Wien (OTS) – Nach intensiven Gesprächen unter Einbindung der
Elektrotechnik-,
Elektrohandel- und PV-Branche in den vergangenen Wochen besteht ein
breiter Konsens über die Eckpunkte der Neuausrichtung der bisherigen
PV-Investförderungen im EAG. Gemeinsam wurde eine Lösung erarbeitet,
die intelligente Speicher stärkt, die Förderabwicklung vereinfacht
und Haushalten, Betrieben sowie ausführenden
Dienstleistungsunternehmen mehr Planungssicherheit geben soll. Damit
wird wie angekündigt noch vor dem Start des nächsten und letzten
Fördercalls im „alten“ EAG-System am 8.10. eine klare Perspektive für
das neue Fördermodell ab 2027 geschaffen.

Sonnenstrom besser nutzen, Speicher gezielt stärken, die
Energiewende leistbar machen

Die klassische PV-Investitionsförderung soll durch einen
gezielten Speichersystembonus ersetzt werden. Künftig soll also nicht
mehr die Errichtung einer neuen PV-Anlage gefördert werden, sondern
vor allem die intelligente Nutzung des erzeugten Stroms durch
intelligente Speicher. Gefördert werden konkret Speichersysteme für
neue PV-Anlagen ebenso wie die Nachrüstung von Speichersystemen bei
bestehenden PV-Anlagen . Fördervoraussetzung ist ein intelligentes
Energiemanagementsystem , das den Speicher nach klar definierten
Kriterien netz- und systemdienlich betreibt.

Damit wird aus einer reinen Ausbau Förderung eine zielgerichtete
System-Förderung, um den produzierten Sonnenstrom bestmöglich zu
nutzen und ins Netz zu integrieren. So soll Sonnenstrom nicht nur
erzeugt, sondern möglichst dann gespeichert, genutzt und ins Netz
abgegeben werden, wenn er im Energiesystem gebraucht wird.

Der Fokus auf Speicher und intelligente Energiemanagementsysteme
soll die Systemkosten nachhaltig dämpfen. Durch die Verwendung bisher
ungenutzter Mittel soll auch die EAG-Pauschale geringfügig gesenkt
werden. Schritt für Schritt treibt die Bundesregierung so eine
leistbare Energiewende voran.

Gleichzeitig wird die Förderung stärker auf europäische
Wertschöpfung ausgerichtet. Bei einem neuen Speichersystem bei neuen
PV-Anlagen soll ein Made-in-Europe-Wechselrichter verpflichtend sein
. Ein zusätzlicher Made-in-Europe-Bonus für Speichersysteme bei der
Nachrüstung bestehender PV-Anlagen soll weiterhin möglich bleiben.

Grundlegend geändert werden soll auch die Förderabwicklung. Statt
einzelner Fördercalls mit wenigen Sekunden Zeitfenster soll künftig
ein kontinuierliches, antragsbasiertes Modell nach Fertigstellung
gelten, ähnlich dem Prinzip des Handwerkerbonus . Förderwerber sollen
ihre Projekte umsetzen können, ohne auf den nächsten Call warten zu
müssen. Für Installationsbetriebe und PV-Dienstleister bedeutet das
mehr Planungssicherheit, eine gleichmäßigere Auftragslage und ein
Ende des bisherigen Stop and Go rund um einzelne Fördertermine.

Auch für jene, die zuletzt nicht zum Zug gekommen sind, soll es
eine Perspektive geben. Projekte mit intelligentem Speicher, die 2026
keine EAG-Förderung erhalten haben und ab 1. November 2026
abgerechnet beziehungsweise in Betrieb genommen werden, sollen 2027
bereits im neuen System einreichen können.

Gemeinsame Richtung steht, gesetzliche Umsetzung folgt

Die konkreten Förderbedingungen, die Höhe des Bonus und die
technischen Kriterien werden derzeit abschließend verhandelt.
Anschließend soll die erforderliche gesetzliche Änderung auf den Weg
gebracht werden. Dafür braucht es eine Zweidrittelmehrheit im
Parlament. Der breite Konsens mit der Branche bildet dafür eine
wichtige Grundlage. Die finalen Förderdetails werden in der
jährlichen Investitionszuschuss VO geregelt werden.

Fördercalls machen Reformbedarf deutlich

Die letzten Fördercalls haben deutlich gezeigt, dass bei der
Förderlogik des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes aus dem Jahr 2021
dringender Handlungsbedarf besteht. Besonders sichtbar wurde das beim
zweiten Fördercall 2026. Nach 33 Sekunden waren die Mittel
ausgeschöpft. Knapp 28.000 Anträgen standen Mittel für nur rund 3.000
Projekte gegenüber. Viele Förderwerber gingen trotz konkreter
Investitionspläne leer aus. Gleichzeitig erschwerten die Fördercalls
den ausführenden Betrieben eine verlässliche Auftragsplanung.

Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner zur Neuausrichtung
der Förderung:

„Wir haben in den vergangenen Wochen intensiv mit der Branche
gearbeitet und einen breiten Konsens über die Richtung erreicht. Wenn
ein Fördertopf nach 33 Sekunden leer ist und von knapp 28.000
Anträgen nur rund 3.000 zum Zug kommen, dann ist klar, dass dieses
System nicht mehr zeitgemäß ist. Förderung darf kein Wettrennen um
den schnellsten Klick sein. Beim Ausbau der Sonnenenergie haben wir
in den vergangenen Jahren sehr viel erreicht. Jetzt geht es um den
nächsten Schritt. Entscheidend ist nicht mehr nur, wie viel Strom wir
erzeugen, sondern wie gut wir ihn in unser Energiesystem integrieren.
Dafür brauchen wir mehr Speicher, intelligente Steuerung und
Lösungen, die Strom dann aufnehmen, nutzen oder ins Netz abgeben,
wenn er tatsächlich gebraucht wird. Genau darauf richten wir die
Förderung neu aus. Aus einer reinen Ausbau Förderung soll eine
Systemförderung werden, die mehr aus unserem Sonnenstrom macht, Netze
entlastet und gleichzeitig Haushalten wie Betrieben verlässliche
Perspektiven gibt. Die gemeinsame Richtung steht, jetzt werden die
letzten Details verhandelt. Danach braucht es eine
Zweidrittelmehrheit im Parlament. Ich lade alle Parteien ein, diesen
Weg mitzugehen.“

Staatssekretärin Michaela Schmidt:

„Das Ziel dieser Bundesregierung ist, die Energiewende
voranzutreiben und leistbar zu machen. Diesen Weg gehen wir
konsequent mit jedem Gesetz, dass wir im Energiebereich umsetzen.
Durch die Umstellung des Fördersystems hin zu mehr Systemdienlichkeit
gehen wir den nächsten Schritt. Der intelligente Ausbau von Speichern
wird die Netzkostenentwicklung nachhaltig dämpfen. Kurzfristig sollen
Haushalte und Unternehmen zusätzlich durch die Verwendung bisher
ungenutzter Mittel entlastet werden. Denn der Kampf gegen die
Teuerung hat für uns gerade auch in der Energiepolitik Priorität.“

NEOS-Energiesprecherin Karin Doppelbauer:

„Förderungen müssen planbar und treffsicher sein und dürfen nicht
davon abhängig sein, wer in wenigen Sekunden am schnellsten klickt.
Deshalb ist es richtig, dass wir die PV-Förderung grundlegend neu
aufstellen: mit weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit für
Haushalte und Betriebe, sowie ein klarer Fokus auf Speicher und
intelligente Steuerung. So setzen wir öffentliche Mittel dort ein, wo
sie einen Nutzen für das Energiesystem bringen und schaffen klare
Rahmenbedingungen. Je mehr erneuerbare Energie wir selbst erzeugen
und intelligent nutzen, desto unabhängiger werden wir von externen
Preisschocks.“

Bundesinnungsmeister der Elektrotechniker/innen Christian Bräuer:

„Es ist ein wichtiges und positives Signal, dass die Expertise
der Elektrotechnikbranche in die Neugestaltung der PV-Förderung
eingeflossen ist. Aus einer Lotterie wird damit ein effizientes und
planbares Fördersystem – zum Vorteil der Antragstellerinnen und
Antragsteller, vor allem aber im Sinne einer zukunftsfähigen
heimischen Energieversorgung. Denn Energiepolitik muss ganzheitlich
und langfristig gedacht werden: Nur wenn wir Finanzierbarkeit,
Klimawirkung, Netzinfrastruktur, Speicher und die optimale Nutzung
erneuerbarer Energie zusammendenken, können wir das volle Potenzial
der Energiewende ausschöpfen.“

Vorstandsvorsitzender Bundesverband Photovoltaic & Battery
Austria Herbert Paierl:

„Wir begrüßen, dass Batteriespeicher stärker in den Fokus der
Förderung rücken. Bei der Made-in-Europe-Verpflichtung sehen wir noch
Spielraum für eine breitere und praxistaugliche Ausgestaltung. Die
Grundlage ist gelegt. Jetzt gilt es, die Details so zu gestalten,
dass die Betriebe Planungssicherheit haben und frühzeitig wissen,
welche Rahmenbedingungen 2027 gelten.“

Obmann des Bundesgremiums des Elektro- und
Einrichtungsfachhandels Robert Pfarrwaller:

„Wir begrüßen die Neuaufstellung der EAG-Förderung und haben uns
in der Ausgestaltung intensiv eingebracht. Der bisherige Stop-and-go-
Modus hat weder Betrieben noch Kunden die notwendige
Planungssicherheit gegeben. Entscheidend sind stabile
Rahmenbedingungen, verlässliche Planbarkeit und eine praxistaugliche
Ausgestaltung. Genau das braucht der Elektrofachhandel, damit
Investitionen vorbereitet, Beratung sinnvoll geleistet und Projekte
ohne künstlichen Zeitdruck umgesetzt werden können.“