München (OTS) – Der Aufschwung im deutschen Bausektor nimmt Fahrt auf
– doch er steht
auf wackligen Beinen. Steigende Nachfrage trifft auf fehlende
Kapazitäten: Fachkräftemangel, begrenzte Ressourcen und langsame
Umsetzung drohen das Wachstum auszubremsen. Das zeigt die aktuelle
Studie Neues Bauen* von Simon-Kucher in Zusammenarbeit mit dem
BaustoffMarkt.
– Über 50 % sehen Fachkräftemangel als wichtigsten Einflussfaktor auf
das Bauen
– Unternehmen erwarten im Schnitt mehr als 7 % Umsatzwachstum in
2026; Bauträger, Planer und Bauunternehmen prognostizieren mehr als
10 % Wachstum; Handel rechnet erst ab 2027 mit Erholung
– Politische Maßnahmen wie Bauturbo und Sondervermögen versprechen 16
% mehr Umsatzpotenzial; wirken jedoch überwiegend erst ab 2027
– Nur 45 % der Unternehmen verfügen über fundiertes Trendwissen;
strukturelle Defizite bremsen den Markt
Nach zwei Jahren schwacher Nachfrage kehrt der Optimismus in die
Bauindustrie zurück. Für die Jahre 2026 und 2027 erwarten die
Unternehmen im Schnitt ein Wachstum von mehr als sieben Prozent. Doch
die Erholung offenbart ein neues Problem: „Der Aufschwung kommt
schneller, als viele Unternehmen liefern können“, sagt Dr. Markus
Mayer, Studiengangsleiter und Partner bei Simon-Kucher. „Wer jetzt
nicht in Kapazitäten und effizientere Prozesse investiert, wird die
zusätzliche Nachfrage nicht in Wachstum übersetzen können.“
Besonders Unternehmen am Anfang der Wertschöpfungskette –
Bauträger, Planer und Bauunternehmen – rechnen mit einem Umsatzplus
von bis zu zehn Prozent im Jahr 2026. Gleichzeitig bleibt der Handel
deutlich zurückhaltender und erwartet eine spürbare Belebung erst ab
kommendem Jahr. Politische Maßnahmen wie das Sondervermögen
Infrastruktur und der sogenannte Bauturbo versprechen zwar
zusätzliche Umsatzimpulse von durchschnittlich rund 16 Prozent. Die
Mehrheit der Unternehmen geht jedoch davon aus, dass sich diese
Effekte erst ab 2027 spürbar materialisieren. Damit entsteht eine
Phase, in der der aktuelle Aufschwung nicht durch staatliche
Programme getragen wird, sondern aus der Marktdynamik heraus
entsteht. „Die politischen Maßnahmen setzen wichtige Impulse – aber
sie kommen zu spät für die aktuelle Marktphase“, sagt Mayer. „Der
Aufschwung 2026 wird nicht von staatlichen Programmen getragen,
sondern aus dem Markt selbst heraus entstehen.“
Aufschwung trifft auf strukturelle Grenzen
Mit der steigenden Nachfrage verschiebt sich der Engpass
fundamental. Während zuletzt hohe Baukosten, Zinsen und
regulatorische Anforderungen im Fokus standen, werden nun
Kapazitätshemmnisse zum zentralen Risiko. Mehr als die Hälfte der
Unternehmen sieht den Fachkräftemangel als wichtigste Einflussgröße
für die Branche.
Neben dem Fachkräftemangel bremsen auch Bürokratie und technische
Anforderungen die Umsetzung. Projekte verzögern sich, obwohl die
Auftragslage sich verbessert – ein strukturelles Problem für die
gesamte Branche. „Der Engpass verlagert sich damit von der Nachfrage
auf die Umsetzung“, so Christian Alter, Director bei Simon-Kucher.
„Entscheidend wird jetzt, wie schnell Unternehmen ihre Ressourcen und
Prozesse an die neue Marktdynamik anpassen.“
Effizienz rückt in den Mittelpunkt
Der steigende Druck auf Kapazitäten verändert die Prioritäten im
Markt: Effizienzsteigerung rückt klar in den Mittelpunkt, etwa durch
Vorfertigung, modulares Bauen und optimierte Baustellenlogistik.
Nachhaltigkeit bleibt relevant, verliert jedoch im Vergleich zum
Vorjahr an Gewicht.
Wachstum verlagert sich und nicht alle profitieren
Rund die Hälfte der Unternehmen sieht die größten
Wachstumspotenziale im Bauen im Bestand sowie in öffentlichen
Infrastrukturprojekten. Der Neubau verliert dagegen relativ an
Bedeutung. Doch nicht alle Marktteilnehmer sind darauf vorbereitet:
Insbesondere der Handel unterschätzt die Dynamik im Sanierungssegment
und droht, zentrale Wachstumschancen zu verpassen.
Pricing, Effizienz und KI unter Druck
Um Wachstum und Profitabilität zu sichern, setzen Unternehmen
verstärkt auf interne Hebel. Kostensenkungen und Preiserhöhungen
gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig wird der Einsatz von KI –
insbesondere im Pricing und in Vertriebsprozessen – als zentraler
Hebel gesehen. In der Praxis zeigt sich jedoch eine Lücke zwischen
Anspruch und Realität: KI steigert vor allem die Effizienz, erfordert
aber erhebliche Vorlaufzeiten und strukturelle Anpassungen.
Wachstum ist kein Selbstläufer
Die Studie macht deutlich, dass nicht alle Unternehmen
gleichermaßen vom Aufschwung profitieren werden. Insgesamt verfügen
nur 45 Prozent der Unternehmen über ein fundiertes Verständnis
relevanter Branchentrends – ein entscheidender Unterschied zwischen
wachstumsstarken und schwächeren Marktteilnehmern. „Der Markt wächst
– aber nicht für alle“, so Mayer. „Wer seine Prozesse nicht auf
Skalierung ausrichtet, wird den Aufschwung nur eingeschränkt nutzen
können.“
*Über die Studie : Die Studie Neues Bauen wurde im Zeitraum
November 2025 bis Januar 2026 von Simon-Kucher in Zusammenarbeit mit
dem BaustoffMarkt zum zweiten Mal in Folge durchgeführt. Dabei wurden
433 Expert:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette des
Bausektors zu Trends, Herausforderungen und strategischen Antworten
befragt.
Über Simon-Kucher
Simon-Kucher ist eine globale Unternehmensberatung mit mehr als
2.200 Mitarbeitenden in über 30 Ländern. Als verlässlicher Partner
für Commercial Excellence unterstützen wir Unternehmen dabei,
nachhaltiges und profitables Wachstum zu realisieren. Wir verbinden
tiefgehende Beratungsexpertise mit Spezialisierung auf
Wachstumsstrategien und technologischer Kompetenz, um messbare
Ergebnisse zu erzielen. Wir optimieren sämtliche Hebel der
kommerziellen Strategie – von Produkt, Pricing und Innovation bis hin
zu Marketing und Vertrieb – konsequent ausgerichtet am Kundennutzen
und der Zahlungsbereitschaft. Mit über 40 Jahren Erfahrung in der
Monetarisierung gelten wir als weltweit führende Beratung für
Commercial Growth und Pricing.
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