Linz (OTS) – Fast drei von zehn Schüler:innen in Österreich erreichen
am Ende der
Pflichtschulzeit weder im Lesen noch in Mathematik die notwendigen
Grundkompetenzen. Die soziale Herkunft entscheidet weiterhin stark
über den Bildungserfolg. Fehlen in der Schule Zeit und Ressourcen für
Lernen, Üben und Wiederholen, müssen Familien vielfach auf private
Nachhilfe zurückgreifen. Für mehr Chancengerechtigkeit braucht es ein
flächendeckendes Angebot an kostenlosen Ganztagsschulen.

Die aktuellen PISA-Ergebnisse machen deutlich: Nach wie vor beenden
zu viele junge Menschen ihre Pflichtschulzeit ohne ausreichende
Grundkompetenzen in Lesen und Mathematik. Auch die soziale Herkunft
hat weiterhin großen Einfluss auf den Bildungserfolg. Je besser die
sozioökonomische Ausgangslage, desto höher sind die erzielten Werte
der Schüler:innen.

„ Bildung darf nicht davon abhängen, wie viel Zeit und Geld Eltern
für zusätzliche Unterstützung beim Lernen aufbringen können. Lernen,
Üben und Wiederholen müssen in der Schule ausreichend möglich sein.
Dafür braucht es ein flächendeckendes Angebot an qualitätsvollen und
kostenlosen Ganztagsschulen “, sagt AK-Präsident Andreas Stangl.

Lernen zu Hause belastet Familien
Wie sehr Familien derzeit beim Lernen zu Hause gefordert sind, zeigt
das IFES-Nachhilfe-Monitoring 2026 im Auftrag der Arbeiterkammer
Oberösterreich. 42 Prozent der befragten Eltern empfinden die
Lernunterstützung zu Hause zeitlich als sehr bzw. ziemlich belastend.
Für rund 30 Prozent der Eltern ist es sehr bzw. eher schwierig, ihre
Kinder beim Lernen und bei den Hausaufgaben zu unterstützen.

Schulischer Erfolg hängt auch davon ab, welche Möglichkeiten Kinder
haben, sich den Lernstoff effektiv anzueignen. Wer es sich leisten
kann, nimmt private Nachhilfe in Anspruch. Damit wird zusätzliche
Lernunterstützung zur finanziellen Frage. 810 Euro pro Schulkind
haben Eltern in Oberösterreich im vergangenen Schuljahr und im Sommer
davor durchschnittlich für bezahlte Nachhilfe ausgegeben. Kinder aus
Familien, die diese Kosten nicht aufbringen können, dürfen keine
schlechteren Bildungschancen haben.

Mehr Lernzeit und Förderung in der Schule
Echte Ganztagsschulen schaffen mehr Raum für Lernen, Üben und
individuelle Förderung. Unterricht, Lern- und Freizeitphasen sowie
sportliche und kreative Aktivitäten können sich dabei pädagogisch
sinnvoll abwechseln. Wenn Hausaufgaben und die Vertiefung des
Lernstoffs in der Schule stattfinden, werden Familien entlastet und
unterschiedliche Lernvoraussetzungen können besser ausgeglichen
werden.

Die AK Oberösterreich fordert:

– Eine kostenlose schulische Förderung für alle, die sie brauchen.

– Ein flächendeckendes Angebot qualitätsvoller, kostenloser
Ganztagsschulen, vor allem in der verschränkten Form.

– Initiativen des Landes Oberösterreich, die Gemeinden bei der
Umsetzung unterstützen und Eltern über die pädagogischen Vorteile der
echten Ganztagsschule informieren.

– Die Chancengerechtigkeit im Schulsystem muss durch zusätzliche
Mittel entschieden vorangetrieben werden, insbesondere an Schulen mit
besonderen Herausforderungen. Die zusätzlichen Mittel sollen nach dem
AK-Chancenindex verteilt werden.