Wien (OTS) – Anlässlich des 1. Mai weist die Industriellenvereinigung
(IV) auf
eine zentrale Herausforderung für den Standort hin: Trotz eines
deutlichen Anstiegs der Beschäftigung stagniert das Arbeitsvolumen
seit Jahren. Laut Statistik Austria sind seit 2005 rund 750.000
zusätzliche Erwerbstätige am Arbeitsmarkt (+20 Prozent), die
tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden sind jedoch nur um 2,1 Prozent
gestiegen. Angesichts eines erwarteten Rückgangs der Erwerbspersonen
um rund 120.000 bis 2050 ist diese Entwicklung nicht tragfähig.
„Wenn trotz deutlich mehr Beschäftigten das Arbeitsvolumen kaum
wächst, ist das ein klares Warnsignal. Mehr Arbeitsvolumen finanziert
unseren Wohlstand – ohne zusätzliche Leistung wird sich unser
Lebensstandard nicht halten lassen“, betont IV-Generalsekretär
Christoph Neumayer. „Wir laufen Gefahr, uns an steigende
Beschäftigtenzahlen zu gewöhnen, während die tatsächliche Leistung
stagniert. Das geht auf Dauer nicht gut.“
Die demografische Entwicklung verschärft die Situation
zusätzlich: Die Bevölkerung wächst, gleichzeitig steigt die Zahl der
über 65-Jährigen bis 2050 um rund 36 Prozent, während die
Erwerbsbevölkerung zurückgeht. Damit müssen immer weniger
Erwerbstätige für immer mehr Menschen aufkommen – der Druck auf
Arbeitsmarkt und Sozialsysteme steigt spürbar. „Gerade jetzt braucht
es gezielte Maßnahmen: Stärkere Anreize für mehr Arbeit und bessere
Rahmenbedingungen – etwa den Ausbau der Kindebetreuung – für
Vollzeitbeschäftigung“, so Neumayer. „Auch das Steuersystem muss so
gestaltet werden, dass sich zusätzliche Arbeit wirklich auszahlt.“
Insbesondere die stark ausgeprägte Progression in der
Einkommenssteuer hält viele Menschen davon ab, mehr zu arbeiten und
mehr zu leisten.
Neben dem Arbeitsmarkt sieht die IV insbesondere Reformbedarf im
Pensionssystem. Bereits heute gehen 82 Prozent der Neupensionistinnen
und -pensionisten in Alterspension, weil sie die Voraussetzungen
erfüllen – nicht aus gesundheitlichen Gründen.
„Das zeigt klar: Ausschlaggebend sind die gesetzlichen
Rahmenbedingungen, nicht die individuelle Situation. Wenn wir wollen,
dass Menschen länger arbeiten, müssen wir diese Regeln anpassen“, so
Neumayer. „Eine schrittweise Anhebung des gesetzlichen
Pensionsantrittsalters und Einschränkungen bei Frühpensionen sind
unvermeidbar. Ein nachhaltiges System funktioniert nur, wenn wir die
steigende Lebenserwartung auch im Erwerbsleben abbilden.“
Kritisch sieht die IV zudem widersprüchliche Anreize: Wenn
Unternehmen ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer länger
beschäftigen sollen, gleichzeitig aber zusätzliche Belastungen wie
etwa im Zusammenhang mit dem FLAF entstehen, ist das nicht schlüssig.
„Wer längeres Arbeiten will, darf es nicht gleichzeitig
verteuern. Wir brauchen konsistente Rahmenbedingungen statt
zusätzlicher Belastungen“, so Neumayer. „Wohlstand fällt nicht vom
Himmel – er muss erarbeitet werden. Wenn wir ihn sichern wollen,
müssen wir das Arbeitsvolumen erhöhen und die richtigen
Rahmenbedingungen dafür schaffen“, so Neumayer abschließend.





