Wien (OTS) – Mit einer überdurchschnittlichen Lebenserwartung bei
ebenso
überdurchschnittlichen Ausgaben erntet das österreichische Sozial-
und Gesundheitssystem hierzulande nicht nur Lorbeeren. Am 21. April
stellten sich wichtige Akteur:innen der gesundheitspolitischen
Landschaft Österreichs im Rahmen des Gesundheitspolitischen Forums
„Health Profile Austria“ daher der Frage „wo steht Österreich
wirklich?“. Auf Einladung der Karl Landsteiner Gesellschaft wurde
dabei vor vollem Haus über die Stärken und Schwächen des
österreichischen Gesundheitssystems, dessen Zugänglichkeit sowie
notwendige Maßnahmen im Kleinen, als auch im großen Kontext
debattiert.
Im Festsaal des Bundesamtsgebäudes rückte das neuausgerichtete
Gesundheitspolitische Forum (GPF) vergangenen Dienstag eine zentrale
Debatte in den Mittelpunkt: Wo muss man im österreichischen
Gesundheitssystem genau hinsehen? Wie sind die europäischen Daten im
österreichischen Kontext wirklich zu interpretieren? Auch in dieser
Ausgabe bot das GPF eine Plattform für eine faktenbasierte,
multidisziplinäre und lösungsorientierte Auseinandersetzung mit den
zentralen Fragen des Gesundheits- und Sozialsystems. Vertreter:innen
von Bundes- und Landesregierung, Sozialversicherung und Ärzteschaft
sowie Experten der OECD* und Gesundheit Österreich GmbH lieferten
unter engagierter Beteiligung des Publikums eine ehrliche, durchwegs
hitzige aber respektvolle und konstruktive Debatte.
Zwtl.: Oft überdurchschnittlich – nicht immer positiv
Nach einer Begrüßung durch die Gastgeberin Staatssekretärin
Ulrike Königsberger-Ludwig legte die erste Keynote den
evidenzbasierten Rahmen: Michael Müller, Health Policy Analyst der
OECD*, lieferte mit seiner Vorstellung des Länderberichts „Austria:
Country Health Profile 2025“ Zahlen und Fakten und stellte Österreich
in den Vergleich mit anderen europäischen Ländern. Der von der EU-
Kommission beauftragte, alle zwei Jahre erscheinende Bericht für
jedes EU-Mitgliedsland, vergleicht in einem Leistungscheck die
Gesundheitssysteme der Mitgliedsstaaten. In der Lebenserwartung, der
Ärzte- und Pflegedichte sowie der Zugänglichkeit des Systems liegt
das Land beispielsweise über dem EU-Schnitt. „Nicht ganz so gut“
steht Österreich jedoch im Umgang mit gesundheitlichen,
gesellschaftsbezogenen Risikofaktoren da. „ Überdurchschnittlich hoch
sind Tabakkonsum, Alkoholkonsum sowie der Anteil an Übergewichtigen –
und zwar sowohl bei Erwachsenen als auch bei Jugendlichen. Rund ein
Viertel der jährlichen Todesfälle sind mit diesen verhaltensbedingten
Risiken verbunden “, so der Health Policy Analyst Müller. Auch die
hierzulande starke Fokussierung auf den Krankenhaussektor war am
Beispiel der hohen Zahl an Knie- und Hüftgelenkersatzoperationen (50-
bzw. 40% größere Zahlen als der EU-Schnitt) Thema des Vortrags.
An diese Einordnung knüpfte Herwig Ostermann, Geschäftsführer der
Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) mit einer Reflexion des Reports an
und hob mit den vermeidbaren Todesursachen und der hohen Zahl an
Eingriffen Steuerungsbedarf der Akteur:innen hervor: „ Hierfür
brauchen wir Regulierung in Anbetracht einer sektorenübergreifenden
Nutzerorientierung im System – auch zwischen dem privaten und
öffentlichen Bereich. “
Zwtl.: Reformen mit gemeinsamer Kraft
Dass die in den Vorträgen dargestellten Aufgaben keine Indikation
für Einzelgänge sein sollen, strich die Staatssekretärin im
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und
Konsumentenschutz Ulrike Königsberger-Ludwig hervor, denn „ unser
gemeinsames Ziel ist es, das Gesundheitssystem konsequent im Sinne
der Patientinnen und Patienten weiterzuentwickeln “. Außerdem verwies
sie auf die fortwährende Pflicht der Entscheidungsträger:innen: „
Politik darf nicht nur bis zur nächsten Wahl denken – wir tragen die
Verantwortung, unser Solidarsystem langfristig zu sichern. “
Zwtl.: Bürokratieabbau als Schlüssel der Versorgungssicherung
Ebendiesem solidarischen Gesundheitssystem verschrieb sich auch
Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in
Wien sowie der Österreichischen Ärztekammer: „ Ich bin ein
überzeugter Anhänger der solidarischen Finanzierung. Unser Ziel muss
es sein, den Wert dieses Systems langfristig zu erhalten. “ Um dem
Berufsstand zu ermöglichen, die Patient:innen dabei in den
Mittelpunkt stellen zu können, müsse jedoch der Verwaltungsaufwand
reduziert werden. „ Wir müssen Ärztinnen und Ärzte von Bürokratie
entlasten, denn wenn diese überhandnimmt, leidet die Versorgung “
führte Steinhart aus.
