Logistikbranche fordert adäquate Förderungen für emissionsfreie Nutzfahrzeuge und Infrastruktur

Wien (OTS) – Der Zentralverband Spedition & Logistik (ZV) fordert
eine
langfristige und finanziell ausreichend ausgestattete Fortführung der
österreichischen Förderschiene ENIN („Emissionsfreie Nutzfahrzeuge
und Infrastruktur“). Aus Sicht der Logistikbranche hat ENIN in den
vergangenen Jahren wesentlich dazu beigetragen, die Transformation
des Nutzfahrzeugsektors in Österreich erfolgreich zu starten.

Es sei entscheidend, bestehende und funktionierende
Förderinstrumente nicht zu schwächen, sondern gezielt
weiterzuentwickeln.

„ENIN hat gezeigt, dass die Kombination aus Fahrzeugförderung und
Infrastrukturförderung funktioniert. Der Aufbau emissionsfreier
Nutzfahrzeugflotten gelingt nur dann, wenn Unternehmen gleichzeitig
auch die notwendige Lade- und Betankungsinfrastruktur aufbauen
können“, betont Alexander Friesz, Präsident des Zentralverbands
Spedition & Logistik.

Auch künftig brauche es ausreichend Budgetmittel, um die
Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs weiter voranzutreiben.
Gerade in Österreich müsse berücksichtigt werden, dass trotz eines
vergleichsweise hohen Schienenanteils weiterhin mehr als 70 Prozent
aller Güter auf der Straße transportiert werden und damit auch das
Potenzial zur Dekarbonisierung im Straßengüterverkehr besonders groß
sei.

„Die Transformation auf der Straße ist sehr kostenintensiv.
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und unter massivem
Wettbewerbsdruck können diese Investitionen ohne ausreichende
Förderungen kaum gestemmt werden. Deshalb braucht es trotz
allgemeinem Sparkurs weiterhin ausreichend Mittel für die
Dekarbonisierung des Güterverkehrs“, so Friesz.

Positiv bewertet die Branche, dass in Österreich bereits erste
Ladeinfrastrukturprojekte für Busse und Lkw auf ASFINAG-Raststationen
geplant werden. Gleichzeitig brauche es weiterhin gezielte Anreize
für Unternehmen, eigene Ladeinfrastruktur in ihren Betrieben und
Logistikterminals aufzubauen.

„Gerade die Möglichkeit, gemeinsam mit emissionsfreien Fahrzeugen
auch die Infrastruktur in den eigenen Standorten fördern zu lassen,
ist ein wesentlicher Vorteil der bestehenden ENIN-Systematik und für
den Erfolg alternativer Antriebstechnologien entscheidend“, erklärt
Friesz weiter.

Als Beispiel dafür, dass auch in wirtschaftlich schwierigen
Zeiten investiert und gefördert wird, verweist der Zentralverband auf
die jüngst in Deutschland präsentierte Förderrichtlinie für E-Lkw-
Ladeinfrastruktur. Die deutsche Bundesregierung stellt im ersten
Schritt 200 Millionen Euro für Ladeinfrastruktur, Netzanschlüsse,
Batteriespeicher und Lastmanagementsysteme zur Verfügung.

„Das deutsche Beispiel zeigt sehr klar, dass die Transformation
des Straßengüterverkehrs nur mit adäquaten Investitionen in
Infrastruktur funktionieren wird. Gleichzeitig ist das natürlich auch
für Österreich positiv, weil Logistik länderübergreifend funktioniert
und Lkw tagtäglich grenzüberschreitend unterwegs sind“, betont
Friesz.

Umso wichtiger sei es nun, dass Österreich bei diesem Thema nicht
ins Hintertreffen gerät.

„Jetzt darf Österreich keinesfalls abgehängt werden.
Förderschienen wie ENIN müssen konsequent weitergeführt und ausgebaut
werden“, so Friesz.

Aus Sicht der Branche sollte zudem geprüft werden, Förderungen
für batterieelektrische Mobilität und Wasserstoffmobilität im
Güterverkehr stärker getrennt zu betrachten.

„Es ist gerade im Schwerverkehr und auf der Langstrecke sinnvoll,
technologieoffen zu bleiben und sowohl Elektromobilität als auch
Wasserstofflösungen weiterzuentwickeln. Gleichzeitig muss man
anerkennen, dass beide Bereiche unterschiedliche infrastrukturelle
und wirtschaftliche Voraussetzungen mitbringen und daher auch
differenzierte Fördermodelle sinnvoll sein können“, erklärt Friesz.

Der Zentralverband sieht die angekündigte Präsentation der
österreichischen Logistikstandortstrategie durch Verkehrsminister
Peter Hanke am 12. Juni als Gelegenheit, die unterschiedlichen
Maßnahmen und Förderinstrumente im Bereich Dekarbonisierung,
Infrastruktur und Wettbewerbsfähigkeit in eine abgestimmte
Gesamtstrategie zu überführen.

„Die Logistikstandortstrategie wird nur dann erfolgreich sein,
wenn sie konkrete und wirtschaftlich tragfähige Maßnahmen enthält.
Dazu gehören ausreichende Fördermittel ebenso wie Planungssicherheit
für die Unternehmen“, so Oliver Wagner, Geschäftsführer des
Zentralverbands Spedition & Logistik.

Aus Sicht des Zentralverbands sind die inhaltlichen Schwerpunkte
klar definiert. Dazu zählen neben der technologieoffenen
Dekarbonisierung des Güterverkehrs inklusive raschem Ausbau der Lade-
und Tankinfrastruktur insbesondere:

– planbare und wettbewerbsverträgliche Maut- und Logistikkosten,

– intelligente Verkehrsorganisation statt starrer Fahrverbote,

– Stärkung des kombinierten Verkehrs,

– Sicherung logistischer Infrastruktur und Flächen,

– konsequenter Abbau bürokratischer Belastungen und
Wettbewerbsnachteile.

Als kurzfristig umsetzbare Maßnahme nennt die Branche etwa eine
frühzeitige Bekanntgabe der Lkw-Maut für das Folgejahr bereits im
September.

„Eine frühzeitige Klarheit bei der Mautgestaltung würde der
Branche zumindest ein Stück Planungssicherheit geben – und das wäre
eine Maßnahme, die den Staat praktisch nichts kostet. Gerade
angesichts internationaler Unsicherheiten und der wirtschaftlich
äußerst angespannten Situation wäre das ein wichtiges Signal“, betont
Wagner abschließend.