Wien (OTS) – Lungenkrebs gehört in Österreich zu den häufigsten
Krebserkrankungen
und ist nach wie vor jene Krebsart, an der die meisten Menschen
sterben. Ein wesentlicher Grund dafür: Die Erkrankung wird meist erst
in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Dabei gilt gerade bei
Lungenkrebs: Je früher die Diagnose erfolgt, desto höher sind die
Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung und Heilung. Moderne
Computertomografien (CT) machen heute zwar immer kleinere
Gewebeveränderungen sichtbar, deren präzise Abklärung stellt jedoch
eine Herausforderung dar. Neue robotisch-assistierte Bronchoskopie-
Systeme bringen hier einen entscheidenden Fortschritt: Sie
ermöglichen es, im Zuge einer Lungenspiegelung auch extrem kleine und
schwer erreichbare Lungenherde gezielt anzusteuern und Gewebeproben
zu entnehmen.
Anlässlich des Welt-Lungentages am 25. September informiert die
Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) über diese
innovative Technologie und ihre Bedeutung für die frühe Diagnose von
Lungenkrebs.
Zwtl.: Höhere Treffsicherheit bei Millimeter-Befunden
Die Bronchoskopie, also die Lungenspiegelung mithilfe eines
dünnen, flexiblen Schlauchs, ist die wichtigste und häufigste
diagnostische Untersuchungsmethode zur Abklärung suspekter
Veränderungen in der Lunge. Dabei werden Gewebeproben von den
verdächtigen Stellen entnommen und anschließend untersucht. Bei sehr
kleinen oder tief in der Peripherie der Lunge gelegenen Veränderungen
(Lungenherden) stößt die konventionelle Bronchoskopie jedoch an ihre
Grenzen.
OA Dr. Michael Meilinger, Generalsekretär der Österreichischen
Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), umreißt die Problematik: „Moderne
CT-Untersuchungen zeigen uns heute bereits sehr kleine Veränderungen.
Die Herausforderung besteht nun darin, diese kleinen Herde auch
tatsächlich zu erreichen und zuverlässig Gewebeproben daraus zu
gewinnen. Genau hier setzt die roboter-assistierte Bronchoskopie an:
Mit ihrer Hilfe erreichen wir Areale in der Lunge, die für uns früher
schlicht unzugänglich waren. Die Untersuchung ist natürlich nach wie
vor in menschlicher Hand, aber durch die robotische Unterstützung
können wir tiefer vordringen, auch nur wenige Millimeter große
Veränderungen präziser ansteuern und Gewebeproben mit wesentlich
höherer Treffsicherheit entnehmen.“
Erste internationale Daten zeigen eine signifikant höhere
diagnostische Genauigkeit bei extrem geringen Komplikationsraten.
Damit steigt die Chance, Lungenkrebs bereits in einem frühen Stadium
zu diagnostizieren – mit entsprechend besserer Prognose und höheren
Heilungsraten.
Zwtl.: Erster Bronchoskopie-Roboter Österreichs im Einsatz
Seit April dieses Jahres ist an der pneumologischen Abteilung der
Klinik Floridsdorf in Wien der österreichweit erste Bronchoskopie-
Roboter – in Kombination mit modernster 3D-Bildgebung – im Einsatz.
Erste Erfahrungen an Österreichs größtem Lungenkrebszentrum
bestätigen die internationalen Erkenntnisse aus den USA,
Großbritannien und der Schweiz: Der Anteil frühzeitig
diagnostizierter Lungenkrebsfälle steigt mit dieser Technologie
messbar an.
„Die ersten Monate im klinischen Alltag in der Klinik Floridsdorf
haben unsere Erwartungen sogar noch übertroffen“, freut sich OA
Meilinger, stellvertretender Abteilungsvorstand der Abteilung für
Innere Medizin und Pneumologie an der Klinik Floridsdorf. „Die
Kombination aus Roboter-Navigation und 3D-Bildgebung erhöht die
Treffsicherheit enorm. Gleichzeitig ist der Eingriff für die
Patientinnen und Patienten maximal schonend und die Komplikationsrate
sogar noch geringer als bei der ohnehin sehr risikoarmen
konventionellen Bronchoskopie.“
Zwtl.: Blick in die Zukunft: Screening und flächendeckende Versorgung
Meilinger weist darauf hin, dass die Bedeutung dieser Innovation
in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. „In Österreich wird
derzeit die Einführung eines standardisierten Lungenkrebs-Screenings
vorangetrieben. Ein solches Vorsorgeprogramm für Risikogruppen wird
die Zahl früh erkannter, abklärungsbedürftiger Lungenherde weiter
ansteigen lassen. Um diese Patientinnen und Patienten zeitnah und
präzise zu versorgen, wird man diese Technologie langfristig an
mehreren Standorten in Österreich brauchen.“
Neben dem individuellen Nutzen für die Patientinnen und Patienten
ist eine frühe Diagnose von Lungenkrebs auch gesundheitsökonomisch
relevant. Zwar ist die robotische Bronchoskopie derzeit mit relativ
hohen Anschaffungskosten verbunden. Vor allem in Kombination mit
einem strukturierten Screening ist längerfristig jedoch ein
deutliches Einsparungspotenzial bei onkologischen Folgekosten zu
erwarten.
„Aufgrund der wissenschaftlichen Daten, unserer bisherigen
Erfahrungen und des bestehenden Bedarfs sollte diese Technologie
künftig auch an weiteren pneumologischen Zentren in Österreich
etabliert werden. Screening und moderne, möglichst frühzeitige
Probengewinnung müssen zusammengedacht werden“, bekräftigt Meilinger.
Zwtl.: „Lunge digital“: Digitalisierung und KI im Mittelpunkt der ÖGP
-Jahrestagung
„Die robotische Bronchoskopie zeigt beispielhaft, wie rasch sich
die technischen Möglichkeiten in der Pneumologie weiterentwickeln“,
so Meilinger. Wie stark neue Technologien die Pneumologie verändern
und welche Möglichkeiten sich daraus für Diagnostik und Versorgung
ergeben, ist auch eines der zentralen Themen der diesjährigen
Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie.
Die 50. Jahrestagung der ÖGP findet unter dem Motto „Lunge
digital“ von 22. bis 24. Oktober 2026 im Salzburg Congress statt und
wird zum zehnten Mal gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft
für Thoraxchirurgie (OGTC) abgehalten. Im Mittelpunkt stehen aktuelle
Entwicklungen der digitalen Medizin – darunter Telemedizin,
künstliche Intelligenz in der Diagnostik und neue Ansätze für eine
digital vernetzte Patientenversorgung.
„Wir erleben derzeit eine unglaublich spannende Phase in der
Pneumologie: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eröffnen uns
Möglichkeiten, die vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar waren.
Bei unserer Jahrestagung werden wir präsentieren und diskutieren, was
heute schon möglich ist, wohin die Reise geht und vor allem, wie
unsere Patient*innen von diesen Entwicklungen profitieren können“, so
Meilinger abschließend.