Wien (OTS) – Andreas Huss, Arbeitnehmer-Obmann der Österreichischen
Gesundheitskasse (ÖGK), hält fest, dass die Patientinnen und
Patienten in Österreich zeitnahe Termine bei Vertragsärztinnen und –
ärzten bekommen.
„Akutfälle werden von unseren Vertragspartnerinnen und
Vertragspartner immer behandelt. Und auch bei Terminen, die planbar
sind, gibt es meist zeitnahe Termine.“ Die Aussagen von
krankenversichern.at, wonach es wochenlange Wartezeiten auf Termine
gibt, werden von Huss aufs Schärfste zurückgewiesen.
„Wir wissen aus Befragungen, dass es bei den
Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmedizinern fast immer Termine
gibt.“ Eine für die ÖGK durchgeführte Studie des
Meinungsforschungsinstituts Marketmind kommt zum Ergebnis, dass bei
mehr als neun von zehn Versicherten eine Terminvereinbarung bei
Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern möglich ist. Fast die Hälfte
der Termine wurde spätestens für den nächsten Tag vergeben. Bei den
Fachärztinnen und -ärzten bekommen die Versicherten zu einem Drittel
einen Termin innerhalb einer Woche. Die Studie kommt zu einem
überraschenden Ergebnis:
„Wir sehen, dass die Wartezeiten auf einen Termin bei praktischen
Wahlärztinnen und Wahlärzten fünfmal so lang ist wie bei praktischen
Kassenärztinnen und -ärzten“, betont Huss. Bei den Fachärztinnen und
Fachärzten gibt es kaum Unterschiede bei den Wartezeiten zwischen dem
Kassen- und dem Wahlarztbereich.
Huss ergänzt: „Natürlich wissen wir, dass es in manchen Fächern
und Regionen längere Wartezeiten gibt und Ärztinnen und Ärzte, die
sehr gut ausgelastet sind, oft keine neuen Patientinnen und Patienten
aufnehmen. Das aber so allgemein darzustellen, um das eigene
Geschäftsmodell zu bewerben ist unseriös. Wir werden weiterhin daran
arbeiten, Wartezeiten zu verkürzen und mehr Zeit für Patientinnen und
Patienten zu schaffen. Mit dem Ausbau der Primärversorgungszentren
und der Schaffung von Facharztzentren werden wir Wartezeiten weiter
verkürzen können, so wie uns das bei der Verkürzung der Wartezeiten
für MRT- und CT-Untersuchungen schon gelungen ist.“
„Das Kassensystem schlechtzureden, ist nicht angebracht“, hält
Huss fest. Er ergänzt: „Dass die Sparte private Krankenversicherung
in der Versicherungswirtschaft unter krankenversichern.at für ihre
Produkte wirbt, ist verständlich. Verwerflich ist aber, dass
suggeriert wird, dass man ohne private Versicherung keine
Gesundheitsversorgung mehr bekommt. Die privaten
Krankenversicherungen bauen ihr Geschäftsmodell nämlich auf der
öffentlichen solidarischen Gesundheitsversorgung auf und profitieren
davon erheblich.“
Laut aktuellen Zahlen nahmen die privaten Krankenversicherungen
2025 rund 3,3 Mrd. Euro an Prämienzahlungen ein. Rund 2,8 Mrd. davon
fließen wieder in Leistungen für deren Versicherte. Der Rest wird für
Verwaltung, Marketing oder Rückstellungen verwendet.
Huss hält abschließend fest: „Die solidarische
Krankenversicherung übernimmt die Kosten für alle Krankheitsverläufe
– vom Schnupfen bis zur schweren Erkrankung. Wir haben Fälle, die uns
jährlich mehr als eine halbe Million Euro kosten. Das sind Fälle, die
eine private Krankenversicherung nicht trägt. Sie übernimmt auch
keine Millionenkosten für extrem teure Medikamente für chronisch
kranke Menschen, oder Kosten für eine Chemotherapie oder eine
vierfache Bypass-Operation. Das stemmt allein die öffentliche
solidarische Gesundheitsversorgung. Die private Krankenversicherung
sorgt in diesen – und anderen Fällen – für ein Einzelzimmer und ein
besseres Essen.“