Middle Corridor: Austrian-Kazakh Connectivity Platform (AKCP) bringt Europa, Zentralasien und Südkaukasus in Alpbach an einen Tisch

Alpbach/Wien (OTS) – Rund 50 hochrangige Vertreter aus Diplomatie,
Wirtschaft und
internationalen Institutionen diskutierten beim Europäischen Forum
Alpbach die nächste Entwicklungsphase des Middle Corridor.

Der Middle Corridor hat sich zu einer strategischen Priorität für
Europa und seine Partner in Zentralasien und im Südkaukasus
entwickelt. Entscheidend ist nun, die politische Dynamik in ein
verlässliches und wirtschaftlich tragfähiges Verkehrs- und
Handelssystem zu überführen. Unter diesem Leitmotiv veranstaltete die
Austrian-Kazakh Connectivity Platform (AKCP) am 1. September im
Rahmen des Europäischen Forums Alpbach 2026 einen Executive
Roundtable.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie bestehende
Infrastrukturprojekte besser miteinander verbunden werden können,
welche Voraussetzungen für zusätzliche private und öffentliche
Investitionen notwendig sind und welche Rolle österreichische und
europäische Unternehmen beim weiteren Ausbau des Korridors übernehmen
können.

Der Middle Corridor verbindet Kasachstan über das Kaspische Meer,
Aserbaidschan und Georgien mit der Türkei, der Schwarzmeerregion und
Europa. Angesichts geopolitischer Veränderungen und der Notwendigkeit
widerstandsfähigerer Lieferketten hat die Route erheblich an
strategischer Bedeutung gewonnen.

Auch die Europäische Union hat ihre wirtschaftliche und
politische Unterstützung für die Region deutlich ausgeweitet. Im
Januar 2024 kündigten die EU und ihre Partner die Mobilisierung von
rund zehn Milliarden Euro für nachhaltige Verkehrsverbindungen in
Zentralasien an. Beim ersten EU-Zentralasien-Gipfel im April 2025
folgte ein zwölf Milliarden Euro umfassendes Global-Gateway-
Investitionspaket für Transport, kritische Rohstoffe, Digitalisierung
sowie Wasser, Energie und Klima. Im Juni 2026 startete die
Europäische Kommission zudem die Connectivity Agenda Platform, die
Verkehrs-, Energie-, Digital- und Handelsverbindungen zwischen Europa
und Zentralasien über die Schwarzmeerregion und den Südkaukasus
stärken soll.

Damit verschiebt sich die zentrale Frage zunehmend von
politischen Absichtserklärungen zur praktischen Umsetzung. Nach
Modellrechnungen der Weltbank könnten gezielte Investitionen und
Effizienzmaßnahmen die Transportzeiten entlang des Middle Corridor
bis 2030 halbieren und das Frachtvolumen auf dem Korridor gegenüber
2021 verdreifachen. Voraussetzung dafür sind jedoch funktionierende
grenzüberschreitende Abläufe, ausreichende Bahn-, Hafen- und
Terminalkapazitäten, harmonisierte und digitalisierte Zoll- und
Grenzverfahren sowie wirtschaftlich tragfähige Investitionsmodelle.

Eröffnet wurde der Roundtable von Prof. Dr. Karl Jurka, Präsident
der Austrian-Kazakh Connectivity Platform (AKCP). Den strategischen
Rahmen setzte Dr. Alexander Schierhuber, Vizepräsident der AKCP, der
die Diskussion auch moderierte. Die europäische Perspektive brachte
Botschafter Eduards Stiprais, EU-Sonderbeauftragter für Zentralasien,
ein. Die Staaten entlang des Korridors waren durch S.E. Alexander
Maisuradze, Botschafter Georgiens, und Akan Aitimov, Botschaftsrat
der Republik Kasachstan, vertreten. Eine Perspektive aus der
Privatwirtschaft brachte Dr. Andrii Grinenko, Gründer und CEO der RSE
Clear Energy Group, in die Diskussion ein.

„Der Middle Corridor ist politisch längst auf der europäischen
Agenda angekommen. Die nächste Phase entscheidet sich aber nicht in
Strategiedokumenten, sondern daran, ob Transportzeiten sinken,
Schnittstellen funktionieren und Projekte für Unternehmen und
Investoren wirtschaftlich tragfähig werden. Genau dort wollen wir mit
der AKCP ansetzen“ , so Dr. Alexander Schierhuber, Vizepräsident der
AKCP.

Die Diskussion konzentrierte sich insbesondere auf den Ausbau von
Bahn-, Hafen-, Terminal- und Logistikkapazitäten, die
grenzüberschreitende Koordination, Digitalisierung und
Zollabwicklung, Finanzierungsmodelle und Risikoverteilung sowie die
resiliente Energieversorgung kritischer Verkehrs- und
Industrieinfrastruktur.

Ein weiterer Schwerpunkt war die langfristige wirtschaftliche
Entwicklung des Korridors. Seine Tragfähigkeit wird nicht allein vom
Transit zwischen China und Europa abhängen. Entscheidend sind ebenso
stärkere regionale Handelsbeziehungen, zusätzliche industrielle
Wertschöpfung entlang der Route und eine engere wirtschaftliche
Integration zwischen Zentralasien, dem Südkaukasus, der Türkei und
Europa.

„Die großen Infrastrukturentscheidungen der kommenden Jahre
werden die wirtschaftliche Verbindung zwischen Europa und
Zentralasien für Jahrzehnte prägen. Österreich verfügt über
Unternehmen mit erheblicher Kompetenz in Bahnindustrie,
Infrastruktur, Energie, Maschinenbau und industriellen Technologien.
Unsere Aufgabe als AKCP ist es, diese Kompetenzen mit konkretem
Bedarf und konkreten Projekten entlang des Korridors
zusammenzubringen“ , erklärte Prof. Dr. Karl Jurka, Präsident der
AKCP.

Für die AKCP markiert der Roundtable in Alpbach den nächsten
Schritt nach ihrem offiziellen Auftakt im Juli 2026 im
Österreichischen Parlament. Die Plattform verbindet den strategischen
Dialog über den Middle Corridor mit konkreter
Unternehmenskooperation, Marktinformationen, Delegationen und
projektbezogener Vernetzung zwischen Österreich, Kasachstan und
weiteren Partnern entlang des Korridors.

Über die Austrian-Kazakh Connectivity Platform (AKCP)

Die Austrian-Kazakh Connectivity Platform (AKCP) ist eine
unabhängige, praxisorientierte Plattform zur Förderung der
wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Österreich und Kasachstan
und zur stärkeren Vernetzung österreichischer Unternehmen mit
Zentralasien.

Sie unterstützt Unternehmen bei Geschäftsanbahnung und
Marktzugang, vernetzt sie mit relevanten Entscheidungsträgern und
Institutionen und begleitet die Entwicklung konkreter
Kooperationsprojekte. Schwerpunkte liegen insbesondere in den
Bereichen Infrastruktur, Logistik, Bahnindustrie, Energie,
Maschinenbau und industrielle Modernisierung.

Darüber hinaus organisiert die AKCP Executive Roundtables,
Unternehmensdialoge, Delegationsreisen und weitere Formate zur
wirtschaftlichen Vernetzung zwischen Österreich, Kasachstan und
relevanten Partnern entlang des Middle Corridor.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at

Redaktioneller Anspruch

Bauguide erklärt komplexe Bau- und Wohnthemen verständlich, praxisnah und mit Blick auf österreichische Rahmenbedingungen.