Lösungen statt Populismus – warum die MedAT-Debatte am falschen Ort geführt wird

Wien (OTS) – Während politische Akteure die Abschaffung des MedAT
fordern,
verweisen wir als ÖH Med Wien auf den eigentlichen Engpass: die
Basisausbildung nach dem Studium
Wien (OTS) – Am Freitag, dem 3. Juli 2026, findet österreichweit
wieder der jährliche Aufnahmetest für das Medizin- und
Zahnmedizinstudium (MedAT) statt. Heuer haben sich 16.880 Personen
verbindlich angemeldet, rund 1.200 mehr als im Vorjahr. Zur Verfügung
stehen österreichweit 1.950 Studienplätze, davon 784 in Wien –
rechnerisch kommen damit mehr als acht Bewerber:innen auf einen
Platz.

Im Vorfeld des Tests wird wieder über eine Abschaffung des MedAT
diskutiert, zuletzt von der ÖH-Bundesvertretung. Wir als ÖH Med Wien
sehen das klar anders und stellen fest: Diese Debatte wird am
falschen Ort geführt.

„Den MedAT abzuschaffen, ohne ein einziges tragfähiges
Alternativmodell auf den Tisch zu legen, ist keine bildungspolitische
Forderung – das ist Populismus auf dem Rücken der
Studienwerber:innen“, so Natascha Hett, Vorsitzende der ÖH Med Wien.

„Wer den MedAT pauschal abschaffen will, muss erklären, wie sonst
1.950 Plätze unter mehr als 16.000 Bewerber:innen fair vergeben
werden sollen. Ohne ein objektives, einheitliches Auswahlkriterium
droht eine Verlagerung auf intransparente oder willkürliche
Verfahren, die niemandem dienen“, hält Anant Thind, 2. stv.
Vorsitzender der ÖH Med Wien fest.

Dass der MedAT soziale Ungleichheiten widerspiegelt, streiten wir
nicht ab – diese Selektion beginnt jedoch nicht am Testtag, sondern
jahrelang davor, im Schulsystem. Den MedAT allein dafür
verantwortlich zu machen greift zu kurz und lenkt von den
eigentlichen Ursachen ab. „Wir können das Schulsystem nicht von heute
auf morgen ändern – aber wir können alles dafür tun, dass beim Test
selbst so wenig Ungleichheit wie möglich entsteht“, sagt Olivia
Detzlhofer, 1. stv. Vorsitzende der ÖH Med Wien. Mit kostenlosen
Lernunterlagen, Testsimulationen und Vor-Ort-Kursen tun wir genau das
– und arbeiten aktiv daran, den Nachteil jener zu verringern, die im
Schulsystem weniger Förderung erhalten haben.

Wir sind überzeugt: Weder eine Abschaffung des MedAT noch eine
bloße Erhöhung der Studienplatzzahlen verbessert die
Ärzt:innensituation in Österreich nachhaltig. Der eigentliche
Flaschenhals liegt nicht beim Zugang zum Studium, sondern danach –
bei der verpflichtenden Basisausbildung, die viele Absolvent:innen
unmittelbar nach dem Studienabschluss ausbremst, obwohl ihre Inhalte
größtenteils bereits im Klinisch-Praktischen Jahr abgedeckt werden.
Mangels ausreichender Ausbildungsplätze kommt es zu langen
Wartezeiten, und viele junge Mediziner:innen wandern ins Ausland ab.
Mehr Studienplätze ohne echte Reform der Basisausbildung verschieben
das Problem nur um sechs Jahre nach hinten. Das spüren mittlerweile
alle Standorte in Österreich, nicht nur Wien.