Wien (OTS) – Letzte Woche kam es auf dem Dr.-Karl-Lueger-Platz zu
antisemitischen
Übergriffen auf einen Künstler und Studenten der Angewandten. Zuvor
löste eine Aktion ebendieses Künstlers, die sich kritisch mit Denkmal
und Platz beschäftigte, einen Polizeieinsatz aus.
Aus gegebenem Anlass möchten wir daran erinnern, was Lueger im
österreichischen Parlament und in diversen Versammlungen gesagt hat:
„Die Juden üben hier einen Terrorismus aus, wie er ärger nicht
gedacht werden kann.“ (Rede am 20. Juli 1899 vor dem christlich-
sozialen Arbeiterverein in Wien.)
„Der Antisemitismus wird erst dann zugrunde gehen, wenn der
letzte Jude zugrunde gegangen sein wird.“ (Sitzung des Hauses der
Abgeordneten des österreichischen Reichsrats am 26. Mai 1894,
Stenographisches Protokoll Seite 14.622)
„Abg. Popper: Wenn er aber gesagt hat, dass von ihm niemals Worte
gebraucht worden sind, welche auf die Verhetzung des Volkes sich
beziehen, so erinnere ich an die bekannten Worte des Herrn Dr. Lueger
in einer großen Volksversammlung, wo er gesagt hat, es sei ihm
gleichgültig, ob man die Juden henkt oder schießt.“ Zwischenruf Abg.
Dr. Lueger: “Köpft! habe ich gesagt!“ (Sitzung des Hauses der
Abgeordneten des österreichischen Reichsrats am 26. Mai 1894,
Stenographisches Protokoll Seite 14.623)
Während Kunstaktionen also Polizeieinsätze auslösen, dient der
Platz weiterhin Rechtsextremen und Neonazis als beliebtes Fotomotiv
und als Versammlungsort. Die Lesart des schiefgestellten Denkmals als
Mahnmal beeindruckt sie wenig. Eine kritische Erinnerungskultur ist
unter diesen Umständen kaum möglich.
Deswegen fordern wir, das Rektorat der Universität für angewandte
Kunst Wien, die sofortige Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Platzes in
„Friedl-Dicker-Brandeis-Platz“, benannt nach der jüdischen Wiener
Künstlerin und Designerin, die an der benachbarten damaligen
Kunstgewerbeschule lernte und anschließend international reüssierte,
bis sie von den Nazis in Auschwitz ermordet wurde.
Es braucht an diesem Ort, jetzt und dringend, die deutliche
Distanzierung zum Wirken des Antisemiten Karl Lueger, und als
Kontrapunkt ein Zeichen für das jüdische, avantgardistische,
internationale Wien.
Das Rektorat der Universität für angewandte Kunst Wien
Ulrike Kuch, Gerhild Steinbuch, Clemens Apprich, Martina Griesser
-Stermscheg und Maria Zettler





