Wien (OTS) – Die Schneedecken in Österreich nehmen im Mittel stark
ab, sowohl in
ihrer Mächtigkeit als auch in ihrer Dauer. Zugleich ist bis zur
Jahrhundertmitte ein massiver Rückgang von Österreichs Gletschermasse
zu erwarten. Beide Entwicklungen haben spürbare Auswirkungen auf den
Wasserhaushalt und erfordern Vorsorgemaßnahmen. Zu diesem vorläufigen
Zwischenergebnis kommt das interdisziplinäre Forschungsprojekt des
Umweltministeriums „Wasser im Klimawandel – eine Studie über die
Auswirkungen“. An dem Projekt arbeiten Forschungsteams der TU Wien,
der GeoSphere Austria, der Universität Graz und der BOKU Wien
zusammen.
Umweltminister Norbert Totschnig: „Die sichtbaren Veränderungen bei
Gletschern und Schnee werden sich den Ergebnissen zufolge fortsetzen.
Die Studie hilft uns zu verstehen, welche Folgen das für unseren
Wasserhaushalt hat und wo wir gezielt sinnvolle Maßnahmen setzen
können. Das Ziel ist, die Versorgung mit der wertvollen Ressource
Wasser langfristig sicher zu stellen.“
Die Untersuchung zeigt einen deutlichen Rückgang beim Schnee: Im
Mittel verkürzt sich die Schneedeckendauer in Österreich um etwa
einen Tag pro Jahr, die mittlere Schneehöhe verringert sich um rund 1
cm pro Jahr. Im längeren Zeitvergleich wird das besonders sichtbar:
Zwischen 1960 und 2020 hat die Schneedeckendauer in tiefen Lagen
bereits um rund 60 Prozent abgenommen, die mittlere Schneehöhe um
etwa 70 Prozent.
Umweltminister Norbert Totschnig: „ Die Folgen des Klimawandels sind
vor allem durch das Abschmelzen unserer Gletscher und der Rückgang
beim Schnee deutlich bemerkbar. Das bedeutet weiteren
Handlungsbedarf, um die Wasserversorgung in Österreich auch für die
Zukunft sicherzustellen. Wir setzen wir daher seit vielen Jahren
gezielt Maßnahmen, um jeden österreichischen Haushalt auch künftig
mit ausreichend Trinkwasser versorgen zu können. Die Studie bestärkt
diese Vorsorgestrategie und schafft zusätzliche Planungssicherheit
für Wasserwirtschaft, Infrastruktur und Regionen.“
Der Rückgang der Schneedecken wird sich bei steigenden Temperaturen
auch künftig weiter fortsetzen. Das zeigt ein Schneemodell, das im
Rahmen der Studie entwickelt wurde. Es berechnet die Veränderung der
Schneehöhe je nach Entwicklung der Temperaturen und des
Niederschlags. Daraus lässt sich ableiten, dass die mittlere
Schneehöhe bis zur Jahrhundertmitte in niederen Lagen (0-500 Meter)
um etwa die Hälfte im Vergleich zu heute abnimmt. Für mittlere Lagen
zwischen 500 und 1.000 Metern verringert sie sich um rund 35 Prozent.
Diese Berechnungen bis 2050 basieren auf dem wahrscheinlichen
Temperaturanstieg von 1 Grad.
Bis zum Jahr 2100 wiederum wird in ungünstigen Szenarien mit einem
Anstieg von 3 Grad gerechnet. Schnee wird in diesem Fall in niederen
Lagen eine Ausnahme sein; in mittleren Lagen nimmt die Schneedecke
dann um 60 bis 75 Prozent im Vergleich zu heute ab.
Erst oberhalb von 2000 bis 2500 Metern sind die Veränderungen
deutlich geringer.
