Ausstellung „Hitlers Exekutive“ in Schloss Hartheim/OÖ eröffnet

Wien (OTS) – Am 9. März 2026 eröffneten Mathias Vogl, Chef der
Rechtssektion im
Innenministerium (in Vertretung von Innenminister Gerhard Karner),
und Landeshauptmann Thomas Stelzer im oberösterreichischen Schloss
Hartheim die Wanderausstellung „Hitlers Exekutive. Die
österreichische Polizei und der Nationalsozialismus“.

Der Zeitpunkt war bewusst gewählt, da am 12./13. März 1938 der
Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich erfolgt war. Auch die
Örtlichkeit ist signifikant, da Schloss Hartheim zu Kriegszeiten
unter aktiver Mitwirkung von Polizisten als Tötungsanstalt der NS-
Euthanasie fungiert hatte.

Für die Wanderausstellung ist es bereits die siebte Station auf
ihrer Reise durch Österreich, sie hat bislang über 60.000
Besucherinnen und Besucher erreicht. Die Ausstellung wird bis Ende
August 2026 im Schloss Hartheim zu sehen sein.

Forschungsprojekt zur Rolle der Polizei im Nationalsozialismus

Das Innenministerium war das erste Ministerium, das sich offen
seiner NS-Vergangenheit gestellt hat. Im Rahmen des Projekts „Polizei
1938–1945“ wurden erstmals die Archive des Ressorts für ein
Forschungsteam aus Universität Graz/Ludwig-Boltzmann-Institut für
Kriegsfolgenforschung, Dokumentationsarchiv des Österreichischen
Widerstandes und Mauthausen Memorial geöffnet. Dabei konnten wichtige
Erkenntnisse über die Rolle der Polizei gewonnen werden, die auch für
die Gegenwart relevant sind.

„Die Polizei von damals war zentrale Stütze eines
Unrechtsregimes, während die Polizei von heute auf Basis des
Rechtsstaats und der Menschenrechte arbeitet. Das vermitteln wir auch
aktiv unseren Polizeischülerinnen und Polizeischülern, etwa durch den
Besuch der Ausstellung „Hitlers Exekutive“ und anderer
Ausbildungsmodule. Es ist daher sehr treffend, dass die erste Führung
durch die Ausstellung von einer Polizeischulklasse des
Bildungszentrums Linz absolviert wurde“, betonte Sektionschef Vogl,
der die Ausstellung in Vertretung von Innenminister Gerhard Karner
eröffnete.

Oberösterreichische Perspektiven der NS-Polizeigeschichte

Auch die Rolle der Polizei in Oberösterreich sowie ausgewählte
Biografien von Polizisten aus Oberösterreich während und nach der NS-
Zeit werden im Rahmen der Wanderausstellung „Hitlers Exekutive“
thematisiert.

„Schloss Hartheim ist ein zentraler Ort des Erinnerns an die
dunkelste Zeit unserer Geschichte. Die Auseinandersetzung mit der NS-
Vergangenheit zeigt uns, wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben und
Unrecht, Ausgrenzung und Menschenverachtung früh entgegenzutreten –
das belegt auch die aktuelle globale Lage. Gerade deshalb ist eine
lebendige Erinnerungskultur für unsere Gesellschaft unverzichtbar“,
sagte Landeshauptmann Stelzer in seiner Eröffnungsrede.

Mit dem Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim konnte in
Oberösterreich ein besonderer Ausstellungsort gewonnen werden,
schließlich hatte es zu Kriegszeiten personelle Verknüpfungen
zwischen der Polizei und der NS-Euthanasieaktion „T4“ gegeben, der in
Hartheim tausende Menschen zum Opfer gefallen waren.

So war der aus Ebensee stammende Polizist Franz Stangl
stellvertretender Büroleiter der Tötungsanstalt, bevor er Kommandant
der Vernichtungslager Sobibor und Treblinka wurde. Auch seine
Biografie wird im Rahmen der Ausstellung thematisiert: „Die
Ausstellung ‚Hitlers Exekutive‘ stellt einen Meilenstein in der
Auseinandersetzung mit der NS-Herrschaft in Österreich dar“, sagte
der Leiter des Lern- und Gedenkorts Schloss Hartheim, Florian
Schwanninger. „Sie zeigt, wie wichtig rechtsstaatliche Normen und ein
demokratisches System für uns alle sind. Die Ausstellung zeichnet
niederschwellig nach, wie sich die nationalsozialistische Diktatur
einen Herrschafts- und Terrorapparat schuf, der jenseits von
Kontrolle und Rechtsstaat agierte und allein dem NS-Regime und seiner
Ideologie unterworfen war. Sie weist aber auch durch biografische
Zugänge darauf hin, wie unterschiedlich einzelne Personen in diesem
System agieren konnten, über welche Handlungsspielräume sie verfügten
und welchen Zwängen und Vorgaben sie ausgesetzt waren“, erklärte
Schwanninger.