Hannover (OTS) – KI beim Online-Dating: Viele nutzen sie, aber selbst
die Nutzer:innen
lehnen sie mehrheitlich ab. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage das
Dating-Plattform Gleichklang.
Die psychologische Partnervermittlung Gleichklang.de hat eine für
Gleichklang repräsentative Gruppe ihrer Mitglieder über die Nutzung
von künstlicher Intelligenz (KI) bei ihrem Online-Dating befragt.
Neben Fragen zur Nutzung von KI bei der Partnersuche wurden
zahlreiche weitere Fragen zu Bindungsstilen, Dating-Verhalten,
Persönlichkeit, Hochsensibilität, religions- und
spiritualitätsbezogenen Einstellungen und politischen Auffassungen
gestellt.
Dies sollte es ermöglichen, einen umfassenden explorativen
Eindruck darüber zu gewinnen, wie oft KI beim Online-Dating unter
Gleichklang-Mitgliedern genutzt wird, wie die Einstellungen zu dieser
Nutzung sind und inwiefern sich Nutzer:innen von KI beim Online-
Dating von Nicht-Nutzer:innen unterscheiden.
Die Umfrage war umfassend und nahm 45 bis 60 Minuten Antwortzeit
in Anspruch. Vor diesem Hintergrund ist die Stichprobengröße von 408
Mitgliedern einzuordnen. Unter ihnen waren 229 Frauen, 174 Männer und
5 nicht-binäre oder andere Personen.
Gefragt wurde nach der Nutzung von KI für die Erstellung des
eigenen Profils, die Bearbeitung oder Erstellung von Fotos, das
Verfassen von Erstnachrichten, anderen Antworten sowie die
Inanspruchnahme von KI für die Beratung bei der eigenen Partnersuche.
Außerdem wurde auf einer sechsstufigen Skala erfasst, ob die
Nutzung von KI für die Online-Partnersuche durch die eigene oder eine
andere Person als sehr negativ, negativ, eher negativ, eher positiv,
positiv oder sehr positiv bewertet wird.
Die Umfrage wurde als Online-Befragung durch den Psychologen
Guido F. Gebauer für Gleichklang durchgeführt.
Hauptergebnisse
59,6 % der Befragten gaben an, künstliche Intelligenz niemals für
ihre Partnersuche genutzt zu haben, während 40,4 % zumindest in einem
Bereich bereits über eine KI-Nutzung berichteten.
Am häufigsten wurde KI für die Selbstbeschreibung genutzt (27,0 %
), gefolgt von Dating-Beratung (19,6 %), Erstnachrichten (19,1 %),
anderen Antworten (19,1 %) und Fotos (14,7 %).
Zwischen den Geschlechtern ergaben sich dabei keine signifikanten
Unterschiede in der Nutzung von KI.
Insgesamt wurde KI beim Online-Dating von einer großen Mehrheit
als mindestens eher negativ bewertet:
– 83,3 % bewerteten die Nutzung von KI durch die eigene Person als
negativ oder eher negativ. 86,3 % bewerteten die Nutzung durch eine
andere Person als negativ oder eher negativ.
Auch hier gab es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
Nutzer:innen und Nicht-Nutzer:innen
Mithilfe einer statistischen Auswertung, einer Clusteranalyse,
wurden nunmehr die Befragten in Gruppen eingeteilt, die sich anhand
ihrer Antwortmuster unterschieden.
Es ergab sich eine statistisch präzise Trennung in zwei Gruppen,
die als die Gruppe der Nutzer:innen (34,1 %) und der Nicht-
Nutzer:innen (65,9 %) identifiziert werden konnten.
– Bei der Gruppe der Nutzer:innen gaben alle an, KI in dem einen oder
anderen Bereich bereits genutzt zu haben. Hier war die
Selbstbeschreibung am häufigsten (79,1 %), gefolgt von
Erstnachrichten (56,1 %), anderen Antworten (56,1 %), Fotos (43,2 %)
und Dating-Beratung (38,8 %).
– Bei den Nicht-Nutzer:innen verneinten alle die Nutzung von KI für
Selbstbeschreibung, Fotos, Erstnachrichten und andere Antworten.
