Neue WK Präsidentin in Wien allein ist noch kein Kulturwandel

Wien (OTS) – Der Rücktritt von Walter Ruck als Präsident der
Wirtschaftskammer
Wien war angesichts der bekannt gewordenen Vorgänge unausweichlich.
Dass nun eine Frau an die Spitze der Wirtschaftskammer Wien
nachrückt, ist jedoch noch kein Beweis für den notwendigen
Kulturwandel. Entscheidend ist nicht allein, wer das Amt übernimmt,
sondern ob sich Führung, Entscheidungsprozesse und Umgangsformen
tatsächlich grundlegend ändern.

Die bekannt gewordenen Aussagen Walter Rucks waren mit einem
modernen Verständnis von Führung, Respekt und Gleichberechtigung
nicht vereinbar. Wer davon spricht, dass Frauen „Befehle“
entgegenzunehmen, zu „salutieren“ oder auf Zuruf Platz zu machen
hätten, offenbart ein Rollen- und Machtverständnis, das in einer
zeitgemäßen Interessenvertretung keinen Platz haben darf.

Für die Freiheitliche Wirtschaft geht es daher nicht nur um eine
einzelne Person oder die Neubesetzung eines Spitzenamtes. Funktionen
in der Wirtschaftskammer dürfen keine persönliche oder
parteipolitische Verfügungsmasse sein. Entscheidungen über
Positionen, Zuständigkeiten und Verantwortung müssen transparent,
nachvollziehbar und ausschließlich auf Grundlage von Leistung
getroffen werden.

Die Wirtschaftskammer ist die gesetzliche Interessenvertretung
hunderttausender Unternehmer. Gerade deshalb braucht es an ihrer
Spitze Persönlichkeiten, die Respekt, Fairness und professionelles
Führungsverhalten vorleben. Persönliche Machtspiele, parteipolitische
Netzwerke und herablassende Aussagen schaden dem Vertrauen in die
gesamte Institution.

Frauen leisten als Unternehmerinnen, Geschäftsführerinnen,
Mitarbeiterinnen und Funktionärinnen täglich einen unverzichtbaren
Beitrag für den Wirtschaftsstandort Österreich. Sie erwarten zu Recht
Respekt, gleiche Chancen und die Anerkennung ihrer Leistung. Eine
weibliche Nachbesetzung darf daher nicht als Feigenblatt dienen,
während die bisherigen Machtstrukturen unangetastet bleiben.

Die Freiheitliche Wirtschaft fordert eine lückenlose Aufarbeitung
der bekannt gewordenen Vorgänge sowie einen grundlegenden Kultur- und
Strukturwandel innerhalb der Wirtschaftskammer. Die neue Führung muss
jetzt beweisen, dass Transparenz, Leistung und respektvoller Umgang
künftig tatsächlich Vorrang vor Parteinetzwerken und Machterhalt
haben.

„Walter Rucks Rücktritt war notwendig, darf aber kein
Schlussstrich unter die Causa sein. Eine Frau an der Spitze allein
bedeutet noch keinen Kulturwandel. Entscheidend ist, ob nun auch die
überholten Machtstrukturen, Postenvergaben und Führungsmethoden
aufgearbeitet und verändert werden. Frauen brauchen keine symbolische
Nachbesetzung, sondern Respekt, gleiche Chancen und Anerkennung ihrer
Leistung. Die neue Präsidentin steht jetzt in der Verantwortung, für
einen echten Neustart zu sorgen“, betonen die Mitglieder des
Bundesvorstandes der Freiheitlichen Wirtschaft, Silvia Hubmann, LAbg.
Mag. Eva Kroismayr-Baier und LAbg. Dipl-Ing. Evelyn Achhorner.

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