Krebstherapien im körpereigenen Tumormilieu testen

Wien (OTS) – Forscher:innen der Medizinischen Universität Wien haben
im Rahmen des
Comprehensive Cancer Center Vienna von MedUni Wien und AKH Wien ein
neues Labormodell entwickelt, mit dem mögliche Kombinationen aus
Strahlen- und Immuntherapie an Tumor- und Immunzellen einzelner
Patient:innen getestet werden können. Dabei zeigte eine Kombination
aus Strahlentherapie und der Aktivierung des STING-Signalwegs
besonders starke Wirkung. Die Ergebnisse wurden im Journal of
Experimental & Clinical Cancer Research veröffentlicht.

Bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen können sich im Brust-
oder Bauchraum bösartige Flüssigkeitsansammlungen bilden. Diese
enthalten oft Tumorzellen. Das Forschungsteam nutzte solche Proben (
„patient-derived autologous tumor-immune effusion cocultures“, kurz
PATEC), um daraus im Labor Tumorzellen zu gewinnen und gemeinsam mit
Immunzellen derselben Patient:innen zu untersuchen.

So entstand ein patient:innennahes Modell des Tumorumfelds. Es
zeigt nicht nur, wie Tumorzellen allein reagieren, sondern auch, wie
sie mit den körpereigenen Immunzellen zusammenspielen. Das ist
besonders wichtig, weil Immuntherapien genau von diesen
Wechselwirkungen abhängen.

„Mit PATEC können wir Therapiekombinationen nicht nur an
Tumorzellen, sondern im Zusammenspiel mit den körpereigenen
Immunzellen der Patient:innen untersuchen. Das ist entscheidend, denn
gerade Immuntherapien hängen von diesen Interaktionen ab“, erklärt
Rebecca Zirnbauer von der Klinischen Abteilung für Viszeralchirurgie
an der Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie der MedUni Wien und
des AKH Wien.

Zwtl.: STING-Aktivierung verstärkt Wirkung der Strahlentherapie

In der Studie testeten die Forschenden Strahlentherapie,
verschiedene Immunaktivatoren und Immuncheckpoint-Inhibitoren in
unterschiedlichen Kombinationen. Immuncheckpoint-Inhibitoren sind
Medikamente, die „Bremsen“ des Immunsystems lösen sollen, damit
Immunzellen Krebszellen besser angreifen können.

Die stärkste Wirkung zeigte eine Kombination aus Strahlentherapie
und einem sogenannten STING-Agonisten. STING ist ein Signalweg der
angeborenen Immunabwehr. Wird er gezielt aktiviert, kann das
Immunsystem stärker auf Tumorzellen reagieren. In den Labormodellen
führte diese Kombination zur stärksten Abtötung von Tumorzellen.

Die Studie zeigte auch: Der direkte Kontakt zwischen Tumor- und
Immunzellen ist dabei entscheidend. Wurden beide Zelltypen
voneinander getrennt, war die Wirkung deutlich schwächer.

Zwtl.: Schritt in Richtung Präzisionsonkologie

Die Ergebnisse zeigen, dass Proben aus bösartigen
Flüssigkeitsansammlungen nicht nur für die Diagnose, sondern auch für
die Erforschung neuer Therapiekombinationen genutzt werden können.
Das Modell könnte künftig helfen, besser zu verstehen, warum
bestimmte Patient:innen stärker auf eine Therapie ansprechen als
andere.

„Unsere Daten zeigen, dass nicht jede Probe gleich reagiert.
Genau diese Heterogenität ist klinisch relevant. Ein funktionelles Ex
-vivo-System wie PATEC kann helfen, wirksame Kombinationen gezielter
zu untersuchen, bevor sie in größeren klinischen Studien weiter
geprüft werden“, so das Forschungsteam.

Noch ist die Methode ein Forschungsmodell. Bevor daraus konkrete
Therapieentscheidungen für einzelne Patient:innen abgeleitet werden
können, sind weitere Studien mit größeren Patient:innenzahlen und
klinischen Verlaufsdaten notwendig.

Vertreter:innen der beteiligten Forschungsgruppe (bestehend aus
der Klinischen Abteilung für Viszeralchirurgie an der
Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie sowie der
Universitätsklinik für Thoraxchirurgie der MedUni Wien und des AKH
Wien) werden im Rahmen des Programms Klinische Forschungsgruppen
durch das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung
und die Ludwig Boltzmann Gesellschaft gefördert.

Publikation: Journal of Experimental & Clinical Cancer Research
Autologous tumor-immune effusion cocultures enable ex vivo functional
profiling of radiotherapy-immunotherapy combinations.
Zirnbauer R, Ammon D, Mosleh B, Speiser N, Theophil A, Fabits M, Hoda
MAR, Bergmann M, Laengle J.
J Exp Clin Cancer Res. 2026 Apr 14;45(1):129. doi: 10.1186/s13046-026
-03707-5

Comprehensive Cancer Center Vienna
Das Comprehensive Cancer Center (CCC) Wien der MedUni Wien und des
AKH Wien vernetzt alle Berufsgruppen dieser beiden Institutionen, die
Krebspatient:innen behandeln, Krebserkrankungen erforschen und in der
Lehre bzw. der Ausbildung in diesem Bereich aktiv sind.
https://ccc.meduniwien.ac.at/