Dachverband Öst. Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen (DÖJ): Eigene Care-Leaver-Studie verpflichtet Familienministerium zum Handeln

Wien (OTS) – Die vom Familienministerium beauftragte Studie des
Österreichischen
Instituts für Familienforschung (ÖIF) zur Situation von Care Leavern
in Österreich bestätigt den dringenden Reformbedarf bei der
Unterstützung junger Menschen nach dem Verlassen der Kinder- und
Jugendhilfe. Für DÖJ-Geschäftsführer Michael Lindner ist klar: „Die
wissenschaftlichen Erkenntnisse lassen keinen
Interpretationsspielraum mehr zu. Nun muss die Politik die
notwendigen gesetzlichen und finanziellen Konsequenzen ziehen.“

Die Studie zeigt, dass 86 Prozent der befragten Fachkräfte und
Pflegeeltern regelmäßig einen Bedarf an Hilfen für junge Erwachsene
feststellen , gleichzeitig aber die derzeitige Gewährungspraxis als
restriktiv, regional unterschiedlich und wenig transparent erlebt
wird. Darüber hinaus sprechen sich die befragten Fachkräfte,
Pflegefamilien und Care Leaver klar für längere
Unterstützungsangebote, bundesweite Mindeststandards sowie rechtlich
abgesicherte Nachbetreuung und Coming-Back-Optionen aus.

„Die Bundesregierung hat diese Studie selbst beauftragt. Jetzt
muss sie auch bereit sein, die daraus resultierenden Konsequenzen
umzusetzen“ fordert DÖJ-Geschäftsführer Michael Lindner.

Während die Mehrheit junger Erwachsener noch viele Jahre auf die
Unterstützung ihrer Herkunftsfamilien zählen kann, endet die
öffentliche Unterstützung für Care Leaver häufig genau in jener
Lebensphase, in der Ausbildung, Berufseinstieg, Wohnen und
finanzielle Eigenständigkeit gleichzeitig bewältigt werden müssen.

Die ÖIF-Studie beschreibt diese Übergangsphase als “besonders
risikobehaftet“ und fordert eine längerfristige, verlässliche und
bedarfsgerechte Begleitung über die Volljährigkeit hinaus.
Gleichzeitig wird empfohlen, die Altersgrenzen für Hilfen
auszuweiten, bundesweit einheitliche Standards einzuführen und
Rückkehroptionen gesetzlich zu verankern.

Zwtl.: DÖJ fordert bundesweite Reform

Deshalb braucht es nun eine umfassende Weiterentwicklung der
Hilfen für junge Erwachsene. Der Dachverband fordert insbesondere:

– einen bundesweiten Rechtsanspruch auf Hilfen für junge Erwachsene
bis zum 24. Lebensjahr,

– eine gesetzlich abgesicherte Coming-Back-Regelung,

– bundesweit einheitliche Qualitäts- und Gewährungsstandards,

– den Ausbau unabhängiger Care-Leaver-Anlaufstellen und
Nachbetreuungsangebote,

„Selbstständigkeit beginnt nicht immer pünktlich mit dem 18.
Geburtstag. Sie entwickelt sich Schritt für Schritt. Genau das
bestätigt die vom Ministerium selbst beauftragte Studie. Österreich
braucht endlich ein modernes Leaving-Care-System, das sich am
tatsächlichen Unterstützungsbedarf orientiert und nicht an starren
Altersgrenzen.“

Innerhalb Österreichs bestehen bereits unterschiedliche
Regelungen zwischen den Bundesländern. Die nun vorliegenden
Studienergebnisse bieten aus Sicht des Dachverbandes die fachliche
Grundlage, österreichweit einheitliche Standards zu schaffen.

„Care Leaver dürfen beim Übergang ins Erwachsenenleben nicht vom
Wohnort oder vom Ermessen einzelner Behörden abhängig sein. Wer
gleiche Chancen für alle jungen Menschen will, muss auch gleiche
Unterstützung ermöglichen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die
Kinder- und Jugendhilfe zukunftsfit weiterzuentwickeln“ fasst DÖJ-
Geschäftsführer Michael Lindner zusammen.

Link zur Studie:
https://ucrisportal.univie.ac.at/de/publications/care-leaver-
entscheidung-zu-hilfen-f%C3%BCr-junge-erwachsene-gew%C3%A4hrung/

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