Wien (OTS) – Die zentralen Themen des Tätigkeitsberichts 2025 zeigen
weiterhin
Herausforderungen bei der Inklusion in der Elementarpädagogik, Lücken
im Kinderschutz an Schulen und Handlungsbedarf aufgrund von
Überbelegung in der Kinder- und Jugendhilfe. Die Kinder- und
Jugendanwaltschaft Wien setzt sich für effektive Rechtsansprüche
junger Menschen und verbindliche Beteiligung ein.
Kein inklusiver Bildungsplatz, junge Menschen, deren Hilferufe
angesichts von Diskriminierung und Mobbing ohne wirksame Konsequenzen
bleiben, oder Überbelegung in Krisenzentren: Der Tätigkeitsbericht
2025 der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien (Kija) zeigt, wo Schutz
und Unterstützung junger Menschen an strukturelle Grenzen stoßen.
Verlässlicher Schutz braucht ausreichende Ressourcen, stabile
Beziehungen und wirksamen Zugang zu Rechten. Die verantwortlichen
Akteur*innen aus Politik, Verwaltung und pädagogischen, sozialen
sowie gesundheitlichen Einrichtungen sind gemeinsam mit Eltern und
jungen Menschen gefordert, diese Voraussetzungen sicherzustellen.
Zwtl.: Inklusion als große Herausforderung in der Elementarpädagogik
Die angespannte Ressourcen- und Personalsituation in der
Elementarpädagogik spiegelt sich in der Fallarbeit der Kinder- und
Jugendanwaltschaft wider. Besonders gravierend sind der Kija
geschilderte Situationen, in denen Kinder aufgrund von strukturell
fehlenden Angeboten ihr Recht auf einen inklusiven Bildungsplatz
nicht in Anspruch nehmen können.
Aus Sicht der Kija ist nochmals zu unterstreichen, dass der
bestehende Anspruch auf bestmögliche Bildung nicht immer
gewährleistet werden konnte, wobei auch Eltern nicht immer die
notwendige Unterstützung bieten können. Die Kija empfiehlt, die
Bildungs- und Unterstützungssysteme in der Elementarpädagogik zu
stärken, wobei insbesondere auch die interdisziplinäre
Teamzusammensetzung zu fördern ist.
Zwtl.: Schule: Beschwerden ernst nehmen und junge Menschen beteiligen
Mobbing, Beschwerden über Diskriminierung und Grenzverletzungen
beschäftigten die Kija im Kontext Schule. Kinderschutzkonzepte kommen
in der Praxis noch wenig zur Anwendung. Sie sind vielen Schüler*innen
unbekannt und stellen auch für Pädagog*innen häufig noch keine
effektive Hilfestellung dar. Die Kija drängt darauf, die Konzepte
bekannter zu machen und Schüler*innen besser in die Umsetzung
einzubinden.
Mit einem Mobbingratgeber, dem „Rechte-Checker“ und Informationen
zum Diskriminierungsschutz entwickelte die Kija konkrete
Hilfestellungen für Erwachsene, Pädagog*innen und Schüler*innen.
Ergänzend braucht es wirksame Beschwerdewege, transparente
Entscheidungen und Schulungen für pädagogisches Personal.
Zwtl.: Weiterhin hoher Druck in der Kinder- und Jugendhilfe
Bei insgesamt 78 Besuchen in Wohngemeinschaften und Krisenzentren
fand die Kija Wien 2025 weiterhin oft Lebensbedingungen von Kindern
und Jugendlichen vor, die vom hohen Druck in der Kinder- und
Jugendhilfe geprägt sind: Bis zu 15 Kinder waren statt der
vorgesehenen acht untergebracht. Die Folgen der Überbelegung zeigten
sich in fehlenden Rückzugsmöglichkeiten oder darin, dass Kinder
keinen eigenen Schreibtisch für Hausaufgaben hatten. Kinder
berichteten, dass sie sich nicht sicher fühlten und nicht verstanden,
warum sie so lange im Krisenzentrum bleiben mussten.
Für Kinder mit besonders hohem Unterstützungsbedarf braucht es
gezielte Angebote mit kleinen Gruppen und intensiver Betreuung. Ein
wichtiger Ansatz ist die 2025 gestartete „Orientierungshilfe“, die
Kinder und Jugendliche mit delinquentem Verhalten professionell
begleitet. Prävention und frühzeitige Unterstützung, die an den
Ursachen problematischen Verhaltens ansetzen, sind zu forcieren.
Die Mitarbeiter*innen leisten unter diesen schwierigen
Bedingungen wertvolle Arbeit. Um Schutz, Stabilisierung und
fachgerechte Krisenabklärung sicherzustellen, braucht es jedoch
dringend mehr geeignete Plätze, ausreichend qualifiziertes Personal
und eine Betreuung, die sich stärker nach Alter und pädagogischem
Bedarf ausrichtet.
Zwtl.: Jugendvollzug: Bildung und Perspektiven sicherstellen
Die Sprechtage in der Justizanstalt Wien-Josefstadt zeigten 2025
weiterhin erhebliche Belastungen: Überbelegung, lange
Einschlusszeiten, zu wenige altersgerechte Beschäftigungsangebote und
Schwierigkeiten bei der Gewährleistung des Schulunterrichts.
Besonders kritisch blieb die Situation der Mädchen. Für sie
fehlten spezifische Bildungs- und Freizeitangebote,
sozialpädagogische Betreuung und psychiatrische Versorgung waren
teilweise schwerer zugänglich.
Erste Besuche am neuen Standort Wien-Münnichplatz zeigten bessere
räumliche Bedingungen. Die Kija drängt auf einen pädagogisch
ausgerichteten Jugendvollzug mit ausreichend geschultem Personal,
vollständigem Zugang zu Bildung und Ausbildung sowie einem eigenen
Betreuungskonzept für Mädchen.
Zwtl.: Die Kija braucht ein eigenes Gesetz, Kinderrechte müssen ernst
genommen werden
Die Kija weist weiterhin auf das Fehlen eines eigenen Kinder- und
Jugendanwaltschaftsgesetzes als drastische Lücke hin und stellt klar,
dass eine gesetzliche Verankerung ein notwendiger Schritt zur
Sicherstellung der Kinderrechte ist.
Junge Menschen müssen darauf vertrauen können, dass ihre Anliegen
ernst genommen und ihre Rechte geschützt werden. Es ist Aufgabe der
Gesellschaft, Kinder und Jugendliche über ihre Rechte aufzuklären,
ihnen Vertrauen in die bestehenden Strukturen zu geben und sie als
gleichwertige Akteur*innen in Entscheidungen einzubeziehen, die ihr
Leben betreffen.