Wien (OTS) – Ein Forschungsteam unter der Leitung der Medizinischen
Universität
Wien hat einen neuen Mechanismus entdeckt, der die Vernarbung des
Herzens bei Sarkoidose antreibt. Im Zentrum steht das Enzym MMP12,
das von Immunzellen im entzündeten Gewebe freigesetzt wird. Die
aktuell im Fachjournal American Journal of Respiratory and Critical
Care Medicine veröffentlichten Ergebnisse könnten langfristig den Weg
für neue Behandlungsstrategien ebnen.
Sarkoidose ist eine entzündliche Erkrankung, bei der sich
knötchenförmiges Gewebe, sogenannte Granulome, in verschiedenen
Organen bilden können. Allein in Österreich ist von mehreren tausend
Betroffenen auszugehen. Bei etwa fünf Prozent von ihnen ist das Herz
klinisch nachweisbar betroffen, in Autopsie- und Bildgebungsstudien
finden sich jedoch sogar bei bis zu einem Viertel Hinweise auf eine
Herzbeteiligung. Sie bleibt damit häufig unerkannt, obwohl sie zu
schweren Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und plötzlichem Herztod
führen kann. Besonders problematisch ist die fortschreitende
Vernarbung des Herzgewebes (Fibrose), gegen die bislang nur begrenzte
therapeutische Möglichkeiten bestehen.
Das Team um Thomas Weichhart vom Zentrum für Pathobiochemie und
Genetik der MedUni Wien konnte nun zeigen, dass eine spezielle Gruppe
von Immunzellen, die Makrophagen, eine zentrale Rolle bei der
Entstehung der Herzvernarbung in der Sarkoidose spielen. Als
entscheidenden Treiber identifizierten die Forscher:innen das Protein
MMP12. Dieses Enzym baut Bestandteile des Bindegewebes ab und stößt
dadurch einen Umbauprozess an, an dessen Ende vermehrt Narbengewebe
steht. Besonders wichtig: Die erhöhte MMP12-Aktivität wurde nicht nur
in einem präklinischen Tiermodell nachgewiesen, sondern auch in
Herzgewebe von Patientinnen und Patienten mit Herzsarkoidose
nachgewiesen.
„Bemerkenswert war für uns, dass dieselben Immunzellen, die
zunächst das Granulom bilden, später auch die Vernarbung des Herzens
steuern“, erklärt Erstautor Mario Mazic. „Damit konnten wir für die
Herzsarkoidose erstmals einen Mechanismus identifizieren, der diese
beiden Krankheitsprozesse miteinander verbindet.“
Zwtl.: Erkenntnisse könnten relativ rasch klinische Anwendung finden
Die Studie zeigte außerdem, dass die Blockade von MMP12 im
Tiermodell Entzündung, Granulombildung und Vernarbung im Herzen
deutlich reduzieren kann. Die verwendeten MMP12-Hemmstoffe wurden
bereits für andere chronisch entzündliche Erkrankungen entwickelt und
werden derzeit vom Pharmaunternehmen Foresee Pharmaceutical als
potenzieller Therapieansatz für die Herzsarkoidose weiterentwickelt.
Teile der Arbeit wurden von Foresee Pharmaceutical über einen
ungebundenen Forschungszuschuss mitfinanziert.
„Für Patientinnen und Patienten ist besonders wichtig, dass wir
nicht nur einen neuen Krankheitsmechanismus identifiziert haben,
sondern auch einen konkreten therapeutischen Angriffspunkt“, sagt
Studienleiter Thomas Weichhart. „Da geeignete MMP12-Hemmstoffe
bereits verfügbar sind, besteht nun die Chance, diese Erkenntnisse
vergleichsweise rasch in einer klinischen Studie zu überprüfen.“
Bevor ein solcher Therapieansatz bei Patientinnen und Patienten
eingesetzt werden kann, sind weitere klinische Untersuchungen
erforderlich. Die vorliegenden Ergebnisse schaffen jedoch eine
wichtige Grundlage für die Entwicklung neuer Therapien gegen die
Herzsarkoidose.
Publikation: American Journal of Respiratory and Critical Care
Medicine
MMP12 induces fibrogenic macrophage differentiation to drive
granuloma-associated cardiac fibrosis
Mario Mazić, Clarice X. Lim, Piyal Saha, Thomas El-Jammal, Roko
Šango, Tayeba Ghazi, Armela Jahić, Paul Ettel, Joanna Jager, Angeliki
Asimaki, Mary N. Sheppard, Hannes Todt, Dagmar Kratky, Markus
Hengstschläger, Wenjin Yang, Thomas Weichhart
https://doi.org/10.1093/ajrccm/aamag354
Die Arbeit wurde vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF
unterstützt (Projekte 10.55776/P34023, 10.55776/P34266, und
Spezialforschungsbereich F83, 10.55776/F83) sowie von der Ann
Theodore Foundation Breakthrough Sarcoidosis Initiative, einer
unabhängigen US-amerikanischen Stiftung.