Zwtl.: Prävention als Entlastung: von Kindheit an
„ Gesundheitsförderung beginnt im Kindesalter: Bewegung und
gesunde Ernährung gehören in Kindergärten und Schulen – sie sind die
Basis für Konzentration, Leistungsfähigkeit und ein gutes
Miteinander. Wir als Bund und Länder müssen diese Programme
unterstützen “, betonte Cornelia Hagele, Landesrätin in Tirol für
Gesundheit, die wichtige Rolle der öffentlichen Hand in Bezug auf die
präsentierten Statistiken zum österreichischen Umgang mit
vermeidbaren Risikofaktoren als Teil des Lebensstils. Denn „ bewegte
Kinder werden zu bewegten Erwachsenen “ betonte Hagele weiter. Sie
sprach auch den Stellenwert von Prävention im Bereich der
Mundgesundheit an: „ In der Zahngesundheit machen flächendeckende
Vorsorgeprogramme und mobile Angebote den Unterschied. Es geht nicht
nur um Kariesprävention – wir wollen Gesundheitskompetenz vom ersten
Milchzahn an fördern. “
Zwtl.: Hohe Inanspruchnahme eines leistungsstarken Systems
Der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Österreichischen
Gesundheitskasse, Peter McDonald, plädierte für ein Umdenken bei der
Eigenverantwortung: „ Wer aktiv in seine Gesundheit investiert, soll
dafür eine Anerkennung erhalten. Nach dem Leitsatz: nicht nur
Betroffener, sondern Beteiligter. “ Wichtig war McDonald auch, „ dass
wir uns nicht alles schlecht reden. Menschen, die in Österreich leben
und medizinische Unterstützung benötigen, haben dazu auch Zugang “
unterstrich er die Zugänglichkeit des Systems. „ Gleichzeitig sehen
wir auch eine enorme Inanspruchnahme mit sehr vielen Arztkontakten
pro Kopf. Da müssen wir uns schon fragen, wie eine vernünftige
Patientenlenkung aussieht “ gab McDonald zu bedenken.
Zwtl.: Gesundheitssystem als gesellschaftliche Zukunftsfrage
„ Die Beiträge aus dem Publikum und der nachfolgende Austausch
mit dem Podium hat erneut gezeigt, wie wichtig das
Gesundheitspolitische Forum als Plattform für Debatten zu
Grundsatzfragen wie auch tagesaktuelle Herausforderungen für unser
Gesundheitssystem ist. “ unterstrich Jan Oliver Huber, Leiter des
Gesundheitspolitischen Forums der Karl Landsteiner Gesellschaft, die
Bedeutung des neu ausgerichteten Forums. Es braucht klare und große
Weichenstellungen für die Zukunft, um verlässliche Rahmenbedingungen
für die nächste Generation zu schaffen.
Das GPF versteht sich dabei als Ort des Austauschs und als
Impulsgeber für die nachhaltige Weiterentwicklung des
österreichischen Gesundheits- und Sozialsystems.
Zwtl.: Das Gesundheitspolitische Forum:
Das Gesundheitspolitische Forum ist ein wissenschaftsbasiertes,
unabhängiges Diskussionsformat mit langer Tradition – seit 2008
wurden rund 150 Veranstaltungen umgesetzt. Ziel ist es, kontroverse
Positionen sichtbar zu machen, Brücken zwischen Sektoren zu bauen und
den Transfer innovativer Ideen in das Gesundheits- und Sozialwesen
unter Berücksichtigung der Realitäten zu ermöglichen. Das
Gesundheitspolitische Forum ist eine Veranstaltung der Karl
Landsteiner Gesellschaft in Kooperation mit FINE FACTS Health
Communication. Die Partner des Gesundheitspolitischen Forums sind:
Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und
Konsumentenschutz, die Gesundheit Österreich GmbH, die
Österreichische Gesundheitskasse, die Kammer für Ärztinnen und Ärzte
in Wien und der Österreichische Apothekerverband.
Mehr Informationen zum Gesundheitspolitischen Forum
OECD-Publikation „Austria: Country Health Profile 2025
*Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
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