Wien (OTS) – Der Wiener Handel spricht sich klar gegen die geplante
nationale
Paketsteuer von 2 Euro aus. Was als Maßnahme gegen internationale
Billigplattformen angekündigt wird, trifft aus Sicht der Wiener
Handelsobfrau Margarete Gumprecht vor allem heimische Unternehmen und
Konsumenten: „Neue Hürden, Hindernisse und Gebühren sind genau das
Gegenteil von dem, was der heimische Handel benötigt. Wer glaubt, mit
einer nationalen Paketabgabe internationale Online-Giganten zu
besteuern, ist auf dem Holzweg. Die Zeche zahlen die österreichischen
Händler und Konsumenten. Denn die geplante Regelung trifft nicht nur
große Versandunternehmen, sondern vor allem zahlreiche kleine Wiener
Händler, die über Plattformen verkaufen oder digitale Vertriebskanäle
nutzen. So wird in Österreich die Konsumbereitschaft durch künstlich
steigende Preise gedämpft. Und wenn die Preise steigen, steigt auch
die Inflation.“
Besonders kritisch sieht der Wiener Handel die vorgesehene
Regelung, wonach Umsätze über Marktplätze dem Plattformbetreiber
zugerechnet werden. Zwar soll die Abgabe erst für Unternehmen ab 100
Millionen Euro Jahresumsatz gelten, betroffen wären indirekt aber
auch viele Klein- und Mittelbetriebe, die über Plattformen wie Amazon
oder eBay verkaufen. Allein auf Amazon bieten rund 600 Wiener Händler
ihre Produkte an.
Mehrkosten für Wiener Betriebe und Kunden
„Die zusätzlichen Kosten werden entlang der Lieferkette
weitergegeben – über Versand-, Logistik- oder Plattformgebühren. Am
Ende verteuert sich Online-Shopping für Wienerinnen und Wiener“, so
Gumprecht. „Zwei Euro pro Paket wirken auf den ersten Blick
überschaubar. In der Praxis summieren sich diese Kosten aber
schnell.“
Die Handelsobfrau betont, dass Onlinehandel längst Teil moderner
Wiener Geschäftsmodelle sei: „In den vergangenen Jahren haben Wiener
Handelsbetriebe massiv in Digitalisierung, Webshops und moderne
Vertriebskanäle investiert. Für viele Betriebe ist Onlinehandel kein
Gegenmodell zum stationären Geschäft, sondern eine Ergänzung dazu –
vom Geschäftslokal im Grätzl, über den eigenen Webshop, bis zu Click
& Collect und Zustellung.“
Wiener Handel setzt auf hybride Vertriebsmodelle
Der Wiener Handel unterstützt das Ziel, Wettbewerbsverzerrungen
durch internationale Billigplattformen und Drittstaatenimporte
einzudämmen. Die geplante nationale Paketabgabe löst dieses Problem
jedoch nicht. „Wenn es um Fairness, Umweltstandards oder
problematische Drittstaatenimporte geht, braucht es Maßnahmen bei
Zoll, Produktsicherheit, Marktaufsicht und europaweit einheitliche
Regeln, nicht zusätzliche nationale Belastungen für Wiener Betriebe“,
so Gumprecht.
Besonders kritisch sei, dass internationale Plattformen neue
Kosten leichter abfedern oder umgehen könnten, während heimische
Unternehmen diese unmittelbar spüren würden: „Unsere Betriebe stehen
bereits unter hohem Wettbewerbsdruck. Zusätzliche Belastungen
verschlechtern ihre Position gegenüber internationalen Anbietern
weiter.“
Konsequente Unterstützung der EU-Maßnahmen statt nationalem
Alleingang
Die Herausforderungen im Onlinehandel brauchen europäische
Lösungen. Die EU hat Maßnahmen beschlossen, um Drittstaaten-
Plattformen stärker in die Pflicht zu nehmen: Ab 1. Juli 2026 gilt
ein Pauschalzoll von 3 Euro pro Paket unter 150 Euro Warenwert, ab 1.
November 2026 kommt zusätzlich eine EU-Bearbeitungsgebühr hinzu.
Entscheidend ist, dass die bestehenden EU-Regeln tatsächlich
durchgesetzt werden und internationale Anbieter ihre
Wettbewerbsvorteile nicht weiter zulasten heimischer Betriebe
ausspielen können, so Gumprecht: „Es gilt jetzt, diese Linie
konsequent zu unterstützen durch wirksame Kontrollen und einen
starken Vollzug, statt mit einer nationalen Paketsteuer einen
Sonderweg einzuschlagen.“





