Wien (OTS) – „Pflege trifft Familien meistens über Nacht. Ein Sturz,
ein
Spitalsaufenthalt, ein Anruf, und plötzlich steht das ganze Leben auf
einer neuen Grundlage. Betroffen sind sehr oft Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer mitten im Berufsleben, häufig Frauen, häufig in der
Phase, in der beruflich viel weitergehen würde. Genau dort setzt der
ÖAAB an, denn Pflege darf kein Karriereknick sein. Die Instrumente
dafür gibt es bereits, sie sind nur viel zu wenig bekannt:
Pflegekarenz und Pflegeteilzeit sichern das Dienstverhältnis ab, in
Betrieben ab sechs Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gibt es dafür
sogar einen einseitigen Rechtsanspruch für bis zu vier Wochen, wenn
die Zeit für lange Verhandlungen fehlt. Das Pflegekarenzgeld beträgt
55 Prozent des Nettoeinkommens und heuer mindestens 551,10 Euro im
Monat. Wer die Erwerbstätigkeit für die Pflege zurückstellt, kann
sich in der Pensionsversicherung begünstigt selbst oder
weiterversichern, die Beiträge trägt zur Gänze der Bund. Aus der
Pflege daheim darf keine Pension am Existenzminimum werden. Was es
jetzt braucht, ist Bewusstsein in den Betrieben. Ein Unternehmen, das
seine Mitarbeiterin in einer Pflegesituation hält statt verliert,
macht kein Sozialprojekt, sondern gute Personalpolitik, gerade bei
diesem Arbeitskräftebedarf“, so der Generalsekretär des ÖAAB, Lukas
Brandweiner, der weiters betont: „Ich wünsche mir Betriebsrätinnen
und Betriebsräte, Personalabteilungen und Chefinnen und Chefs, die
aktiv auf die Möglichkeiten hinweisen, statt zu warten, bis jemand
kündigt. Als Präsident des Hilfswerks Niederösterreich sehe ich
täglich, was es bedeutet, wenn Beruf und Pflege zusammenpassen, und
was es anrichtet, wenn sie es nicht tun, besonders im ländlichen
Raum. Anerkennung für pflegende Angehörige zeigt sich nicht an einem
Tag im September. Sie zeigt sich am Dienstplan, am Gehaltszettel und
am Pensionskonto.“