Greenpeace: SHEIN – Urteil als Weckruf für die EU

Wien/Paris (OTS) – Ein französisches Gericht hat heute entschieden,
die beantragte
dreimonatige Sperre der Online-Plattform SHEIN nicht zu verhängen.
Hintergrund des Verfahrens waren unter anderem der Verkauf illegaler
Produkte – darunter Kinder-Sexpuppen und Waffen – sowie
schwerwiegende Mängel bei Kontrolle und Haftungsfragen. Unabhängig
vom Urteil sieht Greenpeace massiven Handlungsbedarf im Umgang mit
internationalen Online-Plattformen.

Der Vorgang ist europaweit bislang einzigartig und zeigt, wie
schwierig es für nationale Behörden ist, große Online-Marktplätze
wirksam zur Verantwortung zu ziehen. Der Fall macht deutlich: Die
bestehenden Regeln reichen nicht aus, um Konsument:innen wirksam zu
schützen.

Madeleine Drescher, Konsumexpertin bei Greenpeace Österreich:
„Der Fall SHEIN zeigt, wohin es führt, wenn sich Online-Plattformen
ihrer Verantwortung entziehen: Gefährliche, teils illegale Produkte
gelangen unkontrolliert nach Europa und am Ende tragen Konsumentinnen
und Konsumenten das Risiko. Frankreich macht sichtbar, was europaweit
schiefläuft: Es fehlt an klarer Haftung und an wirksamen Sanktionen.”

SHEIN steht seit Jahren wegen Täuschung, mangelhafter
Produktkontrollen und Umgehung europäischer Regeln in der Kritik.
Auch Greenpeace-Tests belegen das Ausmaß des Problems: Bei
Untersuchungen von SHEIN-Kleidung wurden mehrfach verbotene PFAS-
Chemikalien nachgewiesen, zum Teil in extremen Konzentrationen. Diese
sogenannten „Ewigkeitsgifte“ stehen im Verdacht, das Immunsystem zu
schädigen, Hormone zu stören und Krebs zu verursachen. Solche
Produkte dürfen in der EU nicht verkauft werden.

Der Ausgang des Verfahrens in Frankreich verdeutlicht aus Sicht
von Greenpeace ein strukturelles Vollzugsproblem: Nationale Behörden
geraten unter Druck, weil europäische Regeln nicht konsequent
durchgesetzt werden können.

„Es kann nicht sein, dass einzelne Länder alleine gegen
internationale Online-Riesen kämpfen müssen, weil diese Plattformen
EU-Recht systematisch umgehen. Was wir brauchen, sind europaweit
einheitliche, durchsetzbare Regeln und klare Verantwortlichkeiten für
Online-Marktplätze” , betont Konsumexpertin Madeleine Drescher.

Bisher gelten Konsument:innen beim Onlinehandel sogar oft als
Importeur:innen und müssen im Zweifelsfall für gefährliche Produkte
haften. Das französische Urteil macht deutlich, wie dringend diese
Lücke im europäischen Recht geschlossen werden muss. Greenpeace
fordert, die Verantwortung endlich dort zu verankern, wo sie
hingehört – bei den Online-Plattformen.

Den SHEIN-Greenpeace-Test finden sie hier:
https://act.gp/PFASTest-SHEIN