„ Unsere Modelle zeigen, dass wir uns vor allem in tiefen Lagen
zunehmend vom Schnee verabschieden werden müssen, in mittleren Lagen
wird der Schnee deutlich zurückgehen“, sagt Prof. Dr. Wolfgang
Schöner vom Institut für Geografie und Raumforschung an der
Universität Graz, der für die Studie „Wasser im Klimawandel“ zum
Thema Schnee und Eis forscht. „ Der Schneerückgang wirkt sich direkt
auf den Wasserhaushalt aus: Setzt die Schneeschmelze früher ein,
verändert das den saisonalen Rhythmus. Abflussmaxima rücken zeitlich
nach vorne; im Sommer steht tendenziell weniger Wasser zur
Verfügung.“
Besonders empfindlich ist dabei die Höhenlage um die Nullgradgrenze,
wo sich entscheidet, ob Niederschlag als Schnee oder Regen fällt.
Diese Grenze verschiebt sich seit den 1980ern alle zehn Jahre 120 bis
140 Meter nach oben.
Rückgang der Gletschermasse
Die Studie bestätigt auch das rasante Abschmelzen der heimischen
Gletscher: Bis zum Jahr 2050 werden zwischen 70 und 80 Prozent der
Gletschermasse im Vergleich zu 2024 verloren gehen, wobei sich die
Spanne zwischen den beiden Berechnungsergebnissen aus den
unterschiedlichen möglichen Klimaszenarien ergibt. Auffällig ist,
dass sich der Prozess des Abschmelzens bereits in den vergangenen
fünf Jahren beschleunigt hat und rascher voranschreitet, als
Forschende dies anhand bisheriger Modellierungen angenommen hatten.
Wie schnell dieser Rückgang weiter verläuft, hängt vom weiteren
globalen Erwärmungspfad ab; vollständig aufhalten lässt er sich nach
heutigem Kenntnisstand nicht mehr.
Schöner: „ Gletscher haben eine wichtige Speicherfunktion, denn sie
halten Wasser zurück und geben es in wärmeren und trockeneren Zeiten
ab. Dieser Beitrag nimmt deutlich ab, was insbesondere in hochalpinen
Einzugsgebieten Auswirkungen haben wird“.
Für die Messungen, die den Projektionen der Studie zu Schnee und Eis
zugrunde liegen, werden Messnetze mit rund 100 Stationen in ganz
Österreich genutzt. Für die Zukunftsprojektionen kommen Modelle zum
Einsatz, die Temperatur- und Niederschlagsinformationen verknüpfen.
Bei den Gletschern wird die Massenbilanz direkt im Gelände erhoben –
unter anderem mit Messstangen im Eis.
Planungssicherheit durch Evidenz
Die Zwischenergebnisse fließen in das Forschungsprojekt „Wasser im
Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“ ein, das im Auftrag
des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und
Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) unter der Leitung
der TU Wien durchgeführt wird. Die klimabedingten Veränderungen bei
Schnee und Eis sind bereits die zweite Projektion, die im Rahmen der
Studie vorgenommen wurde. Ende Jänner wurden erste Trends zur
Verschiebung der Niederschläge in die kalte Jahreszeit
veröffentlicht. Beide Projektionen machen deutlich, dass Wasser
künftig ungleichmäßiger verfügbar sein wird.
Schon jetzt zeigt sich daher, dass Vorsorge wichtiger wird. Wenn
natürliche Speicher wie Schnee und Eis an Bedeutung verlieren, können
Anpassungsmaßnahmen regionale Engpässe abfedern: etwa durch eine
stärkere Vernetzung der Versorgungssysteme; durch eine angepasste
Steuerung von Stauseen, um die Ressource Wasser bestmöglich zu nutzen
– beispielsweise für die Energieversorgung; oder durch die
Identifikation alternativer Wasserquellen für Infrastruktur im
Hochgebirge, die bisher auf Gletscherwasser angewiesen ist.
Hinweis: Die Studie “Wasser im Klimawandel – eine Studie über die
Auswirkungen” wird in den kommenden Monaten weitere aktuelle
Informationen liefern, etwa zur Verdunstung, zur
Grundwasserentwicklung in verschiedenen Regionen, Hoch- und
Niederwasserszenarien, sowie Wassertemperaturen. Der Endbericht
erscheint Ende 2026 und wird detaillierte Prognosen bis 2100 für
Österreich enthalten.
Weiterführende Informationen finden Sie auf wasseraktiv.at/wasser-im-
klimawandel




