Klimawandel verschärft Krise in Syrien: Schwere Dürre bedroht Lebensgrundlagen von Millionen Menschen

Wien (OTS) – „Wir beten um Regen. Und wenn er kommt, gehen wir raus
und feiern
ihn. Alles hängt vom Regen ab.“ Mit diesen Worten beschreibt Ahmed,
40, seinen Alltag in Syrien. Er ist Erntehelfer im Gouvernement al-
Hasaka im Nordosten. Die Region gilt als Kornkammer des Landes: Rund
drei Viertel des syrischen Weizens werden hier angebaut. Doch der
lebenswichtige Regen bleibt immer häufiger aus.

Die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten trifft ein Land, das
ohnehin unter den Folgen des Krieges, der 14 Jahre andauerte, leidet:
16,5 Millionen Menschen in Syrien benötigen humanitäre Hilfe. Viele
Familien leben immer noch als Vertriebene in Camps. Diejenigen, die
in ihre zerstörten Dörfer zurückkehren, sind mit einem langwierigen
Wiederaufbau konfrontiert. Die Wirtschaft liegt brach und Armut ist
weit verbreitet. Landwirtschaftliche Flächen sind durch Landminen und
Trümmer kontaminiert. Und mit jedem Jahr ohne ausreichend Regen
verschärft sich die Ernährungsunsicherheit und die Wasserversorgung
weiter. CARE leistet gemeinsam mit den Partnern IYD und Shafak sowie
mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union vor Ort
Nothilfe.

„Die letzte Saison war sehr schlecht“

„Wir hatten nur etwa ein Drittel der üblichen Regenmenge. Die
Pflanzen sind verdorrt oder fast verkümmert. Es gab nicht viel zu
ernten“, berichtet Ahmed. „Saison für Saison wird es schlimmer.“ In
einer schlechten Erntesaison reicht sein Einkommen kaum aus, um die
täglichen Ausgaben der Familie zu decken. An den meisten Tagen gibt
es Brot. Fleisch ist zu teuer geworden. Obst gibt es höchstens einmal
pro Woche.

Neben der Ernährungssicherheit bedroht die Dürre auch die
Wasserversorgung. Bereits jetzt haben über zehn Millionen Syrer:innen
keinen gesicherten Zugang zu sauberem Wasser. Auch auf die
Wasserstation, die Ahmeds Dorf und vier weitere umliegende Gemeinden
versorgt, war früher kaum Verlass, da sie auf öffentlichen Strom und
Dieselgeneratoren angewiesen war. Wenn es Strom gab, dann oft nur
eine Stunde am Tag. Der Treibstoff, um die Generatoren am Laufen zu
halten, ist zu teuer.

Mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union setzte CARE
die Wasserstation instand und installierte Solarpanele. Seither
wechseln sich die Dörfer ab: Jedes von ihnen erhält alle fünf Tage
für sieben bis acht Stunden fließendes Wasser. „Der Unterschied ist
enorm. Wir haben viel Geld für Treibstoff ausgegeben und der Ertrag
war minimal. Jetzt sparen wir Geld und haben viel mehr Wasser.“ Das
gesparte Geld verwendet Ahmed nun für den Lebensmitteleinkauf.

Ein Minimum zum Überleben

Im Nordwesten Syriens kämpft Yasmin, 41, mit ähnlichen
Herausforderungen. Sie ist Mutter von sechs Kindern und sorgt mit
ihren zwei ältesten Söhnen als Erntehelferin für den Lebensunterhalt
der Familie. Doch die steigenden Preise machen das immer schwerer.
Neben Lebensmitteln sind „besonders Wasser und Strom im letzten Jahr
viel teurer geworden“, sagt Yasmin. „Wir brauchen ungefähr 1,5 US-
Dollar am Tag, um Brot für alle zu kaufen. Das ist das Minimum zum
Überleben.“ Wegen der Dürre gab es weniger Arbeit auf den Feldern.
Mehrfach musste Yasmin Geld leihen, um Brot kaufen zu können.

CARE unterstützt Yasmin mit Bargeldhilfe, finanziert durch die
Europäische Union. „Es reicht nicht aus, um all unsere Bedürfnisse zu
decken, vor allem wenn ich meine Kinder zur Schule schicken will.
Aber es hilft uns zu überleben“, sagt sie. Die erste Zahlung nutzte
Yasmin, um Schulden für Lebensmittel zu begleichen. Mit der zweiten
beglich sie die Schulden für die wöchentliche Wasserlieferung.

So hilft CARE: Seit 2013 arbeitet CARE gemeinsam mit
Partnerorganisationen in Syrien – seit zehn Jahren mit finanzieller
Unterstützung der Europäischen Union . Im Norden Syriens sichert CARE
den Zugang zu sauberem Wasser und Sanitärversorgung, etwa durch den
Bau und die Sanierung von Brunnen, Toiletten und Handwaschstationen
sowie Abwassermanagement. Berufsausbildungen, Mentoring-Programme und
Startkapital helfen Frauen und Männern, eigene Einkommensquellen
aufzubauen. Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen oder bedroht
sind, erhalten zudem Schutz durch mobile Gesundheitsdienste,
psychosoziale Beratung sowie finanzielle Unterstützung. Ergänzend
richten sich Aufklärungskampagnen an Männer und Buben, um Gewalt
vorzubeugen.

Insgesamt profitieren von dem Projekt mehr als 580.000 Menschen,
die Mehrheit davon sind Frauen.