Schlechtes Zwischenzeugnis für Österreichs Renaturierungsplan

Wien (OTS) – Österreich hat bei den Arbeiten für seinen Entwurf des
nationalen
Wiederherstellungsplans großen Aufholbedarf, zeigt eine europaweite
Bewertung von 24 EU-Staaten durch mehrere Umweltverbände. Österreich
landet aufgrund mehrerer Lücken und Defizite nur in der Kategorie der
elf Länder mit geringen Fortschritten. Besonders negativ bewertet
wird die mangelhafte politische Unterstützung für eine ausreichende
Finanzierung. „Der Umweltminister und die Bundesländer sollten rasch
nachbessern, damit Österreich im nächsten Jahr einen ambitionierten
Entwurf abgeben kann. Es geht um eine intakte Natur, um sauberes
Wasser und saubere Luft – und damit um die Lebensqualität und
Krisensicherheit der gesamten Gesellschaft“ , sagt WWF-Experte
Joschka Brangs, der die nationale Analyse gemeinsam mit weiteren
Fachleuten erstellt hat.

In den meisten untersuchten Kategorien (z.B. Ambition,
Öffentlichkeitsbeteiligung, wissenschaftliche Grundlagen) schneidet
Österreich schlecht ab. Einzig im Bereich der Flussrevitalisierung
gibt es gute Fortschritte und in allen Kategorien ein positives
Zwischenzeugnis. „Deutschland hat seit Monaten klare Zeitpläne zur
Öffentlichkeitsbeteiligung, Österreich erst seit Dezember ein höchst
fragwürdiges Format, das den Standards guter Beteiligung mehrfach
widerspricht. Auch Budgetzusagen fehlen weiterhin – trotz
milliardenschwerer umweltschädlicher Subventionen“, kritisiert
Joschka Brangs vom WWF. „Wir brauchen klare Zuständigkeiten, volle
Transparenz und wirksame Beteiligungsmöglichkeiten für die
Öffentlichkeit – und zwar nicht nur bei den Inhalten der Verordnung,
sondern insbesondere bei ihrer konkreten Realisierung in Österreich“,
betont Umweltjuristin Marlene Schaffer vom ÖKOBÜRO.

„Ausgewählte Interessensgruppen einschließlich einiger
Umweltorganisationen hatten zwar die Möglichkeit, sich in manchen
Arbeitsgruppen begrenzt einzubringen, doch es fehlt an Personal- und
Finanzressourcen des Bundes und der Länder sowie dem politischen
Rückhalt, um die Biodiversitätskrise wirksam zu stoppen. Nur echte
Ambition wird dazu beitragen, die Natur wiederherzustellen und unsere
Lebensqualität langfristig zu sichern“, sagt Christof Kuhn von
BirdLife Österreich.

Die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme zählt zu den
dringendsten Aufgaben der kommenden Jahrzehnte. Derzeit befinden sich
in Österreich über 80 Prozent der europarechtlich geschützten Arten
und Lebensräume in keinem günstigen Erhaltungszustand. Auch ein
Großteil der Moore und Auen ist stark beeinträchtigt. Bis 2030 müssen
laut Renaturierungsverordnung auf mindestens 20 Prozent der Land- und
Meeresflächen in Europa wirksame Maßnahmen zur Regeneration der Natur
umgesetzt werden.

Über die Studie
Für die aktuelle Analyse hat die Restore-Nature-Koalition, ein
Zusammenschluss europäischer Umweltverbände, die bisherigen
Fortschritte bei den verpflichtenden Wiederherstellungsplänen in 24
EU-Ländern bewertet – auf Basis der rechtlichen Vorgaben der
Wiederherstellungsverordnung. Die Studie ist online abrufbar.

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