SkinnyTok: BÖP warnt vor gefährlichem Social-Media-Trend

Wien (OTS) – Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und
Psychologen (
BÖP) warnt vor den Auswirkungen des Trends SkinnyTok, der derzeit vor
allem auf der Social-Media-Plattform TikTok verbreitet wird. Unter
dem Hashtag befinden sich Beiträge, in denen extrem dünne
Körperbilder (meist von jungen Mädchen) verherrlicht werden und ein
Körpergewicht von unter 50 Kilogramm als Idealgewicht bezeichnet
wird. Unter dem Titel „What I eat in a day“ wird darüber hinaus
ungesundes Essverhalten glorifiziert und junge Menschen zum Abnehmen
motiviert. Aus psychologischer Sicht ein massiv
gesundheitsgefährdendes Phänomen.

Zwtl.: SkinnyTok kann zu Anorexia Nervosa führen

Aktuelle Studien zeigen: „Thinspiration“-Videos fördern gerade
bei jungen Mädchen körperliche Vergleiche, erhöhen Symptome von
Traurigkeit und Sorgen und steigern das Verlangen, das eigene
Aussehen zu kontrollieren. Fremdbestimmung nimmt zu. Die Folge von
SkinnyTok: Junge Menschen beginnen krankhaft Kalorien zu zählen,
exzessiv Sport zu betreiben und sogar ihre sozialen Kontakte zu
vernachlässigen. Oft entwickeln sie dadurch Essstörungen, unter
anderem Anorexia Nervosa.

Zwtl.: Parasoziale Beziehungen als Verstärker der Auswirkungen von
SkinnyTok

Parasoziale Beziehungen verstärken den Einfluss dieser Trends. Es
handelt sich dabei um einseitige, psychologisch erlebte Beziehungen
zwischen Rezipient:innen und medialen Personen, zum Beispiel
Influencer:innen auf TikTok, Instagram oder YouTube. Obwohl keine
reale Gegenseitigkeit besteht, empfinden Zuschauer:innen häufig Nähe,
Vertrautheit oder sogar Freundschaft. Dieses Phänomen ist in der
Medienpsychologie bereits seit den 1950er-Jahren bekannt, hat jedoch
durch die sozialen Medien eine neue Intensität erreicht.

Zwtl.: Besonders schlimme Auswirkungen bei Jugendlichen

EU-weit geben 12 Prozent der 12- bis 16-Jährigen an, dass sie im
Internet bereits auf Beiträge über Anorexie gestoßen sind. Besonders
bei Jugendlichen können solche Inhalte allerdings drastische
Auswirkungen haben, unter anderem auf ihr Selbstbild und ihre
Gefühlslage. Jugendliche befinden sich in einer Phase, in der sie
sich noch stark entwickeln und verändern. Neben vielen körperlichen
Veränderungen spielt auch die Selbstfindungsphase im sozialen Umfeld
und die Abnabelung von den Eltern eine große Rolle. Sie suchen Nähe
zu Gleichaltrigen und lassen sich von diesen inspirieren. Der
Zugehörigkeitswunsch ist groß und somit auch das Risiko für
schädliches Verhalten, um anderen zu gefallen. Die Jugend ist oft von
emotionalen Herausforderungen begleitet und wird von Psycholog:innen
als wichtige und sensible Phase eingestuft.

Zwtl.: BÖP fordert Maßnahmen und offene Kommunikation

TikTok hat den Hashtag #SkinnyTok zwar inzwischen gesperrt,
problematische Inhalte sind aber weiterhin leicht über andere
Hashtags auffindbar.

„SkinnyTok ist kein harmloser Trend, sondern stellt ein großes
Risiko für die mentale und körperliche Gesundheit von Jugendlichen
dar. Besonders junge Menschen sind gefährdet, da sich ihr Selbstbild
noch entwickelt. Wir setzen uns dafür ein, dass umgehend
Präventionsmaßnahmen geschaffen werden, um der hohen Prävalenz von
Essstörungen entgegenzuwirken“, unterstreicht a.o. Univ.-Prof.in
Dr.in Beate Wimmer-Puchinger, Präsidentin des Berufsverbands
Österreichischer Psychologinnen und Psychologen.