine zeitlich
begrenzte Behandlung mit Glukokortikoiden. Rund 40 Prozent der
Patient:innen erreichen mit dieser Therapie innerhalb von sechs
Monaten das primäre Behandlungsziel einer Remission. Wird dieses Ziel
nicht erreicht, erhöht die Ergänzung um Biologika oder Januskinase-
Inhibitoren (JAK-Inhibitoren) – Medikamente, die bestimmte Moleküle
oder Signalwege des Immunsystems hemmen – den Anteil der
Patient:innen mit Remission oder niedriger Krankheitsaktivität auf
etwa 80 Prozent.

Die Studienautor:innen betonen außerdem die Bedeutung des
sogenannten „Treat-to-Target“-Ansatzes. Dabei wird die
Krankheitsaktivität regelmäßig mit standardisierten Messinstrumenten
erfasst und die Behandlung bei Bedarf frühzeitig angepasst. Dieses
strukturierte Vorgehen verbessert nachweislich die
Behandlungsergebnisse gegenüber einer routinemäßigen Versorgung ohne
festgelegte Therapieziele.

Rheumatoide Arthritis ist eine chronische Autoimmunerkrankung,
bei der sich das Immunsystem gegen die Gelenkinnenhaut richtet. Die
dadurch ausgelöste Entzündung kann Knorpel und Knochen dauerhaft
schädigen und zu bleibenden Funktionseinschränkungen führen. „Die
wissenschaftliche Evidenz zeigt heute klar, dass eine frühe Diagnose,
ein klares Therapieziel und eine konsequente Anpassung der Behandlung
die besten Voraussetzungen schaffen, um Gelenkschäden zu verhindern
und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten langfristig zu
erhalten“, so Co-Autor Daniel Aletaha, Leiter der Klinischen
Abteilung für Rheumatologie an der MedUni Wien.

Publikation: JAMA (Journal of the American Medical Association)
Rheumatoid Arthritis in Adults.
Josef S. Smolen, Andreas Kerschbaumer, Daniel Aletaha, William
Robinson.
DOI: 10.1001/jama.2026.15455
https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2853931