Österreich (OTS) – Wenn mit dem Herbst die Weidetiere von den Almen
zurückkehren,
pausiert eine wichtige Form der Landschaftspflege in den Bergen. Aber
auch in den Tälern profitieren zahlreiche Trocken- und Magerrasen,
Hutweiden und andere artenreiche Grünlandlebensräume von extensiver
Beweidung. Heute drohen diese artenreichen Lebensräume entweder
Nutzungsintensivierung oder Nutzungsaufgabe zum Opfer zu fallen:
Düngung und häufige Mahd schaden der Artenvielfalt ebenso wie
Verbuschung bei ausbleibender Bewirtschaftung. Der Naturschutzbund
fordert anlässlich des Internationalen Jahres der Weidelandschaften
und des Hirtentums eine stärkere und langfristige Unterstützung für
extensive, naturnahe Beweidung, um diese wertvollen Lebensräume zu
erhalten.
Die Vereinten Nationen haben 2026 zum Jahr der Weidelandschaften
und des Hirtentums erklärt. Damit soll sichtbar werden, welchen
Beitrag Weidelandschaften und die Menschen, die sie bewirtschaften,
zu Ernährungssicherheit, Biodiversität, nachhaltiger Landnutzung und
Klimaanpassung leisten. Rund die Hälfte der weltweiten Landfläche
zählt zu den Weidelandschaften.
Zwtl.: Gute Weidewirtschaft ist gelebter Naturschutz
“ Gerade angesichts des dramatischen Artenverlusts und der
Klimakrise muss naturnahe Beweidung als wirksames Werkzeug für den
Natur- und Klimaschutz umfassend gestärkt werden “, sagt Gernot
Neuwirth, Geschäftsführer Naturschutzbund Österreich. „ Extensive
Weidewirtschaft hält Lebensräume offen, schützt Böden und macht die
Landschaft widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit. Voraussetzung
ist jedoch eine standortangepasste und gut gelenkte Beweidung –
nicht, möglichst viele Tiere auf einer Fläche zu halten. “
Wie das funktionieren kann, zeigen Projekte des
Naturschutzbundes: In Oberösterreich wird mit Steinschafen eine bunte
Magerwiese erhalten, in Kärnten verwandeln Schottische Hochlandrinder
eine vernässte ehemalige Ackerfläche wieder in eine artenreiche
Feuchtwiese.
Zwtl.: Naturnahe Beweidung fair honorieren
Extensive Beweidung ist oft arbeitsintensiver und weniger
produktiv als intensive Nutzung. Zäune, Wasserversorgung,
Weidemanagement und gegebenenfalls Hirtenpersonal verursachen
zusätzliche Kosten. Demgegenüber stehen vielfache Vorteile für unsere
Gesellschaft, wie Schutz der Artenvielfalt und des Klimas sowie
Stärkung der kleinstrukturierten regionalen Landwirtschaft – diese
Leistung muss systemisch gefördert werden, und darf nicht länger vom
Engagement einzelner Betriebe und Naturschutzorganisationen abhängen.
Der Naturschutzbund fordert daher im Zuge der Umsetzung der EU-
Wiederherstellungsverordnung einen klaren Paradigmenwechsel in den
Agrar- und Umweltprogrammen. Diese müssen sich künftig stärker an
ökologischen Zielen und messbaren Leistungen für Biodiversität,
Boden, Wasser und Klima orientieren. Naturschutzleistungen der
Landwirtschaft müssen prioritär, ausreichend und dauerhaft honoriert
werden. Nur wenn sich ökologische Bewirtschaftung auch wirtschaftlich
lohnt, kann es gelingen, artenreiche Lebensräume langfristig zu
sichern, wiederherzustellen und gleichzeitig die Zukunft einer
vielfältigen Landwirtschaft zu stärken.