Demografischer Wandel verändert Familienplanung nachhaltig

Wien (OTS) – Die aktuellen Daten zeigen deutlich, wie stark sich der
demografische
Wandel auf den Kinderwunsch und die Reproduktionsmedizin auswirkt.
Immer mehr Frauen entscheiden sich erst später im Leben für ein Kind,
das zu weitreichenden gesellschaftlichen und medizinischen Folgen
führt.

„Wir beobachten seit Jahren einen deutlichen Anstieg des Alters
unserer Patientinnen. Viele Frauen kommen heute erst Ende 30 oder
Anfang 40 erstmals mit einem konkreten Kinderwunsch in die Praxis“,
erklärt Priv.-Doz. DDr. Michael Feichtinger, Leiter des Wunschbaby
Institut Feichtinger.

Auch die aktuellen Analysen der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften zeigen, wie stark sich Familienplanung und
gesellschaftliche Entwicklung verändern. Demnach steigt das Alter bei
der Geburt des ersten Kindes seit Jahren kontinuierlich an, während
gleichzeitig die Zahl der Geburten sinkt. Besonders hervorgehoben
wird dabei die zunehmende Diskrepanz zwischen gewünschter und
tatsächlich realisierter Kinderzahl.

Die Gründe dafür seien vielfältig: längere Ausbildungswege,
berufliche Etablierung, wirtschaftliche Unsicherheiten und veränderte
Lebensmodelle. Gleichzeitig steige die Lebenserwartung, wodurch viele
Menschen das Gefühl hätten, auch für die Familienplanung mehr Zeit zu
haben.

„Der gesellschaftliche Wandel vermittelt oft das Gefühl, dass
moderne Medizin die biologische Uhr beliebig verlängern kann.
Tatsächlich bleibt die Fruchtbarkeit aber an klare biologische
Grenzen gebunden“, so Feichtinger.

Besonders ab dem 35. Lebensjahr sinken die Chancen auf eine
natürliche Schwangerschaft deutlich. Ab dem 40. Lebensjahr nehme die
Wahrscheinlichkeit nochmals stark ab. Die moderne
Reproduktionsmedizin könne zwar unterstützen, den altersbedingten
Rückgang der Eizellqualität jedoch nicht vollständig ausgleichen.

„Wenn sich der Wunsch nach einem eigenen Kind nicht erfüllt, hat
das oft erhebliche Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit, sowohl
bei Frauen als auch bei Männern“, betont Feichtinger. „Wir erleben in
der Praxis täglich, dass unerfüllter Kinderwunsch nicht nur eine
medizinische Herausforderung ist, sondern häufig auch eine enorme
emotionale Belastung darstellt.“

Die Entwicklung betreffe längst nicht mehr nur einzelne Paare,
sondern habe auch gesellschaftspolitische Relevanz. Sinkende
Geburtenraten und eine alternde Bevölkerung würden langfristig
Gesundheitssystem, Arbeitsmarkt und soziale Sicherungssysteme
beeinflussen.

„Deshalb braucht es mehr gesellschaftliche Sensibilität und vor
allem frühzeitige Aufklärung über Fruchtbarkeit und Familienplanung“,
sagt Feichtinger. „Viele Menschen beschäftigen sich erst mit ihrer
Fruchtbarkeit, wenn bereits Schwierigkeiten auftreten. Genau hier
braucht es mehr Wissen und mehr Bewusstsein“, so Feichtinger
abschließend.

Denn Kinderwunsch braucht zunehmend Prävention, Beratung und
realistische medizinische Aufklärung.