Wien (OTS) – Über die Zukunft des österreichischen Gesundheitssystems
entscheidet
nicht die Trägerschaft einzelner Leistungen, sondern das kluge
Zusammenspiel aller Bereiche. Diese Botschaft zog sich wie ein roter
Faden durch das Gesundheitspolitische Forum „Privat. Öffentlich.
Fair.“, das am 1. Juli 2026 im Dachsaal der Wiener Urania stattfand.
Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen eines Systems unter
Druck: von steigenden Kosten und Personalmangel bis zu den
Erwartungen der Patient:innen. Einigkeit herrschte darüber, dass
Solidarität, Innovation und Versorgungssicherheit nur durch das
intelligente Zusammenwirken öffentlicher, privater und gemeinnütziger
Akteur:innen langfristig gesichert werden können.
Der richtige Mix braucht klare Regeln
Den internationalen Rahmen setzte Matthias Wismar, Programme Manager
beim European Observatory on Health Systems and Policies. Aus seiner
Sicht greift das Entweder-oder zu kurz: Internationale Erfahrungen
zeigen, dass nahezu alle Gesundheitssysteme auf Mischformen beruhen.
Entscheidend sei daher weniger, wer Leistungen erbringt, sondern
unter welchen Regeln dies geschieht. „ Die Frage lautet nicht
öffentlich oder privat! Entscheidend ist, welche Regeln
sicherstellen, dass beide zum Wohl der Patientinnen und Patienten
zusammenarbeiten “, so Wismar. Private Anbieter könnten Innovation
und zusätzliche Kapazitäten schaffen; zugleich brauche es klare
regulatorische Leitplanken gegen Risikoselektion, Marktkonzentration
und eine Zwei-Klassen-Versorgung.
Mit der österreichischen Perspektive knüpfte Stefan Eichwalder,
Leiter der Gruppe Gesundheitssystem im Bundesministerium für Arbeit,
Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, unmittelbar daran
an. Trotz nahezu flächendeckender gesetzlicher Krankenversicherung
stehe Österreich vor großen Herausforderungen: Steigende private
Gesundheitsausgaben und stagnierende Kassenarztstellen führten immer
häufiger zum sogenannten „Pay or Wait“-Dilemma – der Entscheidung
zwischen Warten oder Bezahlen. „Die Gesundheitsversorgung darf kein
Armutsrisiko werden“ , brachte Eichwalder die Herausforderung auf den
Punkt und sprach sich für faktenbasierte Entscheidungen und eine
langfristige Absicherung des Systems aus.
Zwtl.: Solidarität muss im Alltag spürbar bleiben
Dass Solidarität weit mehr bedeutet als die Finanzierung des
Systems, machte Agnes Streissler-Führer, Vorsitzende des ÖGK-
Landesstellenausschusses Wien, deutlich. Ein leistungsfähiges
Gesundheitssystem brauche Vielfalt, getragen von gemeinsamer
Verantwortung. Zugleich müsse die Sozialversicherung weiter an ihrer
Effizienz arbeiten und der Prävention einen höheren Stellenwert
einräumen. Der Zugang zur Versorgung müsse sich auch künftig am
medizinischen Bedarf orientieren und nicht an den finanziellen
Möglichkeiten der Menschen. „Im österreichischen Gesundheitssystem
sollte die e-Card zählen, nicht die Kreditkarte“ , sagte Streissler-
Führer.
Diesen Gedanken griff Anna Parr, Generalsekretärin der Caritas
Österreich, auf und lenkte den Blick auf jene Menschen, die besonders
auf ein funktionierendes solidarisches System angewiesen sind. Viele
wechselten heute früher in stationäre Einrichtungen, weil sie sich
die Betreuung zu Hause schlicht nicht mehr leisten können oder es zu
wenig Angebote im extramuralen Bereich oder für die Betreuung zu
Hause gibt. „Gesundheit endet nicht an der Krankenhaus-Tür –
Langzeitpflege muss viel stärker mitgedacht werden“ , betonte Parr.
Angebote aus dem Gesundheitsbereich und der Langzeitpflege müssten
daher enger verzahnt werden. Gerade angesichts des demografischen
Wandels brauche es mehr Augenmerk auf Prävention, leistbare
Pflegeangebote und attraktive Arbeitsbedingungen für Pflegeberufe.
Zwtl.: Zusammenarbeit als Schlüssel für die Versorgung von morgen
Wie das Zusammenwirken der verschiedenen Versorgungsbereiche
gelingen kann, zeigte Evelyn Kölldorfer-Leitgeb, Generaldirektorin
des Wiener Gesundheitsverbundes, auf. Entscheidend sei nicht die
Trägerschaft, sondern dass Patient:innen am richtigen Ort mit der
besten verfügbaren Expertise behandelt werden. „Unsere Kliniken
sichern Tag für Tag die medizinische und pflegerische Versorgung
aller Wiener:innen, ganz unabhängig vom Einkommen. Dafür braucht es
auch in Zukunft starke Partnerschaften und ein Gesundheitssystem, das
die Stärken aller Akteur:innen nutzt“ , sagte Kölldorfer-Leitgeb. Sie
betonte: Eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung verbinde hohe
Qualität, professionelle Ausbildung und eine enge Zusammenarbeit
aller Beteiligten.
Auch Sonja Wehsely, Leiterin der Region EMEA bei Siemens
Healthineers, warb dafür, den Blick stärker auf erfolgreiche
internationale Beispiele zu richten. „Wenn wir unser
Gesundheitssystem zukunftsfit machen wollen, brauchen wir den
europäischen Wettbewerb der besten Ideen und den Blick über die
eigenen Landesgrenzen. Eines steht aber außer Frage: Wir alle tragen
Verantwortung für ein solidarisches und finanzierbares
Gesundheitssystem. Die Politik setzt die Rahmenbedingungen, wir als
Partner der industriellen Gesundheitswirtschaft helfen, Versorgung
schneller, wirksamer und für alle zugänglich zu machen“ , sagte
Wehsely. Digitalisierung, integrierte Versorgung und Telemedizin
seien dabei wesentliche Bausteine eines zukunftsfähigen Systems.
Patient:innen dürften an den Schnittstellen des Gesundheitssystems
nicht verloren gehen, sondern müssten entlang ihres Versorgungspfads
begleitet werden. Digitalisierung sei ein wichtiges Instrument, um
die Versorgung besser zu vernetzen und Qualität langfristig zu
sichern.
Zwtl.: Mehr Prävention, bessere Steuerung, mehr Miteinander
Über alle Beiträge hinweg wurde deutlich: Die Zukunft des
österreichischen Gesundheitssystems liegt nicht im Lagerdenken,
sondern im Verbinden der jeweiligen Stärken – so, dass Patient:innen
bestmöglich versorgt werden. Dafür braucht es klare Regeln,
transparente Qualität, mehr Prävention, bessere Daten und eine engere
Zusammenarbeit entlang der gesamten Versorgungskette. Solidarität
bleibt das Fundament des österreichischen Gesundheitssystems –
ergänzt durch klare Regeln, Innovation und eine konsequent an den
Bedürfnissen der Patient:innen ausgerichtete Versorgung.
Weitere Bilder in der APA-Fotogalerie
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at





