Wien (OTS) – Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie soll für mehr
Einkommensgerechtigkeit insbesondere zwischen Männern und Frauen
sorgen. Österreichs Unternehmen setzt die Umsetzung aber unter Druck,
wie eine aktuelle Deloitte Studie deutlich macht. Demnach fällt der
Informations- und Umsetzungsstand noch sehr gering aus. Auch mögliche
Konsequenzen bei einer Nichtumsetzung sind weitegehend unbekannt.
Gefordert ist nun der Gesetzgeber: Er muss rasch die rechtlichen
Rahmenbedingungen schaffen und Unternehmen entsprechende
Hilfsleistungen zur Verfügung stellen.
Die Höhe des Einkommens ist in Österreich nach wie vor ein Tabuthema.
Wie eine aktuelle Deloitte Studie unter rund 500
Unternehmensvertreterinnen und -vertretern zeigt, gibt über ein
Viertel (28 %) derzeit keine Informationen zum durchschnittlichen
Entgelt an die Mitarbeitenden weiter, für ein Fünftel (21 %) ist
diese Einsicht lediglich auf Anfrage möglich
„Vollständige Einkommenstransparenz ist in der Praxis noch die
Ausnahme. Nur in jedem fünften Unternehmen sind sämtliche
Entgeltinformationen für alle Mitarbeitenden leicht zugänglich“,
erklärt Elisa Aichinger, Partnerin bei Deloitte Österreich. „Mit der
Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die spätestens am 7.
Juni in nationales Recht umgesetzt sein muss, wird sich das nun aber
endlich ändern. Das ist auch eine wesentliche Voraussetzung zur
Schließung des Gender Pay Gaps.“
Zwtl.: Unternehmen kennen die Anforderungen der Richtlinie nicht
Trotz des nahenden Stichtages sind die Unternehmen insgesamt noch
wenig vorbereitet. Zwei Drittel (65 %) wissen laut eigenen Angaben
kaum oder gar nicht über die bevorstehenden Anforderungen Bescheid.
Und auch mögliche rechtliche Konsequenzen bei einer Nichtumsetzung
sind der Mehrheit (59 %) nicht bekannt.
„Im Hinblick auf die bald zwingend einzuhaltenden
Transparenzpflichten besteht dringender Informationsbedarf. Hier ist
vor allem der österreichische Gesetzgeber gefordert, Hilfestellungen
anzubieten und Maßnahmen zu ergreifen, um Unternehmen die Einhaltung
der neuen Regelungen zu erleichtern“, appelliert Stefan Zischka,
Partner bei Deloitte Legal. „Neben Leitfäden und Schulungsangeboten
kann auch die Einrichtung von Anlaufstellen ein wirksames Hilfsmittel
darstellen.“
Zwtl.: Vorbereitungen auf Richtlinie stehen noch am Anfang
Obwohl viele die Anforderungen der Richtlinie nicht kennen, geht
mehr als die Hälfte der Befragten (51 %) von einem sehr oder eher
hohen Umsetzungsaufwand aus. Vor allem unklare Definitionen von
gleicher und gleichwertiger Arbeit (44 %) und kulturelle Barrieren (
33 %) werden diesbezüglich als zentrale Herausforderungen
wahrgenommen.
„Mangels Gesetzesentwurf fehlt es aktuell an einer Grundlage, um
rechtssicher handeln zu können. Insofern verwundert es nicht, dass
erst ein Viertel der Unternehmen erste Schritte zur Umsetzung gesetzt
hat. Der Großteil ist derzeit mit anderen Themen beschäftigt“, so
Stefan Zischka. „Seitens der Politik muss hier dringend gehandelt
werden. Die Unternehmen können ihren Verpflichtungen nur dann
nachkommen, wenn sie die rechtlichen Rahmenbedingungen kennen und
verstehen.“
Zwtl.: Nicht alle sind von der Wirksamkeit der Richtlinie überzeugt
Ohnehin stößt die Richtlinie nicht bei allen
Unternehmensvertreterinnen und -vertretern auf Zustimmung. Während 17
% der Umsetzung an sich kritisch gegenüberstehen, erwarten 48 %
überhaupt keinen positiven Einfluss auf die Einkommensgerechtigkeit
in den Unternehmen. Ein Großteil (43 %) wünscht sich deshalb einen
möglichst geringen administrativen Aufwand im Zusammenhang mit der
Richlinie, 38 % hoffen im Fall einer Nichteinhaltung zunächst auf
Kulanz und Beratung statt auf unmittelbare Sanktionen.
„Noch fehlt es an flächendeckendem Vertrauen in die Richtlinie. Wenn
sie primär als bürokratische Last wahrgenommen wird, wird sie ihr
Ziel nicht erreichen. Umso wichtiger ist es jetzt, den konkreten
Nutzen klarer zu vermitteln und die Umsetzung praxistauglich zu
gestalten“, betont Elisa Aichinger abschließend.
Zum Download:
Deloitte Studie zur EU-Entgelttransparenzrichtlinie
Foto Elisa Aichinger Credits Deloitte/feelimage
Foto Stefan Zischka Credits Angelika Schiemer
Deloitte Österreich ist der führende Anbieter von Professional
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& Transformation betreut. Kundinnen und Kunden profitieren von der
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