Wien (OTS) – Die Zahl der Privatinsolvenzen in Österreich ist in den
ersten neun
Monaten des Jahres 2026 deutlich gestiegen. Insgesamt wurden 7.897
Privatinsolvenzen registriert. Das sind um 857 Fälle bzw. 12,2% mehr
als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Besonders stark stieg die
Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren: Sie erhöhte sich
um 13,3% auf 7.326 Verfahren.

„Der deutliche Anstieg der Privatinsolvenzen läßt sich nicht nur
auf die finanzielle Belastung vieler Haushalte zurückführen. Die
wirtschaftliche Erholung kommt zwar bei den Menschen offenbar nur
langsam an. Gerade Haushalte mit wenig finanziellen Reserven
reagieren besonders empfindlich auf höhere Preise, steigende laufende
Ausgaben und Einkommensunsicherheit. Der massive Zuwachs erklärt sich
aber vor allem durch das Ende des dreijährigen Tilgungsplans Mitte
Juli“, erklärt Mag. Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des
Österreichischen Verbandes Creditreform.

Zwtl.: 12,2% mehr Privatinsolvenzen – aufgrund des Auslaufens des
Tilgungsplans

Während die Unternehmensinsolvenzen im bisherigen Jahresverlauf
leicht zurückgingen, zeigt sich bei den Privatinsolvenzen –
kurzfristig – ein gegenläufiges Bild. Insgesamt stieg die Zahl von
7.040 auf 7.897 Fälle. Die Insolvenzquote beträgt österreichweit 10,7
Privatinsolvenzen je 10.000 Erwachsene.

Der starke Zuwachs ist aber überwiegend auf das Auslaufen einer
besonderen, zeitlich befristeten Bestimmung in der Insolvenzordnung
zurückzuführen. Seit Mitte Juli gib es die Entschuldungsmöglichkeit
mit einer lediglich dreijährigen Rückzahlungsphase nicht mehr. Das
haben viele Schuldner zum Anlass genommen, noch schnell einen
Insolvenzantrag einzubringen. So gab es im Juni 48% und im Juli 69%
mehr Insolvenzen, zusammen 873 mehr Anträge als in den
Vorjahresmonaten. Im September sind die Insolvenzanträge hingegen um
24% wieder zurückgegangen.

Zwtl.: Tirol mit stärkstem Anstieg – Wien mit weiterhin höchster
Insolvenzquote

Besonders stark stiegen die Privatinsolvenzen in Tirol mit plus
30,2%, gefolgt von der Steiermark (+21,8%), dem Burgenland (+20,4%)
und Oberösterreich (+18,8%). Ebenfalls deutlich erhöhten sich die
Zahlen in Niederösterreich und Salzburg mit jeweils +13,4% sowie in
Vorarlberg (+10,2%).

In absoluten Zahlen verzeichnete Wien mit 2.584 Fällen die
meisten Privatinsolvenzen. Dahinter folgen Oberösterreich mit 1.250
und Niederösterreich mit 1.204 Fällen.

Bei der Insolvenzquote liegt Wien mit 16,2 Privatinsolvenzen je
10.000 Erwachsene ebenfalls an der Spitze. Es folgen Vorarlberg mit
12,0 sowie Kärnten mit 10,5 und Tirol mit 10,4.

Zwtl.: Früherkennung ist auch beim privaten Schuldenmanagement
entscheidend

Aus Sicht des Gläubigerschutzes ist die Entwicklung auch deshalb
relevant, weil Zahlungsschwierigkeiten häufig nicht plötzlich
entstehen, sondern sich über einen längeren Zeitraum aufbauen.

„Sowohl für Unternehmen als auch für private Haushalte gilt: Je
früher finanzielle Schwierigkeiten erkannt werden, desto größer ist
der Handlungsspielraum. Das gilt auch auf Gläubigerseite.
Professionelles Forderungsmanagement sollte nicht darauf abzielen,
Probleme möglichst spät und möglichst hart zu verfolgen, sondern
frühzeitig auf Zahlungsschwierigkeiten zu reagieren und tragfähige
Lösungen zu ermöglichen“ , betont Weinhofer.

Ein modernes Forderungsmanagement müsse daher zwischen
kurzfristigen Zahlungsproblemen und struktureller Überschuldung
unterscheiden. Gerade bei Konsumenten könne eine frühzeitige
Kontaktaufnahme dazu beitragen, Eskalationen und zusätzliche Kosten
zu vermeiden.

Zwtl.: Forderungsmanagement ist Teil der Liquiditätssicherung

Für Unternehmen gewinnt dieser Aspekt angesichts der weiterhin
verhaltenen Konjunktur zusätzlich an Bedeutung. Wenn private
Haushalte ihre Rechnungen verspätet oder gar nicht bezahlen können,
wirkt sich dies unmittelbar auf die Liquidität der Unternehmen aus.

„Jede offene Forderung ist gebundene Liquidität. Gerade in
wirtschaftlich angespannten Zeiten können Unternehmen es sich immer
weniger leisten, ihre Außenstände erst dann zu bearbeiten, wenn
Zahlungsprobleme bereits eskaliert sind. Bonitätsinformationen,
laufendes Monitoring, klare Zahlungsziele und ein konsequentes, aber
kundenorientiertes Forderungsmanagement sind deshalb wesentliche
Instrumente zur Sicherung der Unternehmensliquidität“ , erklärt
Weinhofer.

Zwtl.: Gläubigerschutz und Schuldnerschutz sind kein Widerspruch

Creditreform sieht dabei keinen Widerspruch zwischen effektivem
Gläubigerschutz und einem verantwortungsvollen Umgang mit
überschuldeten Personen.

„Gläubigerschutz bedeutet nicht, Menschen in finanziellen
Schwierigkeiten jede Perspektive zu nehmen. Ein funktionierendes
Insolvenz- und Forderungsmanagement muss vielmehr dafür sorgen, dass
berechtigte Forderungen konsequent verfolgt werden, gleichzeitig aber
dort Lösungen ermöglicht werden, wo eine Rückzahlung realistisch ist.
Das ist im Interesse der Gläubiger und der Schuldner“ , so Weinhofer.

Der deutliche Anstieg der Privatinsolvenzen zeige, wie wichtig es
sei, finanzielle Probleme frühzeitig zu erkennen und professionell zu
bearbeiten.

„Die aktuellen Zahlen sind ein Warnsignal. Die Privatinsolvenzen
steigen deutlich stärker als die Unternehmensinsolvenzen. Wir müssen
daher genau beobachten, wie sich Kaufkraft, Inflation, Beschäftigung
und Einkommen in den kommenden Monaten entwickeln. Die erwartete
wirtschaftliche Erholung ist positiv – sie muss aber auch bei den
Haushalten ankommen“ , so Weinhofer abschließend.