Wien (OTS) – Als deutliches Warnsignal für den Zustand des heimischen
Gesundheitswesens wertete heute der freiheitliche Gesundheitssprecher
und Vorsitzende des parlamentarischen Gesundheitsausschusses, NAbg.
Mag. Gerhard Kaniak, die Ergebnisse einer aktuellen Studie des
Instituts für Höhere Studien (IHS). Demnach verkürze sich die
Wartezeit auf Operationen in öffentlichen Spitälern von
durchschnittlich 20 Wochen auf bis zu 7,5 Wochen, wenn Patienten
zuvor privat in Wahlarztordinationen bezahlten oder private
Zuzahlungen von bis zu 8.600 Euro leisteten.

„Während SPÖ-Gesundheitsministerin Schumann die Lage regelmäßig
beschönigt, belegt diese Studie schwarz auf weiß eine bedenkliche
Schieflage: Das eigentliche Grundübel ist unser völlig
reformunwilliges Gesundheitssystem, das den Menschen unzumutbare
Geduldsproben abverlangt. Noch immer wird eher beim Personal und bei
den Leistungen gespart, nicht aber in der Verwaltung und bei den
Strukturen. Gäbe es diese monatelangen Wartezeiten im öffentlichen
Bereich trotz nicht ausgelasteter Operationssäle gar nicht erst,
würde auch niemand auf die Idee kommen, sich über Privatordinationen
einen schnelleren OP-Termin zu sichern – und wir hätten heute keine
Debatte über eine Zwei-Klassen-Medizin! Dass Bürger, die ihr Leben
lang pflichtbewusst ihre Beiträge einzahlen, im öffentlichen Spital
auf der Warteliste nach hinten rutschen, ist gegenüber den
Versicherten schlichtweg unfair. Nur wer im ‚System Österreich‘
entweder mit Geld in der Privatordination oder mit guten Beziehungen
mitspielen kann, wird im derzeitigen Gesundheitssystem richtig
versorgt“, kritisierte Kaniak.

Den in Medienberichten diskutierten Vorschlag eines
Nebenbeschäftigungsverbots für Spitalsärzte lehnte der freiheitliche
Gesundheitssprecher jedoch klar ab. Ein solches Verbot würde
lediglich dazu führen, dass Mediziner den öffentlichen Sektor
gänzlich verlassen, wodurch sich die Wartezeiten für die Patienten
noch weiter verlängern würden. „Mit neuen Verboten und Zwang gegen
die Ärzteschaft vorzugehen, ist der völlig falsche Weg. Damit
bekämpft man lediglich die Symptome, ignoriert aber die strukturellen
Probleme im Hintergrund! Wenn man den Spitalsärzten ein
Nebenbeschäftigungsverbot auferlegt, drängt man genau jene dringend
benötigten Fachkräfte vollends in den Privatsektor, die den Betrieb
in unseren Kliniken derzeit unter schwierigsten Bedingungen
aufrechterhalten. Das würde die Versorgungslage nicht verbessern,
sondern die Engpässe in den OP-Sälen noch weiter verschärfen“, gab
Kaniak zu bedenken.

Abschließend forderte Kaniak von der schwarz-rot-pinken
Bundesregierung rasche strukturelle Maßnahmen und einen generellen
Systemwechsel, um das Gesundheitssystem endlich ins 21. Jahrhundert
zu führen und die Arbeitsbedingungen in den öffentlichen
Krankenhäusern spürbar zu verbessern: „Nicht die Ärzte oder die
Schmerzpatienten tragen die Schuld an dieser Situation, sondern ein
überholtes System, der hausgemachte Personalmangel und die fehlenden
Kapazitäten in den Spitälern. Wir brauchen keine Verbotsdebatten,
sondern eine echte Strukturreform mit einer Finanzierung aus einer
Hand, ausreichend besetzten Planstellen für Ärzte und Pflegekräfte,
einer leistungsgerechten Entlohnung, einer Ausbildungsoffensive für
Mangelfächer sowie modernen, flexiblen Arbeitszeitmodellen. Nur so
können wir allen Österreichern wieder jene zeitnahe medizinische
Versorgung garantieren, die ihnen auch zusteht!“, stellte Kaniak
klar.