Hitze beeinflusst Fruchtbarkeit

Wien (OTS) – Der Klimawandel beeinflusst nicht nur
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
oder die allgemeine Gesundheit, sondern könnte auch die Fruchtbarkeit
beeinträchtigen. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im renommierten
Fachjournal Human Reproduction, zeigt anhand von Daten von 58.468
Frauen, dass höhere Umgebungstemperaturen mit einer geringeren Anzahl
an gewonnenen Eizellen im Rahmen einer IVF- oder ICSI-Behandlung
verbunden sind.

Die Forschenden analysierten Behandlungen aus den Jahren 2018 bis
2024. Mit jedem Anstieg der Umgebungstemperatur um ein Grad Celsius
sank die Zahl der gewonnenen, reifen und erfolgreich befruchteten
Eizellen geringfügig, aber statistisch signifikant. Die Qualität der
entstandenen Embryonen blieb hingegen weitgehend unverändert.

Für den Kinderwunschexperten Priv.-Doz. DDr. Michael Feichtinger,
Leiter vom Wunschbaby Institut Feichtinger, unterstreichen die
Ergebnisse, dass Umweltfaktoren in der Reproduktionsmedizin zunehmend
an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig ordnet er die Resultate ein: „Die
Studie zeigt eindrucksvoll, dass Umweltfaktoren auch in der modernen
Reproduktionsmedizin eine Rolle spielen können. Gleichzeitig ist
wichtig zu betonen, dass der beobachtete Effekt für die einzelne
Patientin vergleichsweise klein ist. Niemand muss deshalb eine
Kinderwunschbehandlung aus Angst vor sommerlichen Temperaturen
verschieben.“

Die Autoren der Studie vermuten, dass hohe Temperaturen über
hormonelle Veränderungen, insbesondere über das luteinisierende
Hormon (LH), das eine zentrale Rolle bei der Reifung der Eizellen
spielt, könnte dazu führen, dass weniger Eizellen heranwachsen und
die Eierstockfunktion beeinflussen. Gleichzeitig scheinen andere
Hormone wie FSH und Estradiol gegenzusteuern und einen Teil dieses
Effekts wieder auszugleichen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass
der Körper versucht, Hitzebelastung hormonell zu kompensieren. Damit
liefert die Untersuchung erstmals einen biologisch plausiblen
Mechanismus für den beobachteten Zusammenhang.

„Die Erfolgsaussichten einer IVF hängen weiterhin in erster Linie
vom Alter der Frau, der Eizellreserve und der individuellen
medizinischen Situation ab. Eine Behandlung muss im Sommer keineswegs
vermieden werden. Wer sich einer Kinderwunschbehandlung unterzieht,
sollte jedoc, wie generell bei großer Hitze, ausreichend trinken,
extreme Hitzebelastungen meiden und auf den eigenen
Gesundheitszustand achten.“, so Feichtinger.

Die Studienautoren weisen zudem darauf hin, dass kein
ursächlicher Zusammenhang bewiesen werden konnte. Dennoch zeigen die
Daten, dass Umwelt- und Klimafaktoren künftig stärker in der
reproduktionsmedizinischen Forschung berücksichtigt werden sollten.

„Die Reproduktionsmedizin entwickelt sich ständig weiter. Neben
modernsten Labormethoden verstehen wir heute auch immer besser,
welchen Einfluss Lebensstil und Umwelt auf die Fruchtbarkeit haben.
Dieses Wissen hilft uns, Patientinnen noch individueller zu beraten
und Behandlungen weiter zu optimieren“, so Feichtinger abschließend.

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