Wien (OTS) – Ein zunehmend erneuerbares und elektrifiziertes
Energiesystem ist
stärker vom Wetter abhängig. Ein Forschungsteam des AIT Austrian
Institute of Technology und der BOKU University zeigt nun, wie sich
der Klimawandel auf Stromnachfrage und erneuerbare Erzeugung in
Europa auswirken kann. Die veröffentlichte Studie stellt dafür den
offenen Datensatz SECURES-Energy bereit, welcher nationale,
stündliche Stromnachfrage- und Stromerzeugungsprofile für den
Zeitraum 1981 bis 2100 liefert.
Die Energiewende muss nicht nur emissionsarm, sondern auch
klimafit geplant werden. „Das Projekt SECURES-Energy macht sichtbar,
wann und wo sich europaweit Stromerzeugung und -nachfrage verschieben
– und liefert damit eine transparente Grundlage für Investitionen in
Netze, Speicher und Flexibilität“, erklärt Franziska Schöniger,
Energieforscherin am AIT Austrian Institute of Technology.
Zwtl.: Was die Daten zeigen
Die Berechnungen wurden für zwei verschiedene Klimawandel-
Szenarien durchgeführt: mittlerer Klimawandel (entspricht einem
Szenario RCP 4.5) und starker Klimawandel (RCP 8.5).
Für die künftigen Stromnachfrage ergeben sich, basierend auf
diesen beiden Modellen, folgende Ergebnisse:
– Der Kühlbedarf in den untersuchten europäischen Ländern steigt bis
Mitte des Jahrhunderts um bis zu +80% (bei mittlerem Klimawandel)
bzw. +149% (bei starkem Klimawandel). Bis Ende des Jahrhunderts
wächst der Kühlbedarf um +129% bzw. +317%.
– Der Heizbedarf sinkt um -19%/-24% bis Mitte des Jahrhunderts und
bis zu -25%/-40% bis Ende des Jahrhunderts.
Bei der Stromerzeugung ist mit folgenden Änderungen zu rechnen:
– Für Photovoltaik, Onshore-Wind und Laufwasserkraft zeigt sich
europaweit kein einheitlicher Trend; regionale Unterschiede und
Schwankungen zwischen einzelnen Jahren bleiben entscheidend.
– Bei Offshore-Wind weist die Analyse dagegen auf klimawandelbedingt
sinkende Jahreserzeugung über Europa hinweg hin.
– Gleichzeitig verändert sich die Saisonalität der Wasserkraft: In
Österreich verschiebt sich der Abfluss aufgrund von veränderten
Niederschlags- und Schneeschmelzemustern und der höheren
Wahrscheinlichkeit von längeren Trockenphasen tendenziell vom Sommer
in Richtung Winter, während niedrige Sommererzeugung etwa in
Frankreich und Spanien weiter verstärkt wird.
Zwtl.: Vom europäischen Datensatz zur Anwendung in Österreich
Das Projekt SECURES-Energy steht im Kontext von weiteren
aktuellen AIT-Projekten zur resilienten Energieinfrastruktur. In
ROBINE-AT wurden Klimafolgekarten, so genannte Climate Impact Maps ,
erstellt, die eine hochaufgelöste Datengrundlage zu den möglichen
Auswirkungen des Klimawandels auf die österreichische
Energieinfrastruktur liefern.
Darüber hinaus wurden regionale Energieerzeugungs- und
Stromnachfrageprofile für Österreich erstellt (ROBINE-AT-Energy) .
DeRisk-E untersucht, wie das Stromsystem widerstandsfähig gegenüber
klimatischen, geopolitischen und weiteren Unsicherheiten gestaltet
werden kann. Die nun veröffentlichten SECURES-Energy Stromerzeugungs-
und Stromnachfrageprofile helfen dabei, Ausbaupfade erneuerbarer
Energien, Flexibilitätsbedarf und Versorgungssicherheit unter
veränderten Klimabedingungen zu bewerten.
Zwtl.: Erfordernisse für ein klimafittes Energiesystem
Eine klimaresiliente Energiezukunft braucht regionale
Differenzierung, die Berücksichtigung verschiedener Klimaszenarien
und eine transparente meteorologische Datengrundlage in geeigneten
Formaten für die Energiesystemmodellierung. Klimaresiliente
Stromsysteme erfordern Flexibilitätsoptionen zum Ausgleich von
Erzeugungs- und Lastschwankungen sowie die systematische
Berücksichtigung von langfristigen klimatischen Veränderungen und
Extremwetterereignissen in strategischen Planungsprozessen. Die
aktuellen Projekte am AIT leisten daher einen zentralen Beitrag,
Österreichs Energiesystem auf die Risiken des Klimawandels und
wetterbedingte Unsicherheiten vorzubereiten und österreichische
Entscheidungsträger:innen bei der Ausgestaltung eines robusten und
resilienten Stromsystems zu unterstützen.
Zwtl.: AIT: Forschung für die Infrastruktur von morgen
Mehr als 1.600 Mitarbeiter:innen arbeiten täglich am AIT Austrian
Institute of Technology an den zentralen Infrastrukturthemen der
Zukunft, insbesondere in den Bereichen Energie, Mobilität, Gesundheit
und Daten. Am AIT werden Infrastrukturen von morgen gedacht und
erforscht. Als Österreichs größte Forschungs- und
Technologieorganisation ist das AIT eine Brücke zwischen Wissenschaft
und Innovation und arbeitet entlang der gesamten Innovationskette –
von der Idee bis zur Umsetzung – mit der Industrie und öffentlichen
Einrichtungen zusammen. Zur Weiterentwicklung zukunftsfitter
Technologien betreibt das AIT die modernste Forschungs-Infrastruktur
Österreichs, mit spezialisierten Labors für Energie, Mobilität,
Stadtplanung, Digital Security, Ernährungssicherheit und vieles mehr.
Forschung des AIT wirkt und schafft Lösungen – für Unternehmen, die
Gesellschaft und letztlich für uns alle.
Zwtl.: Über die Studie
SECURES-Energy umfasst nahezu alle europäischen Länder und
verbindet ERA5-Reanalysedaten mit zwei EURO-CORDEX-Klimaszenarien.
Abgebildet werden Photovoltaik, Onshore- und Offshore-Wind,
Laufwasser- und Speicherwasserkraft für 40 Länder sowie Strombedarf
für Heizen, Kühlen, Mobilität, Industrie und Elektrolyse für 29
Länder. Die Autor:innen betonen, dass die Ergebnisse von den
gewählten Klimamodellen und Annahmen abhängen. Das Projekt SECURES
wurde 2020-2023, das Projekt ROBINE 2023-2025 durchgeführt. DeRisk-E
läuft 2025-2027. Alle Projekte wurden vom Klima- und Energiefonds
gefördert.
Weitere Informationen: Paper | SECURES-Energy Datensatz ROBINE
Endbericht
Über das AIT
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at