Neue CEU-Studie warnt: „Vibe Coding“ gefährdet das Open-Source-Ökosystem

Wien (OTS) – Ein neues Working Paper mit dem Titel „Vibe Coding Kills
Open Source“
untersucht die langfristigen Auswirkungen KI-gestützter
Softwareentwicklung auf die Nachhaltigkeit von Open-Source-Software (
OSS). Verfasst wurde die Studie von Miklós Koren (Central European
University), Gábor Békés (Central European University), Julian Hinz (
Bielefeld University & Kiel Institute for the World Economy) sowie
Aaron Lohmann (Kiel Institute for the World Economy).

Der Begriff „Vibe Coding“ bezeichnet eine Form der KI-gestützten
Softwareentwicklung, bei der Entwickler:innen mithilfe von Large
Language Model (LLM)-Agenten Code generieren und kombinieren – häufig
ohne selbst Dokumentationen zu lesen, Bug-Reports einzureichen oder
mit den Maintainer:innen der ursprünglichen Projekte zu interagieren.

Die Forscher modellierten in ihrer Arbeit, wie sich eine
zunehmende Verbreitung von Vibe Coding auf das Open-Source-Ökosystem
auswirkt. Ihre Ergebnisse zeigen: Zwar steigert Vibe Coding die
Produktivität, indem es die Kosten der Softwareentwicklung senkt.
Gleichzeitig schwächt es jedoch zentrale Mechanismen, die Open Source
langfristig tragen – etwa Nutzerinteraktion, Dokumentationszugriffe
oder Community-Beiträge.

Die Folge könnte ein Rückgang gemeinschaftlich entwickelter
Projekte, eine geringere Vielfalt sowie eine sinkende Gesamtqualität
von Open-Source-Software sein – selbst dann, wenn KI-Tools das
Programmieren insgesamt erleichtern.

„ Vibe Coding lebt von Open Source – kann aber gleichzeitig die
Communities aushungern, die diese Software hervorbringen. KI-Agenten
machen es einfacher denn je, Open-Source-Code wiederzuverwenden.
Gleichzeitig reduzieren sie jedoch jene alltäglichen ‚Dankeschön-
Signale‘ – etwa Beiträge, Feedback oder Sichtbarkeit –, die viele
Projekte am Leben erhalten “, sagt Gábor Békés , Associate Professor
am Department of Economics der Central European University.

Die Studie versteht das Problem als ein gesamtwirtschaftliches
Gleichgewichtsproblem: KI-gestützte Entwicklungstools lenken Nutzung
und Aufmerksamkeit weg von der direkten Interaktion mit Open-Source-
Projekten – also genau jenen Interaktionen, über die Maintainer:innen
häufig Reputation, Sichtbarkeit, Spenden, Beratungsaufträge oder
andere communitybasierte Anreize erhalten.

Die Autoren betonen, dass bei einer breiten Etablierung von Vibe
Coding neue Modelle zur Finanzierung und Einbindung von Open-Source-
Maintainer:innen notwendig werden könnten, um das bestehende Niveau
an OSS nachhaltig zu sichern.

„ Vibe Coding ist ohne Open Source nicht nachhaltig. Man kann den
aktuellen Stand von OSS nicht einfach einfrieren und davon dauerhaft
leben. Projekte müssen gewartet, Fehler behoben und Sicherheitslücken
geschlossen werden. Wenn Open Source kollabiert, wird auch Vibe
Coding nicht überleben. Wir müssen jetzt handeln, um das zu
verhindern. Wir schlagen ein Revenue-Sharing-Modell auf Basis
tatsächlicher Nutzungsdaten vor. Die Details müssen noch
ausgearbeitet werden – aber die technologische Grundlage für ein
solches Geschäftsmodell ist bereits vorhanden “, sagt Miklós Koren ,
Professor am Department of Economics der Central European University.

Über die Studie

Vibe Coding Kills Open Source ist ein Working Paper und derzeit
auf arXiv verfügbar (arXiv:2601.15494). Die Forschung wurde teilweise
durch einen ERC Advanced Grant finanziert und von mehreren nationalen
Forschungsförderungsagenturen unterstützt.

Über die CEU

Die 1991 gegründete Central European University ist eine
gemeinnützige Privatuniversität mit Sitz in Wien und mehreren
Forschungseinheiten in Budapest. Rund 1.500 Studierende aus über 100
Ländern absolvieren an der CEU Bachelor-, Master- und
Doktoratsprogramme, die sowohl in den USA als auch in Österreich
akkreditiert sind.

Mehr als 200 international anerkannte Professor:innen und
Forschende gewährleisten ein exzellentes Betreuungsverhältnis sowie
kontinuierliche internationale Sichtbarkeit durch renommierte
Forschungspreise und Drittmittelprojekte.

Die CEU steht für Chancengleichheit, Diversität, offene
Gesellschaften und Meinungsfreiheit – Werte die gelebt werden mit
Initiativen wie der „ Invisible University for Ukraine “.