„kulturMONTAG“: Salzburger Machtspiele, Russlands Kulturpolitik, Muehl-Debatte

Wien (OTS) – Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMONTAG“ am
23. März 2026
um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON berichtet weiter über die
kulturpolitischen Entwicklungen rund und die umstrittene
Führungssituation bei den Salzburger Festspielen. Die Sendung blickt
außerdem auf Russlands Kulturpolitik und die Frage, wie politisch
Kunst sein darf und muss. Weiters geht es u. a. darum, wo die Grenzen
der künstlerischen Freiheit enden. Anlass dazu ist die Diskussion um
die für den Herbst geplante Ausstellung des Spätwerks von Otto Muehl
im Wiener Aktionismus Museum. Anschließend an das Magazin steht eine
Ausgabe der Dokureihe „Schrecklich schöne Bausünden“ über „Konsum-
Labyrinthe“ (23.30 Uhr) auf dem Programm.

Wie geht es weiter? Machtspiele bei den Salzburger Festspielen

Das Königsdrama beim renommiertesten Klassikfestival Europas geht
in die nächste Runde. Nun, da Intendant Markus Hinterhäuser die ihm
gesetzte Frist ungenutzt verstreichen ließ, ist guter Rat teuer und
die Mitglieder des Kuratoriums der Salzburger Festspiele sind unter
Zugzwang. Neben der Führungsdebatte rund um die künstlerische
Intendanz, die Nachfolge von Festspielpräsidentin Kristina Hammer
sowie die dringend notwendige Ausschreibung der Schauspielleitung
sorgen auch die Umbaupläne im Festspielbezirk für Kritik. Auf
insgesamt knapp 500 Millionen Euro sind die veranschlagten Kosten für
beide Bauphasen des Projekts mittlerweile angewachsen. Der
„kulturMONTAG“ war in Salzburg, hat die Baustelle im Berg sowie die
geplanten Ersatz-Spielstätten besucht und bei der Kuratoriumssitzung
am Freitag nachgefragt.

Was darf Kunst? Die russische Kulturpolitik im In- und Ausland

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat
sich die Kulturlandschaft in Russland drastisch verändert. Es
herrscht Zensur, politische und gesellschaftliche Kritik ist aus
Theatern, Filmen und Museen so gut wie verschwunden. Präsident
Wladimir Putin nützt die Kulturpolitik, um mit Dekreten den
Patriotismus, die nationale Identität sowie traditionellen Werte zu
fördern und Russland vom Westen abzugrenzen – im Land herrscht ein
regelrechter Boom um russische Folklore und Volkskunst. Und
außerhalb? Zum ersten Mal seit Beginn des Angriffskriegs gegen die
Ukraine will Russland heuer wieder an der Kunstbiennale in Venedig
teilnehmen. Umgehend hat die russische Aktivistinnen-Gruppe Pussy
Riot Proteste angekündigt. Die EU-Kommission stellt die geplanten
Zuschüsse von rund zwei Millionen in Frage und die italienische
Regierung prüft die Möglichkeit, den russischen Pavillon
„einzufrieren“ – ähnlich wie es mit russischen Vermögenswerten wie
Jachten, Luxusvillen und Bankkonten nach der Invasion der Ukraine vor
vier Jahren getan wurde. Doch geht man damit zu weit? Biennale-
Präsident Pietrangelo Buttafuoco hält mit dem Argument der
künstlerischen Freiheit dagegen. Der „kulturMONTAG“ fragt: Wie
politisch darf – wie politisch muss Kunst sein?

Braucht Kunst Grenzen? Das Wiener Aktionismus Museum und die
Debatte um Otto Muehl

Das „Wiener Aktionismus Museum“ (WAM) wird nach einer Umbauphase
am 25. März mit einer Einzelschau zum Frühwerk von Hermann Nitsch
wiedereröffnet. Weil WAM-Geschäftsführer Klaus Albrecht Schröder ab
Herbst auch das Spätwerk von Otto Muehl zeigen will, ist eine heftige
mediale Debatte darüber entbrannt, ob man dessen Werke überhaupt
ausstellen darf und wenn ja, in welcher Form. Der damals von Kunst,
Politik und High Society noch hofierte Aktionskünstler hat am
Friedrichshof im Burgenland in den 1970er Jahren Minderjährige
sexuell missbraucht und wurde 1991 dafür zu sieben Jahren Gefängnis
verurteilt. Für Kritiker, wie die Gruppe „Mathilda“, darf im Kontext
von Missbrauch entstandene Kunst von Muehl nicht ohne Hinweise darauf
gezeigt werden. Dessen Werke will die Gruppe nicht als Kunst, sondern
als „Artefakte“ verstanden wissen. Klaus Albrecht Schröder will keine
Bilder zeigen, auf denen Opfer von Muehl abgebildet sind, für den
Rest könne man das Werk von der Person des Künstlers jedoch trennen.
Der „kulturMONTAG“ fragt: Wo hat die Freiheit der Kunst ihre Grenzen?

Dokumentation „Schrecklich schöne Bausünden: Konsum-Labyrinthe“ (
23.30 Uhr)

Der Normverstoß gegen den sogenannten guten Geschmack, der
Stilbruch, das scheinbar Hässliche: Sie sind nicht selten
faszinierender und reizvoller als das offensichtlich Gefällige –
zumal in der Architektur. Die vierteilige Dokureihe „Schrecklich
schöne Bausünden“ setzt sich mit Bauwerken auseinander, die als
architektonische Sündenfälle galten, aber heute, aus neuer
Perspektive betrachtet, durchaus faszinieren können. In dieser Folge
geht es um besonders in Verruf geratene Architekturgattungen:
Parkhäuser und Shopping-Center. Regisseur Ralf Pleger zeigt auf
unterhaltsame Weise, dass ein Einkaufszentrum ein architektonisches
Statement sein kann, und dass sogar ein Parkhausklotz eine
spirituelle Ebene und das Zeug dazu hat, als historisches Baudenkmal
anerkannt zu werden.

Jedem Sündenfall haftet Verderben an – aber auch etwas
unwiderstehlich Verführerisches. Und verführen, das wollen die
Konsumtempel, die Shopping-Center und Malls unserer Gegenwart. An
einer der prominentesten Adressen Berlins – auf dem Alexanderplatz –
steht ein architektonischer Koloss in schreiendem Pink mit goldenem
Dach, der jede Dimension zu sprengen scheint: das Einkaufs- und
Freizeitzentrum „Alexa“. „Rosarote Waschmaschine“, „Pharaonen-Grab“
oder „Barbie-Bunker“ sind die Spitznamen, die die Berliner:innen
dafür gefunden haben. Der einstige Bürgermeister Klaus Wowereit
bezeichnete den Bau als hässlich. Und doch: Er erfüllt seinen Zweck,
verführt die Massen zum Kaufrausch: Zehntausende drängten bei der
Eröffnung 2007 in den Konsumtempel, es gab sogar Verletzte. Entworfen
wurde „Alexa“ vom österreichischen Architektur-Duo Manfred und
Laurids Ortner, die etwa mit dem MuseumsQuartier einen der
wichtigsten Kulturmarker Wiens in der jüngeren Architekturgeschichte
setzten. Ihre Berliner Mall polarisiert und hat in Fachkreisen
durchaus auch hartgesottene Fans.

In Hamburg schwebte schon bedrohlich die Abrissbirne über dem
1964 errichteten Parkhaus am Rödingsmarkt mitten in der Stadt. Und
dann die Überraschung: Der gigantische Zweckbau wurde 2023 unter
Denkmalschutz gestellt. Auch dies ein Fazit von Regisseur Ralf
Pleger: Architektonische „Schönheit“ ist nicht das Kriterium, einen
Bau unter Schutz zu stellen, sondern der historische Kontext, auf den
er verweist.