Flexiblere Arbeitsbeginnzeiten für unterschiedliche Chronotypen

Wien (OTS) – Frühtyp, Normaltyp oder Spättyp: Unsere Schlaf- und
Aktivzeiten sind
genetisch geprägt. Arbeits- und Schulzeiten sollten das stärker
berücksichtigen – für mehr Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit.

Es geht um die Tageszeiten, an denen wir am besten schlafen bzw.
am aktivsten sind. Diese Zeiten können sich individuell stark
unterscheiden. Was kaum jemand weiß: Das ist eine genetische Prägung
und somit auch kaum veränderbar. Danach richtet sich die Bezeichnung
unseres Chronotyps (Zeittyps).

– Chronotypen: Frühtypen stehen auch am Wochenende um 6 Uhr auf und
gehen gern früh schlafen. Normaltypen gehen gegen Mitternacht zu Bett
und wachen ohne Wecker etwa um 8 Uhr auf. Spättypen schlafen nach
ihrem inneren Rhythmus bis 10 Uhr oder länger und sind bis in die
Nacht aktiv.

– Sozialer Jetlag: Unsere üblichen Arbeitszeiten bevorzugen
Frühtypen, die aber weniger als 10 % der Menschen ausmachen. Bei
Normaltypen und mehr noch bei Spättypen führen frühe Arbeitszeiten
häufig zu verkürztem Schlaf und Müdigkeit am Tag.

– Flexiblere Beginnzeiten: Flexiblere Arbeitszeiten sowie spätere
Schulbeginnzeiten können dazu beitragen, Schlaf, Wohlbefinden und
Leistungsfähigkeit zu verbessern und unterschiedliche Chronotypen
besser zu berücksichtigen.

Zwtl.: Wenn die Arbeitszeit nicht zum Chronotyp passt

Unsere üblichen Arbeitszeiten bevorzugen Frühtypen, welche aber
weniger als 10 % der Menschen ausmachen. Schon bei Normaltypen – gut
50 % – und mehr noch bei Spättypen (bis zu 40 %) führen frühe
Arbeitszeiten zu verkürztem Schlaf und Müdigkeit am Tag. Das Phänomen
wird als „sozialer Jetlag“ bezeichnet, angelehnt an
Beeinträchtigungen, die durch längere Flugreisen entstehen. Der
soziale Jetlag reduziert Konzentration, Motivation und Leistung,
erhöht die Unfallgefahr und fördert Nikotin- und Alkoholkonsum. Damit
beeinträchtigt er auch die Gesundheit und Lebensqualität.

Zwtl.: Für Jugendliche beginnt die Schule oft zu früh

Analog zu den Arbeitszeiten sind auch Schulzeiten für viele
Kinder zu früh angesetzt. Gerade im jugendlichen Alter verschiebt
sich die Schlafenszeit noch um ein bis zwei Stunden nach hinten.
Späte Chronotypen müssen dann „mitten in der Nacht“ für die Schule
aufstehen und sind entsprechend müde. Wissenschaftliche Studien
zeigen, dass bei späterem Schulbeginn die Leistungen deutlich
steigen. Schon eine Stunde späterer Beginn führt zu messbaren
Verbesserungen. Dass es auch anders geht, zeigen spätere Beginnzeiten
in anderen europäischen Ländern.

Zwtl.: Arbeitszeiten stärker an der inneren Uhr ausrichten

Wir können die Stärken unterschiedlicher Chronotypen bewusst
nutzen. Flexiblere individuelle Arbeitszeiten, zum Beispiel durch
mehr und bessere Möglichkeiten für Gleitzeit und Homeoffice, machen
Arbeitende ausgeschlafener, zufriedener und leistungsfähiger. Auch
die Arbeitsorganisation könnte insofern angepasst werden, dass
notwendige Besprechungen, welche die Anwesenheit möglichst aller
Beschäftigten erfordern, in den Mittagsstunden angesetzt werden.
Damit entsteht mehr Flexibilität in den Randzeiten, um den
individuellen Bedürfnissen nach Schlaf, Erholung bzw. auch
Kinderbetreuung entgegenzukommen. Auch für Schichtbetriebe gibt es
Möglichkeiten, die Chronotypen der Arbeitenden in die Schichtplanung
einzubeziehen.

Zwtl.: Späterer Schulbeginn für mehr Wohlbefinden und Leistung

Spätere Schulbeginnzeiten sind für unsere Kinder dringend
notwendig. Die Umsetzung erfordert die Flexibilisierung der
Arbeitszeiten der Eltern bzw. einen Ausbau der
Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Es sind gestaffelte Beginnzeiten in
unterschiedlichen Klassen denkbar, die sich nach den Chronotypen der
Kinder richten. Für solche „Lerchen- und Eulen-Klassen“ gibt es schon
Pilotprojekte. Ein höheres Wohlbefinden unserer Kinder und
verbesserte Schulleistungen wären das erfreuliche Ergebnis.

Dr. Helmut Stadlbauer
Arbeitsmediziner
IBG Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement
[email protected]

IBG Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement GmbH ,
gegründet 1995, ist mit über 200 Mitarbeiter:innen, davon rund 80
Arbeitsmediziner:innen, Österreichs größte Unternehmensberatung im
Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. IBG ist in ganz
Österreich vertreten.

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