Wien (OTS) – Feuchtere Winter, trockenere Sommer: Es ist davon
auszugehen, dass
die Folgen des Klimawandels zu einer saisonalen Verschiebung der
Niederschläge führen. Zu diesem vorläufigen Ergebnis kommt eine
Untersuchung, die im Rahmen des Forschungsprojekts „Wasser im
Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“ durch Österreichs
führende Forschungseinrichtungen erstellt wurde.
Umwelt- und Wasserminister Norbert Totschnig: „Der Klimawandel wirkt
sich auch auf die Wasserverfügbarkeit aus. Die Studie liefert die
gemeinsame Datengrundlage, damit wir Risiken früher erkennen und
Maßnahmen rechtzeitig setzen können.“
Die neue Zukunftsabschätzung basiert auf einer Analyse, die die
GeoSphere Austria aktuell im Rahmen der gemeinsamen Studie mit der TU
Wien, der Universität Graz und der Universität für Bodenkultur
durchführt. Die vorläufigen Daten zeigen eine saisonale Verschiebung
des Niederschlags. Demnach soll der Sommerniederschlag bis zur Mitte
des Jahrhunderts im Vergleich zu früheren Berechnungen
voraussichtlich zwischen fünf und 15 Prozent abnehmen. Gleichzeitig
verschiebt sich der Niederschlag in die kältere Jahreszeit: In der
kühleren Jahreshälfte zeichnet sich ein Niederschlagsplus von fünf
bis zehn Prozent ab.
Im Jahresmittel bleibt die Niederschlagsmenge weitgehend gleich.
Durch den weiterhin robust anhaltenden Temperaturanstieg und der
damit verbundenen steigenden Verdunstung der kommenden Dekaden wird
jedoch insgesamt weniger Wasser im Boden zur Verfügung stehen.
„Die neuen globalen Klimaszenarien zeigen für die nächsten Jahrzehnte
mehr Winterregen im Flachland und mehr Schnee im Hochgebirge, wobei
die Schneedecken tendenziell kürzer liegen bleiben. Im Sommer wird es
hingegen eher trockener das wird spürbare Auswirkungen haben“, sagt
Dr. Klaus Haslinger , Hydroklimatologe bei GeoSphere Austria. Er ist
gemeinsam mit Prof. Günter Blöschl (TU Wien) für die
wissenschaftliche Leitung von „Wasser im Klimawandel – eine Studie
über die Auswirkungen“ verantwortlich, der umfassendsten Wasserstudie
Österreichs in den vergangenen Jahren, die derzeit im Auftrag des
Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und
Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) durchgeführt
wird.
Wassermanagement als Herausforderung
Insbesondere in vulnerablen Gebieten im Flachland wird das
Wassermanagement aufgrund der saisonalen Niederschlagsverschiebung
herausfordernder werden. Trockenere Sommer erhöhen den
Bewässerungsbedarf, während gleichzeitig weniger Wasser zur Verfügung
steht. Das betrifft insbesondere Regionen in Ostösterreich, in denen
weniger Niederschlag fällt als im Westen oder in den Bergen. Regionen
wie der Seewinkel, das Weinviertel oder das nördliche Waldviertel
sind trockener und auch wärmer als die niederschlagsreichen Gebiete
in Westösterreich. Dadurch kommt es auch zu mehr Wasserentzug durch
Verdunstung. Haslinger: „Die Aufgabe, die Ressource Wasser vom
Überschuss in der kalten Jahreszeit zu den Mangelzeiten im Sommer zu
verteilen, wird künftig an Bedeutung gewinnen.“
Intensivere Sommerregen
Ein weiterer Trend, der bereits zweifelsfrei aus Messdaten abgeleitet
wurde, ist eine höhere Intensität der Niederschläge. Durch den
Klimawandel steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Regen insbesondere in
der warmen Jahreszeit in kurzer Zeit sehr intensiv fällt – etwa bei
Sommergewitterlagen. Auch wenn im Jahresmittel gleich viel Wasser
fällt, verschärft die höhere Intensität das Risiko für lokale
Überflutungen.
Im Gegensatz zu solchen lokalen Ereignissen ist bei großräumigen
Überschwemmungen durch Dauerregen der Zusammenhang zum Klimawandel
bisher noch nicht eindeutig nachgewiesen worden. Der Grund: Noch
konnte nicht hinreichend geklärt werden, wie steigende Temperaturen
das Entstehen von Großwetterlagen wie etwa Adria-Tiefs beeinflussen.
Hinzu kommen komplexe hydrologische Prozesse, die die Entstehung und
Ausprägung großräumiger Überschwemmungen zusätzlich beeinflussen.
Wasserstudie: Endbericht im Herbst
Die neuen Daten sind eine erste Berechnung, basierend auf globalen
Klimamodellen. Die erstellten Trends für die Zukunft sind vorläufig
und dienen als Ergänzung zu den offiziellen Österreichischen
Klimaszenarien, die voraussichtlich im Jahr 2027 veröffentlicht
werden. Für Österreich werden die globalen Daten von GeoSphere
Austria mit einer erprobten statistischen Methode verfeinert, die
gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst entwickelt wurde. Dabei wird
die grobe globale Information gezielt auf österreichische Bedingungen
übertragen und laufend validiert.
Die berechneten Szenarien werden in den kommenden Monaten verfeinert
und mit hydrologischen Modellen der TU Wien verknüpft, um eine
validierte wissenschaftliche Einschätzung der Auswirkungen des
Klimawandels auf Österreichs Wasserhaushalt zu ermöglichen. Der
Endbericht der Studie „Wasser im Klimawandel“ im Auftrag des BMLUK
wird im Herbst 2026 veröffentlicht.
Umwelt- und Wasserminister Norbert Totschnig zur Bedeutung für unser
Land: „Der Zeitpunkt und die Intensität des Niederschlags ändern sich
und das hat direkte Folgen für Trinkwasser, Landwirtschaft, Gemeinden
und den Schutz vor Extremereignissen wie Hochwasser. Mit dieser
Studie schaffen wir eine einheitliche, verlässliche Basis, damit wir
in Österreich vorausschauend planen und unsere Wasserressourcen von
morgen sichern können.“
Hinweis: Die Studie “Wasser im Klimawandel – eine Studie über die
Auswirkungen” wird im Laufe des Jahres weitere aktuelle Informationen
liefern, etwa zur Grundwasserentwicklung in verschiedenen Regionen,
Hoch- und Niederwasserszenarien, Wassertemperaturen, Verdunstung
sowie Schneeentwicklung und -schmelze. Der Endbericht erscheint im
Herbst 2026 und wird detaillierte Prognosen bis 2100 für Österreich
enthalten. Die Studie bildet die wissenschaftliche Basis für Planung
in Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Raumplanung.
Weiterführende Informationen finden Sie auf wasseraktiv.at/wasser-im-
klimawandel




