Wien (OTS) – Die Arktis galt lange als entlegene Randregion der
Weltpolitik. Heute
wird sie zunehmend zum geopolitischen Spannungsfeld zwischen den USA,
Russland, China und Europa. Genau darüber diskutierten internationale
Expert:innen am 22. Mai bei der Veranstaltung „What If the U.S. Got
Greenland?“ an der Diplomatischen Akademie Wien.
Ausgangspunkt waren die wiederholten Aussagen von US-Präsident
Donald Trump, die Vereinigten Staaten sollten Grönland erwerben. Was
zunächst provokant wirkte, hat sich längst zu einer Debatte über
Sicherheit, Rohstoffe, Klimawandel und geopolitischen Einfluss
entwickelt. Eingeladen hatten das Vienna Institute for Global Studies
(VIGS), die Diplomatische Akademie Wien und das Austrian Institute
for European and Security Policy (AIES).
„ Die Arktis ist längst kein entfernter Rand der Weltpolitik mehr
“, sagte Zoltan Acs , Direktor des Vienna Institute for Global
Studies (VIGS). „ Dort verdichten sich zentrale geopolitische Fragen
der kommenden Jahrzehnte. “
Auf dem Podium diskutierten Kathrine Bødker vom Inuit Circumpolar
Council aus Grönland, der finnische Arktisforscher Lassi Heininen
sowie Jens Wendel Hansen von der Aarhus University. Als online
zugeschalteter Keynote Speaker sprach der amerikanische Journalist
und Kriegsberichterstatter Kenneth R. Rosen .
„ Grönland ist nicht einfach nur ein Stück Eis. Es ist eine
Heimat “, betonte Kathrine Bødker gleich zu Beginn der Diskussion.
Gerade dieser Aspekt gehe in geopolitischen Debatten oft verloren.
Für viele Inuit sei die Vorstellung, von außen kontrolliert oder
geopolitisch verschoben zu werden, zutiefst problematisch.
Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, welche Folgen ein
möglicher Konflikt um Grönland für Europa und das transatlantische
Verhältnis hätte. Mehrfach wurde betont, dass der Klimawandel die
Region grundlegend verändert: Schmelzende Eisflächen eröffnen neue
Handelsrouten, erleichtern den Zugang zu Rohstoffen und erhöhen die
strategische Bedeutung der Arktis.
Gleichzeitig widersprachen mehrere Diskutanten dem Bild einer
bereits militarisierten Konfliktregion. „ Die Arktis ist eine der
friedlichsten Regionen der Welt “, erklärte Lassi Heininen und
erinnerte daran, dass es seit dem Zweiten Weltkrieg keinen
militärischen Konflikt in der Arktis gegeben habe.
Jens Wendel Hansen warnte hingegen vor den Folgen für die
internationale Ordnung: „ Wenn man sich nicht mehr auf
internationales Recht sowie den Respekt vor Souveränität und
Selbstbestimmung verlassen kann, gerät das Fundament Europas massiv
ins Wanken .“
Auch die Rolle Europas wurde kritisch beleuchtet. Heininen warnte
vor einer Erosion des Vertrauens innerhalb internationaler Bündnisse:
„ Die NATO hat bereits einen großen Teil ihrer Glaubwürdigkeit
verloren. “
Die Diskussion zeigte, wie eng Fragen von Sicherheit, Klima,
Ressourcenpolitik und internationaler Ordnung mittlerweile
miteinander verflochten sind. Die Arktis erscheint längst nicht mehr
als entfernter Rand der Weltpolitik, sondern als Region, in der sich
zentrale Konfliktlinien der kommenden Jahrzehnte verdichten.