Allerdings gaben auch bei dem Cluster der Nicht-Nutzer:innen 9,7 %
an, KI für die Beratung für ihre Partnersuche bereits genutzt zu
haben. Insgesamt ist dieses Nutzungsmuster aber nur sehr schwach und
generalisiert nicht auf mehrere Nutzungsbereiche, sodass die
Bezeichnung Nicht-Nutzer:innen im Wesentlichen berechtigt bleibt.
Zwischen Nutzer:innen und Nicht-Nutzer:innen gab es statistisch
signifikante Unterschiede bezüglich der Bewertung der KI für das
Online-Dating:
– Bei den Nicht-Nutzer:innen bewertete eine überwältigende Mehrheit
von 91,8 % die Nutzung durch die eigene Person und mit 93,3 % auch
die Nutzung durch eine andere Person als negativ.
– Bei den Nutzer:innen sanken diese negativen Bewertungsprozentsätze
deutlich ab auf 66,9 % für die Nutzung durch die eigene Person und
72,7 % für die Nutzung durch eine andere Person.
Auch wenn Nutzer:innen insofern eine deutlich weniger negative
Einstellung zur KI aufwiesen, fällt aber auch hier auf, dass selbst
unter den Nutzer:innen die Ablehnung überwog.
Die Nutzung von KI beim Online-Dating ist demnach auch für ihre
Nutzer:innen mit einer hohen Ambivalenz verbunden. Offenbar wird KI
vorwiegend als eher ungeliebtes Hilfsmittel genutzt, während sich nur
wenige positiv mit der KI-Nutzung für die Online-Partnersuche
identifizieren.
In den weiteren Analysen zeigten sich erstaunlich wenige
statistische Unterschiede zwischen den Nutzer:innen von KI beim
Online-Dating und den Nicht-Nutzer:innen.
Bindungsangst, Bindungsvermeidung und Dating-Verhalten
Es ergaben sich keine Unterschiede in Bindungsangst,
Bindungsvermeidung, Dating-Thrill und Kompensation sowie
problematisch-suchhaftem Dating.
Persönlichkeit und Hochsensibilität
Ebenso wenig ergaben sich statistisch signifikante Unterschiede
in der Ausprägung der fünf grundlegenden Persönlichkeitsfaktoren
Neurotizismus, soziale Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit,
Extraversion und Offenheit für Erfahrungen .
Auch bei der durch den HSP-Test , den der Gleichklang-Psychologe
Gebauer entwickelte, erfassten Hochsensibilität wurde kein
Unterschied zwischen Nutzer:innen und Nicht-Nutzer:innen erkennbar.
Religion und Spiritualität
Ebenso wenig unterschieden sich Nutzer:innen und Nicht-
Nutzer:innen in esoterisch-spirituellem Glauben , Säkularität versus
Religiosität und Affinität zu klassischen Religionen .
Politische Grundhaltungen
Letztlich zeigten sich lediglich in den politischen
Grundhaltungen moderate Unterschiede:
– Während sich in der Ausprägung der linksgerichteten
Umverteilungsorientierung und der sozialen Dominanz versus
Egalitarismus wiederum keinerlei Unterschiede zwischen Nutzer:innen
von KI und Nicht-Nutzer:innen zeigten, wiesen Nutzer:innen eine
signifikant höhere Ausprägung in libertären politischen
Grundeinstellungen auf.
Dies bedeutet eine stärkere Ablehnung von Tradition und Gehorsam,
eine Ablehnung repressiver Kriminalpolitik und eine stärkere Betonung
individueller Rechte zum Bruch gesellschaftlicher Normen.
Dies weist darauf hin, dass KI-Nutzer:innen beim Online-Dating
allgemein eine größere Bereitschaft haben, bestimmte Normen zu
hinterfragen und sich vor diesem Hintergrund vermutlich auch
positiver zu einer neuen Technologie wie der künstlichen Intelligenz
positionieren.
Green Dating
Außerdem gaben Nicht-Nutzer:innen ein höheres Interesse am
sogenannten Green Dating an, wo Partnersuchende gezielt nach
Partner:innen suchen, mit denen sie eine gemeinsame ökologisch
ausgerichtete Lebensweise pflegen können.
