Hirntumoren häufigste krebsbedingte Todesursache im Kindesalter

Wien (OTS) – Rund 400.000 Kinder und Jugendliche weltweit erkranken
jedes Jahr an
Krebs. Während viele Tumorarten in dieser Altersgruppe heute gut
behandelbar sind, bleiben Hirntumoren weiterhin für die meisten
krebsassoziierten Todesfälle bei Kindern und Jugendlichen
verantwortlich. Entsprechend hoch ist der Forschungsbedarf auf diesem
Gebiet, um die Überlebenschancen und die Lebensqualität der
Betroffenen zu verbessern. Anlässlich des „Golden September“
genannten Awareness-Monats für Krebs bei Kindern und Jugendlichen
informiert Johannes Gojo (Universitätsklinik für Kinder- und
Jugendheilkunde von MedUni Wien und AKH Wien) über aktuelle
Entwicklungen und die Wichtigkeit einer interdisziplinären Versorgung
der jungen Patient:innen. An MedUni Wien und AKH Wien wurde dafür das
international beachtete Hirntumorzentrum für Kinder und Jugendliche
eingerichtet.

In den vergangenen Jahren konnten Wissenschafter:innen bereits
zeigen, dass es mehr als 100 verschiedene Arten von Hirntumoren bei
Kindern und Jugendlichen gibt – eine wichtige Erkenntnis, die die
Behandlung grundlegend verändert hat. So weiß man heute, dass die
Prognose entscheidend von Tumorart, Lokalisation, molekularen
Eigenschaften und den entsprechenden Therapiemöglichkeiten abhängt.
Und doch bleibt sie in vielen Fällen schlecht: Für alle Hirntumoren
des Kindesalters zusammen liegen die 5-Jahres-Überlebensraten in
Europa und Nordamerika zwar heute bei etwa 75 bis 80 Prozent. Diese
Zahl verdeckt jedoch große Unterschiede: Kinder mit niedriggradigen
Gliomen erreichen häufig langfristige Überlebensraten von über 90
Prozent. Dagegen zählen z. B. hochgradige Gliome und diffuse
intrinsische Ponsgliome (DIPG) zu den aggressivsten Tumorerkrankungen
im Kindesalter mit durchschnittlichen Überlebenschancen von nur zwölf
Monaten.

„Der enorme Forschungsbedarf bei Hirntumoren ergibt sich aber
nicht nur aus der hohen Mortalität“, verdeutlicht Johannes Gojo,
Professor für Pädiatrische Neuro-Onkologie an der Universitätsklinik
für Kinder- und Jugendheilkunde von MedUni Wien und AKH Wien, die
Situation. „Auch die hohe Morbidität stellt die Wissenschaft
weiterhin vor große Herausforderungen. Kinder und Jugendliche, die
einen Hirntumor überlebt haben, leiden oft unter Spätfolgen, die
entsprechende professionelle Betreuung brauchen.“

Forschung mit Fokus auf Präzisionsmedizin
Aktuelle Forschungen zu Hirntumoren im Kindes- und Jugendalter
verfolgen zunehmend den Ansatz der Präzisionsmedizin. Ziel ist es,
die molekularen Eigenschaften einzelner Tumoren besser zu verstehen
und daraus personalisierte Therapiemaßnahmen abzuleiten. Die MedUni
Wien ist dabei maßgeblich an zahlreiche internationalen Studien und
Forschungsnetzwerken beteiligt – unter anderem als koordinierendes
Zentrum der sogenannten MEMMAT-Studie, in deren Rahmen Kinder und
Jugendliche mit rezidivierten Medulloblastomen und anderen Tumorarten
behandelt werden. Weitere Schwerpunkte liegen auf besonders
aggressiven Hirntumortypen sowie auf der Entwicklung neuer
Tumormodelle, mit denen Therapieansätze im Labor gezielter untersucht
werden können. Auch Liquid Biopsy-Verfahren, bei denen
Tumorbestandteile aus Körperflüssigkeiten analysiert werden, um
Erkrankungen besser zu charakterisieren, stehen im Fokus von
Wissenschafter:innen der MedUni Wien. Da die Erkrankung das Gehirn
betrifft, wird auch der neuropsychologischen Forschung besondere
Beachtung geschenkt.

Interdisziplinäre Versorgung der Patient:innen
„Hirntumoren sind besonders komplexe Erkrankungen, deren Behandlung
eine enge Verzahnung unterschiedlicher Fachrichtungen und
Berufsgruppen erfordert“, weist Johannes Gojo auf eine weitere
Herausforderung hin. An der Universitätsklinik für Kinder- und
Jugendheilkunde von MedUni Wien und AKH Wien wurde dafür das
international beachtete Hirntumorzentrum für Kinder und Jugendliche
eingerichtet, das von Johannes Gojo koordiniert wird. Dort arbeiten
Spezialist:innen der Kinderonkologie, Neurochirurgie, Radiologie,
Strahlentherapie, Neuropathologie, Klinischen Psychologie und anderer
Fachrichtungen in einem integrierten Versorgungsmodell zusammen, um
Diagnostik, Therapie und Nachsorge individuell abzustimmen. „Neben
der Tumorkontrolle geht es in unserem Zentrum auch um die
langfristige Gesundheit, Entwicklung und Lebensqualität der
Patient:innen“, sagt Gojo. Darum wird auch Unterstützung bei
psychosozialen und funktionellen Folgen der Krebserkrankung geboten.
Darüber hinaus besteht ein intensiver Austausch mit
Patient:innenvertreter:innen und -organisationen.

„Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie entscheidend ein tiefes
Verständnis der biologischen Vielfalt von Kinderhirntumoren für
Fortschritte in der Behandlung ist. Gleichzeitig bleiben insbesondere
aggressive Subtypen eine große Herausforderung. Deshalb müssen wir
Forschung, internationale Kooperationen und klinische Expertise
weiter eng verbinden. Unser Ziel muss es sein, schneller neue
Therapien zu entwickeln, um die Überlebenschancen und Lebensqualität
der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu verbessern“, sagt Johannes
Gojo.

Weitere Info

„Golden September“ – Childhood Cancer Awareness Month:
Mit goldfarbenen Schleifen und Beleuchtungen wird weltweit jedes Jahr
im September die Aufmerksamkeit auf Krebs bei Kindern und
Jugendlichen gerichtet, um die Öffentlichkeit über die besonderen
Herausforderungen für Betroffene und deren Familien zu informieren.
Auch MedUni Wien und AKH Wien setzen in diesem Monat mit goldfarbener
Beleuchtung im AKH-Eingangsbereich von 1. bis 7. September ein
sichtbares Zeichen der Solidarität.

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