Wien (OTS) – In der Nacht vom 2. August 1944 ermordeten die
Nationalsozialisten
über 4.000 Rom*nja und Sinti*zze im Konzentrationslager Auschwitz-
Birkenau. In ganz Europa wurden im Zweiten Weltkrieg über eine halbe
Million Rom*nja und Sinti*zze getötet. Entsprechende Würdigung bleibt
bis heute aus. Dieser Völkermord ist bis heute in der
österreichischen Geschichtsschreibung und Gedächtniskultur kaum
sichtbar. Die Volkshilfe fordert daher mehr Einrichtungen, die sich
dem Porajmos (Romanes für Verschlingen) widmen.
„Auch in Österreich gehört der Holocaust an Rom*nja und Sinti*zze
noch immer nicht zum Kanon der heimischen Zeitgeschichte. Nach wie
vor gibt es zu wenige Denkmäler und zu wenig Forschung zum Thema.
Gleichzeitig bleiben die Stätten dieses Völkermords oftmals
ungeschützt. Zwar hat Österreich den 2. August als Holocaust-
Gedenktag anerkannt, allerdings erst vor zwei Jahren“ , kritisiert
Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, die späte
historische Verantwortung.
„Die Tatsache, dass sich Antiromaismus und Vorurteile auch
gegenwärtig hartnäckig halten, zeigt sich darin, dass Rom*nja und
Sinti*zze immer noch diskriminiert werden. Das offizielle Österreich
hat ‚Antiziganismus‘ erst 2021 als spezifische Form von Rassismus
anerkannt“, betont Usnija Buligovic, Leiterin des Projekts THARA
Volkshilfe Österreich, das sich seit vielen Jahren für bessere
Arbeitsmarktchancen von Rom*nja und Sinti*zze einsetzt.
„Obwohl Rom*nja und Sinti*zze seit Jahrhunderten in Europa
ansässig sind und gleichermaßen zur Entwicklung nationaler
Gesellschaften, Geschichten, Kulturen und Werte beigetragen haben, ja
sogar als Verteidiger ihrer jeweiligen Länder gekämpft haben, sind
sie nicht überall anerkannt. Das wird in der Geschichtsschreibung bis
heute vernachlässigt. Umso erfreulicher ist, dass es in der Community
eine Einigung zur Errichtung des Mahnmahls für die Opfer des Porajmos
in Wien gibt. Die Ausschreibungsunterlagen für die künstlerische
Umsetzung gehen nun in die Bearbeitung“, so Buligovic.
Die Volkshilfe fordert neben der geschichtlichen Aufarbeitung und
Sichtbarmachung des Porajmos auch ein klares Programm gegen
Antiromaismus, für Inklusion , umfassende Teilhabe und gerechte
Chancen in Bildung, Wohnen, Gesundheit und vor allem am Arbeitsmarkt.
„Wir feiern Diversität und die Rom*nja- und Sinti*zze-Kultur mit all
ihrer Stärke, Vielfalt, Schönheit und Geschichte. Wer soziale
Gerechtigkeit will, muss kulturelle Vielfalt nicht nur anerkennen,
sondern auch fördern“, schließt Erich Fenninger.