Dieser Faktor ist besonders bei Gleichklang relevant, welches
sich als Green-Dating-Plattform versteht:
– Unter den Nutzer:innen gaben 34,4 % an, Wert auf Green Dating zu
legen, während dieser Prozentsatz bei den Nicht-Nutzer:innen auf 45,8
% anstieg.
Dieser Befund ist inhaltlich laut Gebauer nachvollziehbar, da
künstliche Intelligenz mit hohem Energieverbrauch verbunden ist, der
oft durch fossile und nukleare Anlagen gewonnen wird, die von stark
umweltbewegten Menschen kritisch gesehen werden.
Genutzt, aber ungeliebt
Insgesamt weisen die Befunde darauf hin, dass aktuell jedenfalls
bei Gleichklang-Mitgliedern noch die Ablehnung der künstlichen
Intelligenz für das Online-Dating überwiegt.
Gleichzeitig gibt es aber einen Kreis von 34,1 % Nutzer:innen,
der zwar auch mehrheitlich ambivalent-negative Einstellungen zur
Nutzung zeigt, aber dennoch auf KI beim Online-Dating zurückgreift.
Gebauer betont, dass Vergleichsdaten zu anderen Dating-
Plattformen nicht vorliegen. Da aber andere Dating-Plattformen
teilweise direkt KI-Systeme integrieren und zudem bei Gleichklang
besonders viele ökologisch ausgerichtete Personen sind, könne davon
ausgegangen werden, dass die Nutzung durch die Erhebung von
Gleichklang insgesamt deutlich unterschätzt werde.
Selbst überrascht zeigt sich Gebauer wegen der nur wenigen
Unterschiede, die sich zwischen Nutzer:innen und Nicht-Nutzer:innen
in dieser Befragung zeigten:
– “ Offenbar sagt die Nutzung von KI beim Online-Dating nichts oder
nur sehr wenig über die Persönlichkeit der Nutzer:innen, ihre
Bindungsstile und Haltungen zum Online-Dating, ihre religiösen,
spirituellen und in großen Teilen auch politischen Einstellungen
aus.“
Das Einzige, was sich aus den Daten als offenbar echter
Unterschied zeige, sei eine stärkere libertäre und Normen
hinterfragende Haltung von Nutzer:innen und ein geringeres Interesse,
in das Thema der Partnersuche auch die Frage der ökologischen
Nachhaltigkeit einzubeziehen.
Selbst in diesen Bereichen seien die Unterschiede aber nur
moderat.
Gebauer:
“ Dass bei Nutzer:innen von KI eine stärkere Bereitschaft zum
Normbruch oder zur Hinterfragung von Normen vorliegt, ist
psychologisch plausibel, da die Anwendung einer künstlichen
Intelligenz in einem solch intimen Bereich wie der Partnersuche als
Bruch von traditionellen Erwartungsnormen verstanden werden kann.“
Auswirkungen auf Partnersuche und Beziehungen
Wie sich die Nutzung von künstlicher Intelligenz letztlich auf
die Partnerfindung und den Verlauf der partnerschaftlichen
Beziehungen auswirken wird, ist nach Gebauer unbekannt.
Er sieht aber die Gefahr, dass die Authentizität von Dating-
Profilen und auch die Authentizität der Online-Kommunikation leiden
werde und sich zunehmend an die Durchschnittsmodelle der KI anpassen
werde.
Gebauer vermutet, dass diese berechtigte Befürchtung auch der
Grund für die überwiegend negative Haltung der Nutzer:innen und Nicht
-Nutzer:innen zur KI beim Online-Dating sei.
Glücklicherweise gibt es aber laut Gebauer eine Möglichkeit, wie
sich Teilnehmende beim Online-Dating vor den Gefahren einer sinkenden
Authentizität durch künstlicher Intelligenz schützen können:
“ Der Rat lautet, gerade jetzt, wo KI immer mehr zunehmen wird,
möglichst bald zu realen Treffen in der Welt überzugehen, um die
tatsächliche Resonanz miteinander erleben und tragfähige Beziehungen
aufbauen zu können.“
Weitere Informationen zur Umfrage und ihrer Auswertung können in
diesem Artikel im Beziehungsblog von Gleichklang nachgelesen werden.
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at