Wien (OTS) – Menschen mit Schlafapnoe brauchen ein Beatmungsgerät.
Eine
Tochterfirma von Philips – Respironics erzeugt solche Geräte in den
USA und Philips/Respironics importieren die Geräte nach Österreich.
Im Juni 2021 hat Philips/Respironics eine „Dringende
Sicherheitsmitteilung“ herausgegeben, die von der österreichischen
Generalvertretung von Philips an alle Patienten verschickt wurde.
Darin wird die mögliche „Anfälligkeit für eine Zersetzung des
schalldämmenden Schaumstoffs (PE-PUR) und Freisetzung flüchtiger
organischer Verbindungen sog. VOC’s“ angeführt. Die Schaumstoff-
Partikel könnten in die Atemwege von Patienten gelangen, und die
Chemikalien könnten toxisch und krebserregend sein. Deshalb wurde vor
möglichen Gesundheitsschäden wie u.a. Atemwegsproblemen,
Entzündungen, Organschäden in Leber und Niere, Kopfschmerzen,
Übelkeit u.v.a. gewarnt.
Daniela Holzinger, Obfrau des VSV, bringt es auf den Punkt:
„Für die Betroffenen stellte sich die Frage ob ‚Pest oder Cholera‘:
Entweder Weiterbenützen und Folgeerkrankungen riskieren oder
Benützung abbrechen und dadurch Schaden nehmen.“
Philips kündigte den Austausch der fehlerhaften Geräte an. Der
Austausch der Geräte hat sich aber buchstäblich jahrelang bis Sommer
2023 hingezogen. Diese Geräte werden von den Krankenversicherungen
angekauft oder angemietet und an Betroffene verliehen.
AKTUELL: ANFRAGE AN DAS SOZIALMINISTERIUM
– In einer Anfragebeantwortung schreibt das Sozialministerium nun:
„Sind schadhafte Geräte verwendet worden, wurde die Reparatur/der
Tausch seitens des Vertragspartners organisiert und auf dessen Kosten
durchgeführt. Deshalb ist grundsätzlich auch nicht bekannt, welche
Versicherten vom Austausch bzw. der Reparatur betroffen waren . …
Auch sonst liegen weder dem BMASGPK noch dem BASG entsprechenden
Zahlen vor.“
„Von einem Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen hätte ich
erwartet, dass man aktiv wird, über einen Aufruf über alle Ärzte und
Medien Patientendaten sammelt und so das Ausmaß der Probleme
feststellt,“ sagt Holzinger.
– Auf die Frage, weshalb die Krankenversicherer nicht
Philips/Respironics auf Schadenersatz klagen: „Den
Krankenversicherungsträgern sind bis dato keine Fälle von tatsächlich
kausalen Schäden von Versicherten oder anspruchsberechtigten Personen
durch schadhafte Beatmungsgeräte bekannt, weshalb keine Klage auf
Schadenersatz erhoben wurde.“
Diese Aussage der Krankenversicherungen ist schon deshalb nicht
richtig , weil bereits in einer Parlamentarischen Anfragebeantwortung
aus 2023 klar von 108 Fällen von schwerwiegenden Gesundheitsproblemen
mit einer ganzen Reihe von ernsten Symptomen berichtet wurde (
14189/AB 1 von 10 vom 26.05.2023 zu 14750/J (XXVII. GP).
Die Krankenversicherungen haben keine Maßnahmen ergriffen, um
eine Abklärung und möglichst frühzeitige Diagnose von
Gesundheitsschäden zu ermöglichen.
Mittlerweile sind seit April 2021 in den USA mehr als 220.000
Beschwerden bei der Food and Drug Administration (FDA) eingegangen.
Die auf den europäischen Binnenmarkt importierten Beatmungsgeräte
sind baugleich mit den in den USA verkauften Beatmungsgeräten. In
diesen Beschwerden wird von gravierenden Erkrankungen wie Krebs,
Asthma u.a. berichtet. Die FDA hat von bisher 561 Todesfällen im
Zusammenhang mit den Beatmungsgeräten allein in den USA berichtet.
In Österreich ist jener Patient, für den der VSV einen
Musterprozess unterstützt, inzwischen an Lungenkrebs gestorben. Der
Gutachter sieht einen klaren Zusammenhang mit der jahrelangen Nutzung
des Gerätes.
„Die Berichte der FDA müssen dem BASG bekannt gewesen sein.
‚Keine Fälle kausaler Schäden‘ zeigt wie wenig engagiert das BASG
hier wieder und wieder agiert,“ beklagt Holzinger.
– Das BMASGPK zum Schluss: „Festgehalten wird, dass das BASG als
zuständige Behörde im Rahmen seiner gesetzlichen Verpflichtungen die
Umsetzung der Sicherheitskorrekturmaßnahmen des Herstellers in
Österreich überwacht und sich dabei mit den anderen Mitgliedsstaaten
des Europäischen Wirtschaftsraumes koordiniert hat.“
„Das BASG sieht also zu, wie sich der Gerätetausch über Jahre
hinzieht und kennt trotz internationaler Koordination offenbar die
Berichte der FDA nicht. Diese Mängel beim BASG gehören nicht
verteidigt, sondern behoben!“ fordert Holzinger. „Die
Krankenversicherungen leugnen trotz klarer Indizien jegliche
Problematik und lassen die Versicherungsgemeinschaft stillschweigend
für die Schäden zahlen, die ein Industriegigant nachweislich
verursacht hat.“





