Wien (OTS) – Auf Österreichs Wirtschaft rollt eine der größten
Herausforderungen
der kommenden Jahre zu: Bis zum Ende dieses Jahrzehnts muss nahezu
jedes zweite mittelständische Unternehmen eine Nachfolgelösung
finden. Das zeigt eine aktuelle Studie von Creditreform Österreich
und CH Consult – Mag. Christian Hurek, ein auf Unternehmensnachfolgen
und -beteiligungen spezialisiertes Beratungsunternehmen. Gleichzeitig
verändert sich die Art der Unternehmensübergabe grundlegend: Immer
häufiger übernehmen externe Käufer oder Mitarbeiter die Betriebe,
während familieninterne Nachfolgen weiter zurückgehen.
Für Creditreform ist klar: Unternehmensnachfolge ist längst kein
individuelles Unternehmerthema mehr, sondern entwickelt sich zu einer
zentralen wirtschaftspolitischen Herausforderung.
„Die erfolgreiche Unternehmensnachfolge entscheidet nicht nur
über die Zukunft einzelner Betriebe. Sie sichert Arbeitsplätze,
erhält Know-how und stärkt regionale Wirtschaftsstrukturen. Jede
gescheiterte Nachfolge bedeutet den Verlust von Wertschöpfung und
unternehmerischer Substanz“ , sagt Mag. Gerhard M. Weinhofer,
Mitglied der Geschäftsleitung von Creditreform Österreich.
Zwtl.: Fast jedes zweite Unternehmen vor der Übergabe
Die Studie zeigt, dass 45 Prozent der österreichischen
Unternehmen bis 2030 eine Nachfolgeregelung benötigen. Besonders
betroffen sind Oberösterreich und Salzburg, wo bereits heute mehr als
die Hälfte der Betriebe vor einer Unternehmensübergabe steht.
Der hohe Nachfolgebedarf zieht sich quer durch Industrie, Bau,
Handel und Dienstleistungen und betrifft damit den gesamten
österreichischen Mittelstand.
Zwtl.: Familiennachfolge verliert an Bedeutung
Besonders deutlich zeigt die Untersuchung den Wandel bei der Art
der Unternehmensübergabe.
Bereits 40 Prozent der Unternehmen planen eine familienexterne
Nachfolge – entweder durch den Verkauf an Investoren oder durch die
Übernahme durch das Management beziehungsweise Mitarbeiter. In
mehreren Bundesländern liegt dieser Anteil bereits bei deutlich über
45 Prozent.
Die klassische Familiennachfolge bleibt zwar ein wichtiger
Pfeiler des österreichischen Unternehmertums, verliert jedoch
kontinuierlich an Bedeutung. Dort, wo sie gelingt, erfolgt sie in 80
Prozent der Fälle ohne finanzielle Gegenleistung innerhalb der
Familie.
„Die Unternehmensnachfolge zählt zu den komplexesten Phasen im
Lebenszyklus eines Unternehmens. Wer frühzeitig plant – auch mit
Unterstützung durch externe Expertise -, schafft die besten
Voraussetzungen für einen erfolgreichen Generationenwechsel“ ,
erklärt Christian Hurek, Partner von CH Consult.
Zwtl.: Markt für Unternehmensübernahmen gewinnt an Dynamik
Die Studie liefert gleichzeitig positive Signale für den
Nachfolgemarkt. Bereits 34 Prozent der befragten Unternehmerinnen und
Unternehmer können sich vorstellen, ein Unternehmen im Rahmen einer
Nachfolge zu übernehmen. Damit wächst die Zahl potenzieller Käufer
und eröffnet Betrieben ohne familieninterne Nachfolger neue
Perspektiven. Nach Einschätzung von Creditreform wird dadurch der
Markt für Unternehmensübernahmen in den kommenden Jahren deutlich an
Bedeutung gewinnen.
Zwtl.: Demografischer Wandel erhöht den Druck
Die Studienergebnisse decken sich mit den Prognosen der KMU
Forschung Austria und der Wirtschaftskammer Österreich. Demnach
werden bis 2029 rund 51.000 Arbeitgeberbetriebe eine Nachfolgelösung
benötigen. Davon hängen rund 692.000 Arbeitsplätze ab.
Die Anfang 2026 gegründete Nachfolge-Taskforce des
Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus gemeinsam
mit der Wirtschaftskammer Österreich und der Jungen Wirtschaft
unterstreicht die zunehmende wirtschaftspolitische Bedeutung des
Themas.
Zwtl.: Creditreform: Frühzeitige Planung wird zum Erfolgsfaktor
Aus Sicht von Creditreform beginnt eine erfolgreiche
Unternehmensnachfolge nicht mit der Übergabe, sondern mehrere Jahre
davor. Unternehmensbewertung, Finanzierung, rechtliche und
steuerliche Gestaltung sowie die Auswahl geeigneter Nachfolger müssen
frühzeitig vorbereitet werden.
„Viele Unternehmer unterschätzen den zeitlichen Vorlauf einer
erfolgreichen Nachfolge. Wer erst kurz vor dem Ausstieg mit der
Planung beginnt, schränkt seine Handlungsmöglichkeiten deutlich ein.
Eine professionelle Vorbereitung und Begleitung des
Nachfolgeprozesses erhöht die Erfolgschancen erheblich“ , so
Weinhofer.
Zwtl.: Die wichtigsten Ergebnisse der Studie
–
45 % der Unternehmen benötigen bis 2030 eine Nachfolgelösung.
–
40 % planen eine familienexterne Übergabe.
–
34 % der Unternehmen interessieren sich für die Übernahme eines
Nachfolgebetriebs.
–
80 % der familieninternen Übergaben erfolgen ohne finanzielle
Abgeltung.
Über die Studie
Die Studie wurde von Creditreform Österreich gemeinsam mit CH
Consult durchgeführt. Grundlage ist die halbjährliche
Mittelstandsbefragung der Creditreform Wirtschaftsforschung mit rund
1.400 Unternehmerinnen und Unternehmern sowie Geschäftsführerinnen
und Geschäftsführern österreichischer Familien- und Nicht-
Familienunternehmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen.