Kopf-Hals-Tumoren: Moderne Bildgebung liefert Hinweise auf aggressiven Verlauf

Wien (OTS) – Ein Forschungsteam unter Leitung der Medizinischen
Universität Wien
zeigt in einer aktuellen Studie, dass sich biologische Eigenschaften
einer in vielen Fällen sehr aggressiven Untergruppe von Kopf-Hals-
Tumoren in modernen bildgebenden Verfahren widerspiegeln. So können
PET/CT-Aufnahmen Hinweise auf besonders aktive und prognostisch
ungünstige Tumorformen liefern und damit neue Perspektiven für
personalisierte Behandlungsstrategien einer bislang schwer
therapierbaren Krebsart eröffnen. Die Ergebnisse wurden im
Fachjournal Molecular Cancer veröffentlicht.

Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinome zählen zu den häufigsten
Tumorerkrankungen im Bereich von Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf. Im
Mittelpunkt der Studie stand eine Gruppe von Kopf-Hals-Tumoren, die
nicht durch das humane Papillomavirus (HPV), sondern durch
übermäßigen Alkohol- und Tabakkonsum verursacht werden. Diese gelten
als besonders schwer behandelbar und haben oft eine schlechte
Prognose. Gleichzeitig fehlen bisher zuverlässige Marker, die eine
genauere Einschätzung des Krankheitsverlaufs und eine gezielte
Therapieplanung ermöglichen würden. Die Studie des Forschungsteams um
Stefan Stoiber (Zentrum für Pathophysiologie, Intektiologie und
Immunologie, MedUni Wien) und Lukas Kenner (Klinisches Institut für
Pathologie, MedUni Wien) zeigt, dass moderne bildgebende Verfahren
dabei helfen können, besonders aggressive Formen von Kopf-Hals-Krebs
frühzeitig zu erkennen. Bestimmte Muster in der bei der
Krebsdiagnostik routinemäßig erstellten Positronen-Emissions-
Tomographie/Computertomographie (PET/CT)-Aufnahmen spiegeln dabei die
biologische Aktivität des Tumors wider und könnten künftig eine
gezieltere Behandlung ermöglichen.

Bestimmter Signalweg in Tumoren besonders aktiv
Wie die retrospektive Analyse von Patient:innendaten zeigt, ist bei
HPV-negativen Kopf-Hals-Tumoren häufig ein bestimmter Signalweg (
„Hedgehog“-Signalweg) in den Krebszellen besonders aktiv, der das
Tumorwachstum antreibt. Diese Aktivität lässt sich indirekt in PET/CT
-Bildern erkennen, etwa durch eine besonders starke Aufnahme eines
radioaktiven Zuckermoleküls ([¹⁸F]FDG), das den Stoffwechsel des
Tumors sichtbar macht. „Wir konnten zeigen, dass man auf den Bildern
ausmachen kann, wie aggressiv ein Tumor biologisch ist“, erklärt
Studienleiter Lukas Kenner. „Das bedeutet, dass die Bildgebung mehr
Informationen liefern kann als nur Größe und Lage des Tumors oder
etwa ob es Metastasen gibt.“

In weiteren Experimenten testete das Forschungsteam, was passiert,
wenn der identifizierte wachstumsfördernde Signalweg gezielt
blockiert wird. In Zellkulturen und Tiermodellen verlangsamte sich
dadurch das Tumorwachstum deutlich. Gleichzeitig veränderten sich
auch die Bildsignale in den PET/CT-Aufnahmen. „Das ist besonders
spannend, weil wir damit nicht nur den Tumor beeinflussen, sondern
auch allein anhand der modernen Bildgebung sehen können, ob eine
Behandlung wirkt“, erklärt Studien-Erstautor Stefan Stoiber.

Die Ergebnisse legen nahe, dass PET/CT-Untersuchungen künftig
helfen könnten, den Verlauf von Tumoren besser einzuschätzen und
Therapien individuell anzupassen. „Bevor dieser Ansatz in der
klinischen Routine eingesetzt werden kann, sind weitere Studien
notwendig. Die Arbeit stellt jedoch einen weiteren wichtigen Schritt
in Richtung personalisierte Krebstherapie dar“, so Lukas Kenner.

Publikation: Molecular Cancer
[¹⁸F]FDG PET/CT multiomics identifies Hedgehog-driven HPV-negative
head and neck squamous cell carcinoma
Stefan Stoiber et.al, Alexander R. Haug and Lukas Kenner.
DOI: 10.1186/s12943-026-02607-8
https://link.springer.com/article/10.1186/s12943-026-02607-8